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09.10.1987

Keith Jarrett Trio - Changeless

Keith Jarrett, Keith Jarrett Trio - Changeless

Mit ihren einzigartigen Interpretationen von Klassikern aus dem "Great American Songbook" eroberten Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette ab 1983 die Jazzwelt und firmierten in der Folge inoffiziell nur noch unter dem Namen "Standards-Trio". Dabei hatten die drei Musiker von Beginn an gezeigt, daß sie ihre kreativen Kräfte nicht ausschließlich darauf beschränken wollten, alten Standards neues Leben einzuhauchen. Denn schon aus den ersten Aufnahmesessions ging unter dem Titel "Changes" auch ein Album hervor, das mit weitgehend freien Improvisationen über kompositorische Ideen Jarretts aufwartete.

Ein wenig augenzwinkernd wirkt der Titel des zweiten Albums, auf dem das Trio wieder kollektiv über thematische Skizzen von Jarrett improvisiert. Denn "Changeless" - also: unveränderlich - sind die vier Stücke, die im Oktober 1987 bei vier Auftritten in Lexington, Dallas, Houston und Denver eingespielt wurden, nämlich ganz und gar nicht. So wie Jarrett seine Improvisationen bei Solokonzerten oft auf ostinaten Figuren aufbaut und spontan immer wieder neue melodische Variationen entwickelt, so macht es hier nun das Trio.
 
"Bei seiner Konzerttournee im Oktober legte das Trio Wert darauf, als 'Standards - Keith Jarrett, Gary Peacock, Jack DeJohnette' angekündigt zu werden. Immerhin hatte es, seit Keith Jarrett im Januar 1983 erstmals zur Studiosession geladen hatte, außer den zum Abschluß der beiden Produktionstage aufgenommenen Titeln von 'Changes' nur noch Jazzstandards eingespielt - und damit neue Interpretationsmaßstäbe gesetzt", hieß es im HiFi-Magazin Audio. "Nun ist alles anders, denn die vier Live-Mischnitte auf 'Changeless' wurden allesamt von Keith Jarrett komponiert. Dem neunminütigen 'Dancing', am 14. Oktober 1987 in Denver aufgenommen, liegt ein kleines, bewegliches Motiv zugrunde. Ihm bleiben Gary Peacock, Jack DeJohnette sowie Jarrett in unzähligen, ineinander verschachtelten Variationen treu: ein magischer Tanz. Drei Tage zuvor hatte das Trio in Dallas über ein leise swingendes Balladenthema ähnlich intensiv improvisiert. Dumpf läßt Jack DeJohnette die Schlegel auf die Trommeln prallen, hell zischeln dazu die Becken, während Gary Peacocks Baß das Ensemble wie ein kräftiger Motor antreibt. Von diesem Duo beseelt, hebt Keith Jarretts Klavierspiel in himmlische Sphären ab, bevor es zu einem romantischen Wellenbad zurückfindet. In 'Lifeline', das am 9. Oktober in Lexington entstand, verdichten die drei wiederum ein kleines, ständig wiederkehrendes Thema zu einer magischen Traumreise, in der Solo- und Begleitfunktionen ineinander übergehen. Es scheint, als musizierten nicht drei verschiedene Musiker, sondern ein einheitlicher Organismus. Nahezu nahtlos knüpft daran das mit einem Baßsolo Gary Peacocks beginnende 'Ecstacy' vom 12. Oktober an. Wer genau hinhört, nimmt allerdings die veränderte, dumpfere Akustik des Konzertsaals in Houston wahr. Hier folgt das Trio am wenigsten einem durchgängigen Motiv, hier überlagern sich vor allem im Moment entstandene Einfälle und gipfeln in einer überraschungsreichen Schlagzeugeinlage sowie einem gewaltigen Flügel-Crescendo, das jedoch leise ausklingt. Dieser Vierteiler erinnert an Jarretts großartigste, auf CD dokumentierte Solokonzerte in Bremen, Lausanne, Köln und Bregenz: ein neuer Höhepunkt des Pianisten, der nun auch im Trio sein Publikum auf weltentrückte Traumreisen mitnimmt."


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