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21.06.2013

Die große Serie zum Jubiläum: Folge Nr. 13 - 'Up For It'

In dieser Folge präsentieren wir Ihnen das Album 'Up For It', erschienen im Jahr 2003. Die Serie begleitet die Veröffentlichung des neuen Albums 'Somewhere'.

Keith Jarrett, Die große Serie zum Jubiläum: Folge Nr. 13 - 'Up For It' © ECM Records

Vor genau 30 Jahren, im Jahr 1983, hat das Keith Jarrett Trio sein erstes Album für das Label ECM veröffentlicht. Unvergesslich ist die Vielzahl an Veröffentlichungen, die weltweit Millionen von Musikfans begeistert haben. Grund genug für uns, eine kleine Retrospektive auf die Alben des Trio zu schreiben. Neben dem, was uns mit dem Trio verbindet interessiert uns aber besonders Ihre Meinung. Deshalb haben wir eine Leseraktion gestartet bei der Sie auch etwas gewinnen können. Einfach unten auf den Link klicken.

Um ihr 20jähriges Jubiläum zünftig zu feiern, veröffentlichten Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette 2003 “Up For It”, ihr sechzehntes gemeinsames Album für ECM. Die Aufnahmen wurden im Sommer 2002 live beim Antibes Jazz Festival in Juan-les-Pins mitgeschnitten. Nach “Inside Out” und “Always Let Me Go”, zwei Alben, die ganz im Zeichen der freien Improvisation standen, standen nun wieder die Jazzstandards auf dem Programm, die das Trio 1983 zusammengeführt hatten. Neben einigen Klassikern, die im Repertoire des Trios mittlerweile den Rang von “Greatest Hits” (“My Funny Valentine”, “Someday My Prince Will Come”, “Autumn Leaves”, “If I Were A Bell” und “Butch And Butch”) einnehmen, tauchen auf diesem Live-Album auch drei Titel auf, die man bislang noch nicht von Jarrett, Peacock und DeJohnette gehört hatte: Charlie Parkers Bebop-Meisterwerk “Scrapple From The Apple”, “Two Degrees East, Three Degrees West”, ein schwermütiger Blues des Modern Jazz Quartet, und das Titelstück “Up For It”, eine berauschende neue Komposition Jarretts.

“Nach Rückkehr zu freier kollektiver Improvisation eine scheinbare Rückkehr zu den alten Hüten”, meinte Peter Rüedi in der Schweizer Weltwoche. “Aber wie die gegen den Strich gebürstet werden! Vier Standards im engeren Sinn, zwei Bop-Klassiker und als größte Überraschung John Lewis’ minimalistisch hingetupfter Stop-and-go-Blues ‘Two Degrees East, Three Degrees West’: abermals ein Beispiel für Jarretts neu entdeckte Sparsamkeit, die sich schon in seiner Vorliebe für Ahmad Jamal zeigt. ‘Up For It’ ist ein acht Minuten andauernder, an drei Halbtönen aufgehängter Vamp von Jarrett, mit dem er ‘Autumn Leaves’ ausklingen lässt. Die Einleitung zu ‘My Funny Valentine’ aber war selbst bei Jarrett so oder ähnlich noch nie zu hören.”

“Standards werden von vielen unterschätzt, weil die Leute keine Vorstellung davon haben, wie schwer es ist, eine vernünftige Melodie zu schreiben”, erklärt Jarrett erneut seine Passion für dieses Genre. “Die meisten Komponisten der Stücke, die ich auf den Standards-Alben aufgenommen habe, werden nicht als ‘ernsthafte’ Komponisten eingestuft. Aber sie haben einen Stellenwert, den sogenannte ernsthafte Komponisten kaum einmal erringen können. Viele der ernsthaften Komponisten würden auch schnell an die Grenzen ihrer Fähigkeiten stoßen, wenn man von ihnen verlangen würde, etwas in einer kleinen Melodieform zu schreiben.” Gerade diese “kleinen Melodieformen” aber sind eine große Herausforderung für jeden Improvisationskünstler. Grenzen setzt ihm dabei nur seine eigene Phantasie. “Ich wollte damals, als ich anfing Standards zu spielen, beweisen, dass im Jazz nicht die musikalische Vorlage wichtig ist, sondern das, was man aus ihr macht. Ich wollte klarmachen, dass wir dieses Material nicht besitzen, dass es nicht unsere Musik ist. Wir setzen uns damit zwar so ernsthaft auseinander, als wenn es unseres wäre, aber wir versuchen nie, es in etwas vollkommen anderes zu verwandeln.”

Genau dies zeichnet das Standards Trio auch ganz besonders aus: Dass es ihm stets gelingt, die goldrichtige Balance zwischen den Vorlagematerial und eigenen Ideen herzustellen, zwischen Interpretation und Improvisation, zwischen Altem und Neuem.


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