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22.05.2013

Das neue Album "Somewhere" von Keith Jarrett, Gary Peacock & Jack DeJohnette

Keith Jarretts “Standards”-Trio altert wie guter Wein und wird, wie das zwanzigste Album “Somewhere” beweist, mit den Jahren immer besser.

Keith Jarrett Trio 1983 - 2013, Das neue Album Somewhere vom Keith Jarrett Trio © Daniela Yohannes / ECM Records

Diese Formation sei nach wie vor “eine der besten, nicht nur dieser, sondern aller Zeiten”, schrieb Jürg Meier, als er das Luzerner Konzert von Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette in der Neuen Zürcher Zeitung besprach. “Ihre Beschäftigung mit dem ‘Great American Songbook’, den Standards des Jazz, ist mustergültig in der Gleichzeitigkeit von absolutem Respekt vor dem Material und absoluter Freiheit im Umgang damit.”

Während des Luzerner Sets improvisierten Jarrett, Peacock und DeJohnette über einige Themen aus gewissermaßen himmlischen Sphären: Gleich das erste Stück, Jarretts Solo-Meditation “Deep Space”, atmet die Luft eines anderen Planeten und ebnet den Weg zu der vom Trio interpretierten Miles-Davis-Komposition “Solar”. Die zutiefst bluesige Nummer erschien in anderen Versionen schon 1990 auf dem Album “Tribute” und der DVD Live In Japan 93/96”, aber so berauschend wie in Luzern wurde sie von dem Trio bis dato noch nie gespielt.

Nach der wie in Slow-Motion präsentierten Ballade “Stars Fell On Alabama” und Harold Arlens lebhaftem “Between The Devil And The Deep Blue Sea”, das Jarrett in fast schon Monkscher Manier gestaltet, unternimmt das Trio einen ausgiebigen Ausflug durch die “Westside Story”, bei dem Jarretts frei assoziiertes “Everywhere” die Brücke zwischen den beiden Leonard-Bernstein-Songs “Somewhere” und “Tonight” bildete. Die das Album abrundende Zugabe ist noch einmal eine musikalische Verbeugung vor Miles Davis, der Jimmy Van Heusens “I Thought About You” 1961 erstmals für das Album “Someday My Prince Will Come” einspielte und über Jahre hinweg in seinem festen Repertoire hatte. Jarrett, Peacock und DeJohnette nahmen es auch schon einmal 1991, nur dreizehn Tage nach Miles’ Tod, für ihr Davis-Tribute-Album “Bye Bye Blackbird” auf.

Wie schaffen es die drei, das Projekt so frisch zu halten? Gary Peacock beantwortete die Frage in einem Interview mit Downbeat: “Wir scheren uns nicht groß um Konzepte, Theorien, oder darum, ein Image aufrecht zu erhalten. Das ist alles nicht von Belang…Wenn du erst an diesen Punkt gelangt bist, wo du nicht mehr das Gefühl hast, noch ein Statement machen zu müssen, betrittst du einen Raum enormer Freiheit.“ Einen Raum, in dem die Musik - so wie auf dem Album “Somewhere” - für sich selbst spricht.

Im Juli werden Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette eine Europatournee unternehmen, in deren Rahmen sie am 9. Juli in der Philharmonie Gasteig in München ihr einziges Deutschland-Konzert geben.


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