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30.09.2009

Vor Bedeutung funkelnd

Keith Jarrett, Vor Bedeutung funkelnd © Jimmy Katz / ECM Records

“Kein lebender Jazzpianist gestaltet seine Solokonzerte dramatischer als Keith Jarrett”, schrieb die New York Times 2006 nach dem frenetisch gefeierten Auftritt des Pianisten in der Carnegie Hall. “Seine weit ausschwingenden, improvisierten Konzerte sind melodische Marathons, in denen es vor Bedeutung nur so funkelt.” Jarretts erste Solokonzerte, mit denen der Pianist damals absolutes Neuland betrat, wurden 1973 für die drei LPs der Box “Solo Concerts Bremen/Lausanne” aufgenommen und verblüfften nicht nur das Jazzpublikum. Seitdem nahm er noch eine ganze Serie von epischen, improvisierten Solokonzerten auf, die auf Bestselleralben wie “La Scala” (1997), “The Carnegie Hall Concert” (2006) und natürlich dem legendären “The Köln Concert” (1975) veröffentlicht wurden. Nun fügt Keith Jarrett dieser Reihe mit den CDs von “Testament (Paris/London)” ein neues aufregendes Kapitel hinzu.

Nachdem Jarrett im Mai 2008 bereits vier Solokonzerte in Japan gegeben hatte und anschließend im Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette durch Europa und die USA getourt war, erklärte er sich im Spätherbst spontan dazu bereit, für zwei weitere Solokonzerte noch einmal nach Europa zurückzukehren. Das erste dieser beiden Konzerte gab er am 26. November im Pariser Salle Pleyel, wo er im Juli zuvor schon ein Gastspiel mit dem Trio gegeben hatte, das zweite am 1. Dezember in der Londoner Royal Festival Hall. Die Musik der nun erscheinenden 3-CD–Box “Testament” stammt von diesen beiden Konzerten.

Seit dem “Radiance”-Album und der “Tokyo Solo”-DVD, die beide im Oktober 2002 aufgenommen wurden, hat Jarrett seine Ansatzweise geändert und häufiger wesentlich pointierter gearbeitet. “Ich fand in diesem offenen Format nach wie vor eine Fülle von Musik, stoppte aber, wann immer es mir die Musik selbst vorgab.” Diese Vorgehensweise zeichnete das “Carnegie Hall Concert” aus. Und sie wurde nun auf höchst effektiv Weise auch bei den Einspielungen für “Testament” eingesetzt, wo besonders die stark kontrastierenden Elemente der Parts des Pariser Konzerts die Logik einer spontan komponierten Suite ausstrahlen. Die atemberaubende Londoner Performance verlief wieder ganz anders: “Obwohl das Konzert mit einem dunklen, suchenden, multitonalen Triumph begann, artete es am Ende irgendwie zu einem hämmernden, ständig anders pulsierenden und fast schon rockigen Auftritt aus...”

Letztendlich macht der Improvisationskünstler nur das, was er zu tun hat. Jarrett formulierte dies vor langer Zeit einmal so: “Wenn man ein Bergsteiger ist und erst einmal die Hälfte des Weges zum Gipfel erklommen hat, dann muss man sich weiterbewegen, weiter auf sein Ziel zusteuern. Und das ist genau das, was ich tue: ich finde einen Weg.”

Nur dass Jarrett heute die Anzahl seiner Aufstiege etwas rationiert hat: In den letzten zehn Jahren gab er weniger als dreißig Solokonzerte. Und das macht die Veröffentlichung von “Testament” wiederum zu einem ganz besonderen Ereignis. Sehr zu Freude aller europäischen Jarrett-Fans wird der Pianist aber schon bald wieder zwei Solokonzerte geben: am 9. Oktober tritt er im Brüsseler Palais des Beaux Arts auf und am 12. Oktober in der Berliner Philharmonie.

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"Musik sagen, Kasse meinen", Keith Jarrett im SPIEGEL-Interview (42/1992)


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