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29.10.2005

Keith Jarrett

Keith Jarrett, Keith Jarrett

Der amerikanische Pianist, Komponist und Bandleader Keith Jarrett gehört zu den erfolgreichsten und stilprägenden Musikern der vergangenen vier Jahrzehnte und hat vor allem durch seine außergewöhnlichen Solo-Konzerte maßgeblich die Vorstellung von zeitgenössischer Improvisation beeinflusst. Er wurde am 8. Mai 1945 in Allentown in Pennsylvania geboren, hatte seit dem dritten Lebensjahr Klavierunterricht und stand als Siebenjähriger zum ersten Mal auf der Bühne. Außerordentlich begabt und spieltechnisch versiert, konnte er dem Studium am Berklee College in Boston wenig abgewinnen, begann in den frühen Sechzigern seine Laufbahn als Live-Musiker und arbeitete schnell mit großen Namen des Geschäfts wie Chet Baker, Lee Konitz und Art Blakey zusammen. Im Jahr 1966 engagierte ihn der Saxofonist Charles Lloyd für seine Band, bereits kurz darauf gründete er mit dem Bassisten Charlie Haden und dem Schlagzeuger Paul Motian ein eigenes Trio, das er stellenweise durch den Saxofonisten Dewey Redman ergänzte.

Ende der sechziger Jahre war Jarrett bereits über Spezialistenkreise hinaus bekannt. Der eigentliche Durchbruch jedoch gelang ihm zunächst als Mitglied der Jazzrockformationen von Miles Davis (1969-71), dann als Solokünstler für das Münchner Plattenlabel ECM. Bis zum Jahr 1975 spielte er rund 50 Solo-Konzerte in aller Welt, mit denen er ein neuartiges Prinzip des freien Flusses motivisch geprägter Improvisationen ausbaute und kultivierte. Aufnahmen wie "Solo Concerts Bremen / Lausanne" (1974) und "The Köln Concert" (1975) wurden nicht nur vielfach preisgekrönt, sondern gehörten auch bald zu den Bestsellern des nach Introvertiertheit und Individualismus strebenden Jazz der siebziger Jahre. Zu den Mammut-Projekten dieser Ära zählten die auf 10 LPs veröffentlichen Aufnahmen von fünf Solo-Auftritten in Japan vor 40 000 Leuten, die unter dem Titel "Sun Bear Concerts" 1979 veröffentlicht wurden.

Neben den Aktivitäten im Konzertsaal begann Jarrett auch, sich für klassische Musik und im Jazz unübliche Instrumente zu interessieren. Die Alben "Hymns, Spheres" (1976) und "Invocations - Moth And The Flame" (1979) entstanden an der Riepp-Kirchenorgel in Ottobeuern, die Aufnahme "In The Light" brachte ihn 1973 mit dem Südfunk-Orchester zusammen, "Book Of Ways" (1986) präsentierte ihn am Clavichord, die während der folgenden Jahre entstandenen Einspielungen der "Goldberg-Variationen" (1989) und des "Wohltemperierten Klaviers" (1987/90) wurden mehrfach preisgekrönt. Darüber hinaus existierten stilistisch verschiedene Projekte wie etwa seine europäische Band mit dem Saxofonisten Jan Garbarek und der aus Palle Danielsson und Jon Christensen bestehenden Rhythmusgruppe ("Belonging", 1974) oder auch amerikanische Pendants mit Musikern wie Gary Burton, Kenny Wheeler ("Gnu High", 1975) und Dave Holland.

Wiederum seiner Zeit weit voraus zeigte sich Keith Jarrett zu Beginn der Achtziger Jahre, als er mit der 1983 einsetzenden Serie von Standards-Einspielungen nicht nur das damals verpönte Broadway- und Tin-Pan-Alley-Repertoire wieder belebte, sondern durch das Trio mit Gary Peacock am Kontrabass und Jack DeJohnette am Schlagzeug auch dem seit dem Tod von Bill Evans 1980 als angeschlossen betrachtete Klavier-Trio-Format neue Impulse gab. Seitdem folgten zahlreiche, überwiegend live aufgenommene Einspielungen dieser Gruppe, die sich allerdings regelmäßig mit Solo-Darbietungen ("Paris Concert", 1988; "Vienna Concert", 1991; La Scala", 1995) abwechselten. Eine seltene Nervenkrankheit zwang Jarrett Ende der neunziger Jahre dazu, sich für mehrere Monate von der Bühne zurück zu ziehen. Nach der Genesung und dem ergreifend ausdrucksstarken Solo-Album "The Melody At Night, With You" (1998) setzte er seine internationale Konzerttätigkeit vor allem mit seinem Trio fort. Zu den wichtigsten Aufnahmen der neuesten Zeit gehören "Always Let Me Go" (2001), "Up For It" (2002) und die Solo-Doppel-CD "Radiance" (2005).


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