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14.11.2013

Keith Jarrett als experimentelle One-Man-Band

Das 1986 aufgenommene, nie zuvor veröffentlichte Doppelalbum "No End" offenbart völlig neue musikalische Facetten von Keith Jarrett.

Keith Jarrett, Keith Jarrett als experimentelle One-Man-Band © Toshinari Koinuma / ECM Records

Wie kaum ein anderer Jazzkünstler hat Keith Jarrett in seiner Karriere Alben von einer geradezu erschreckend hohen und konstanten Qualität gemacht. Viele der Werke, die er als Konzertsolist, mit seinen amerikanischen und europäischen Quartetten in den 1970er Jahren oder seit 1983 mit dem fabelhaften Standards-Trio aufnahm, setzten im Jazz neue Maßstäbe. Und dennoch hat es Jarrett gelegentlich geschafft, Alben herauszubringen, die selbst von seinen größten Fans sehr kontrovers diskutiert wurden. Ein solches Album war beispielsweise 1986 “Spirits”, das der Protagonist allein in seinem Heimstudio im Overdub-Verfahren mit einem ganzen Arsenal von Instrumenten einspielte. Im selben Jahr nahm er dort auch das Material für das nun erscheinende Doppelalbum “No End” auf, das völlig neue musikalische Facetten von Keith Jarrett offenbart und ähnliche Diskussionen auslösen dürfte wie “Spirits”.

Auf “No End” ist Jarrett nun an elektrischen Gitarren, elektrischem Bass, Schlagzeug, Blockflöte, Tabla und Perkussion zu hören, wie er mittles Overdubs über eigene Improvisationen spielt: “Irgendwie passierte in diesen Tagen während der 80er Jahre etwas, das sich nie wiederholen wird”, schreibt Jarrett in seinen Liner Notes. “Es gab, soweit ich mich erinnere, keinerlei Vorüberlegungen oder Kompositionen im herkömmlichen Sinn - nur ein Gefühl oder reine rhythmische Idee oder ein Konzept für eine Basslinie oder Melodie. Nichts davon war niedergeschrieben.” Über die Instrumentierung: “Ich hatte irgendwie immer ein Faible für Schlagzeug”, reflektiert Jarrett. “Ich habe mich stets von Instrumenten angezogen gefühlt, die man direkt berührt, ohne einen zwischengelagerten Mechanismus. Von daher kann ich nicht von mir sagen, das Piano jemals so geliebt zu haben wie Schlagzeug oder Gitarre.“ Und es sind genau diese beiden Instrumente, mit denen Jarrett eines seiner ungewöhnlichsten Alben hauptsächlich gestaltete. Das Klavier spielte bei den Aufnahmen für “No End” nur eine untergeordnete Rolle.


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