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21.05.2015

Folge 2: Keith Jarrett - Einzigartiger Jazzimprovisator und origineller Klassikinterpret

Keith Jarrett, Folge 2: Keith Jarrett - Einzigartiger Jazzimprovisator und origineller Klassikinterpret © Henry Leutwyler/ECM Records

In der zweiten Folge unserer Rückschau auf das Werk von Keith Jarrett stellen wir zwei weitere Meilensteine im Schaffen des amerikanischen Pianisten vor.

Keith Jarrett: The Köln Concert (ECM 1064/65)

"Man sollte die Platte einstampfen, das Ding war ein Fluch", mit diesen harschen Worten tat Keith Jarrett vor ein paar Jahren in einem Interview mit Alex Rühle von der Süddeutschen Zeitung sein bekanntestes und bestverkauftes Album ab: "The Köln Concert". Rund 3,5 Millionen weltweite Fans sahen das anders und machten "The Köln Concert" zum meistverkauften Jazz-Solo- und Klavier-Solo-Album. "Am 24. Januar 1975 setzte er sich in der Kölner Oper an einen alten Flügel, schlug ein g an und spazierte darum herum", beschrieb Rühle die Entstehung der Aufnahme.

"Dann schienen seine Finger wie im Dunkel nachzutasten, was für ein Akkord das eigentlich war, wiederholten das Motiv, tasteten zögernd weiter. Eine Stunde später hatte Jarrett aus vorbeiwehenden Tönen ein Monument geschaffen. Eine Feier des Klangs, die Kraft des Free Jazz, domestiziert von melodischem Wohlklang, Motive, die wie Fraktale aus sich selbst herauszuwachsen schienen, hymnisch, sentimental, monomanisch. Und das zu einer Zeit, in der es mal wieder hieß, der Jazz sei an sein Ende gekommen." 

Mozart/Jarrett: Piano Concertos I

Zu Mozart hatte Keith Jarrett schon als Kind einen guten Draht. Im Alter von sieben Jahren begann er seinen ersten Soloauftritt mit einem Mozart-Stück, und wenn man das musikalische Temperament von Keith Jarrett betrachtet, dann ist diese Verbindung auch alles andere als zufällig. Mozart gehört wahrscheinlich zu den Charakteren der klassischen Tradition, die dem eigensinnigen Wesen Keith Jarretts am nächsten kommen, und so wundert es nicht, dass sich Jarrett bei Mozart wie ein Fisch im Wasser fühlt. Hier kann er richtig loslegen, sich gehen lassen und die ganze Kraft seiner improvisatorischen Begabung ausreizen.

Waren seine Bach-Aufnahmen Musterbeispiele musikalischer Disziplin, so sind seine Mozart-Aufnahmen meisterliche Demonstrationen ekstatischer Entfesselung. Dazu trägt auch das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies bei. Wie in einem lebhaften Dialog entfaltet das Orchester gemeinsam mit Keith Jarrett die typisch flirtende, kommunikative Lust Mozarts. In den drei Klavierkonzerten in A-Dur (KV 488), B-Dur (KV 595) und C-Dur (KV 467) kommt dies glänzend zur Geltung. In der Maurerischen Trauermusik und der berühmten Sinfonie in g-Moll klingt dann der melancholisch verträumte Mozart an. Jarretts erstes ECM-Doppelalbum mit Werken von Mozart erschien im Jahre 1996 und gilt als Meilenstein seiner Klassik-Laufbahn. 


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