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Flesh Tone

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05.09.2006

Biografie: Kelis Was Here


Kelis
Kelis Was Here
VÖ: 08.09.2006

Oberflächlich betrachtet liest sich die Geschichte von Kelis Rogers ziemlich simpel: Vom Riot-Grrrl der HipHop-Generation zur eleganten Boss-Lady. Vom Mädchen, das ihre Wut auf die Männerwelt hinausschreit, zur Frau, die selbige mit einem einzigen Wimpernschlag dauerhaft um den Finger wickelt. In Wahrheit aber hat sich die 26-Jährige aus dem von Mythen umrankten New Yorker Stadtteil Harlem noch nie auf so platte Schlagworte reduzieren lassen. Schon ihr erstes Album "Kaleidoscope" von 1999 zeigte Facetten jener Sinnlichkeit, die Kelis mittlerweile zur globalen Hochglanz-Heroin gemacht hat. Und umgekehrt lässt sie auch auf ihrem neuen Wurf "Kelis Was Here" nicht jene typische Rotzigkeit vermissen, die einst das gesamte R&B-Genre aus einem jahrelangen Dornröschenschlaf riss. Der Albumtitel sagt es bereits: Kelis hat ihre Spuren hinterlassen, in der Musikhistorie und in der persönlichen Geschichte von Millionen von Menschen. Und sie hat ganz bestimmt nicht vor zu gehen.

Dabei hatte es zwischenzeitlich für Kelis nicht nach der ganz großen Karriere ausgesehen. Nachdem ihr mittlerweile klassischer Erstling "Kaleidoscope" zumindest in Europa für amtliche Aufregung gesorgt hatte - gerade der zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ungehörte Psychedelic-Retro-Cyber-Soul der Neptunes katapultierte Songs wie "Caught Out There" oder "Good Stuff" raketengleich in die Jahrescharts einschlägiger Trendnasen - drohte ihr 2001 beinahe das Karriereaus. "Young Fresh N New", die erste Single zu ihrem zweiten Album "Wanderland", sollte sie auch in Mainstream-Amerika etablieren. Sollte.

Die US-Medienlandschaft lieferte jedoch einen weiteren Beweis grenzenloser Ignoranz und lies den Song fallen, bevor auch nur die erste Snare verhallt war. Dieser durchgestylte Future-Soul mit elektrifizierter Punk-Attitüde war mehr als nur einen Deut zu weit draußen für MTV und BET und den Rest der Marktschreiermaschinerie, deren Differenzierungsvermögen sich meist in "urban" und "nicht urban" erschöpft. "Wanderland" wurde in die Giftschränke der Plattenfirma verbannt und erschien lediglich in Europa und Asien."Das war natürlich eine harte Zeit für mich", erklärt Kelis heute mit dem Abstand von fünf Jahren, einer Gold-Plakette und zahllosen Awards. "Aber ich habe in keinem Moment daran gedacht aufzugeben. Dafür steckt einfach zu viel Kreativität in mir. Musik ist, was ich atme und lebe."

Statt in Selbtmitleid und Ärger über die ach so böse Industrie zu versinken, emanzipierte Kelis sich also vom anfangs natürlich hilfreichen, bald aber nur noch lähmenden Image der Neptunen-Muse, tourte mit Moby und U2 - und legte ein Album vor, das keiner ignorieren konnte. "Tasty" war ein Monster. Ein in abertausend Farbtönen schimmerndes, in manchen Momenten sperriges, unter der Oberfläche aber wunderschönes Meisterstück. "Milkshake", das beeindruckendste Manifest weiblichen Selbstbewusstseins seit Aretha Franklin. "Trick Me", DER Sommerfest 2004. "Millionaire", auf dem Kelis einem musikalischen Genie wie Andre 3000 (OutKast) auf Augenhöhe begegnete. Und natürlich "In Public", eine weitere Demonstration offen zur Schau gestellter Sexyness, die all die billigen R&B-Püppchen der MTViva wie, nun ja, billige Püppchen dastehen lässt. And now... WHUT?!?

Beweisen muss sich Kelis bestimmt nicht mehr. Dass sie es mit ihrem neuen Album "Kelis Was Here" trotzdem tut, versteht sich jedoch von selbst.

Von der glühend heißen ersten Single "Bossy", auf der sie über mächtige 808-Kicks selbst den legendären Chef-Pimp Too $hort in die Schranken weist, über die grazile Spoken Word-Ästhetik von "Circus" bis hin zum in einschlägigen Internet-Foren bereits hitzig diskutierten Hidden Track "Fuck The Bitches" schafft sie zeitlose Popmusik, die in jeder Sekunde die HipHop/R&B-Wurzeln der New Yorkerin durchschimmern lässt, ohne sich aber auch nur eine Sekunde in die Szene-üblichen Dogmen zu fügen. "Die Leute können meine Musik nennen, wie sie wollen. Von mir aus sollen sie sagen, ich sei ein Country-Artist, das ist mir wirklich komplett egal. Solange die Menschen fühlen, was ich tue, ist alles in Ordnung."

Es ist nicht Marketing-freundlicher Reißbrett-Eklektizismus, wenn sie auf der zweiten Single "Blindfold Me" an der Seite ihres Ehemanns Nas über einen Synthie-Stomper des designierten Starproduzenten Polow Da Don (u.a. Fergie, Ludacris Pussycat Dolls und Dirty South-Shootingstar Rich Boy) ein paar Reime fallen lässt, um im nächsten Moment mit Cee-Lo Green (Gnarl Barkley) in der Hotelbar des "Delano" zu loungen. "Have A Nice Day" ist organischer Folksoul mit Bachata-Einschlag, die elektroide Will.i.am-Kollabo "Weekend" Bass Music in gut. "Mein Vater war ein Jazzmusiker. Ich habe im Kirchenchor gesungen und in der Schule Geige, Saxophon und Klavier gespielt. Ich war Teil einer R&B-Gruppe. Und ich habe mit genialen HipHop-Produzenten wie RZA, Rockwilder oder den Neptunes gearbeitet, mit Künstlern wie Ol' Dirty Bastard und Busta Rhymes. Ich habe alle diese Einflüsse, ich kann mich überhaupt nicht auf ein einziges Genre einengen lassen. Das widerspräche meiner ganzen Attitüde." Kein Wunder also, dass sich Kelis auf einer Stelle des Albums selbst als "Hiphoprockpopstar" charakterisiert...

Dass die Neptunes auf "Kelis Was Here" zum ersten mal komplett fehlen, sollte dabei nicht überinterpretiert werden. Von Streit mit ihren Ex-Mentoren und Immer-noch-Freunden könne nicht die Rede sein. "Es war einfach an der Zeit, sich weiterzuentwickeln. Wo würde es mich als Künstlerin hinbringen, wenn ich noch weitere zehn großartige Songs mit den Jungs aufnehmen würde? Nirgendwo hin. Man darf einfach nie stehen bleiben und sich einer natürlichen Entwicklung widersetzen, nur weil es manche Leute an bestimmten Stellen der Industrie so haben wollen. Überhaupt: die ‚Musikindustrie'. Für mich ist das ein Widerspruch in sich. Mir geht es nicht in erster Linie darum, dass sich meine Sachen verkaufe. Mir geht es um die Musik. Darum, mich als als Mensch und Künstlerin auszudrücken. Und solange ich die Chance habe, das zu tun, bin ich glücklich." Nimmt man "Kelis Was Here" als Maßstab, dann muss Kelis Rogers, die 26-Jährige aus dem von Mythen umrankten New Yorker Stadtteil Harlem, glücklich sein. Sehr, sehr glücklich.

www.kelis.de

Album online hören: http://www.kelis.de/webwheel/

Kontakt:
Axel Wiegand
Tel. 030- 440 100- 51
wiegand@styleheads.de

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