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25.02.2009

Biografie 2009

Love Is Dead (VÖ: 20.03.2009)

„All I want/Is right here/But love don’t live here anymore/And love don’t live here anymore“ – aus dem Song „Love Is Dead“
Die Sache ist im Grunde ganz simpel: Alles, was man über die 21-jährige Sängerin Kerli wissen muss, sagt sie auf Love Is Dead, ihrem Debütalbum für Island Def Jam.
Im estnischen Elva geboren, einer von Wäldern umgebenen Kleinstadt mit 5000 Einwohnern, damals noch Teil der Sowjetunion, träumte Kerli schon als kleines Mädchen davon, irgendwann ihre Heimat zu verlassen. Sie wollte weg. Unbedingt. „Little creepy girl/Oh she loves to sing/She has a little gift-an amazing thing“, berichtet sie über den eingängigen Worldmusic-Beat von „Walking on Air“ – und untertreibt natürlich maßlos, denn ihre stimmliche Gabe ist alles andere als klein. Weiter geht’s mit: „She will go and set the world on fire/Nobody ever thought she could do that.“ Anscheinend hat’s tatsächlich keiner geglaubt. Und doch sollte sie es allen zeigen.
„Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mensch“, berichtet die blonde Schönheit, die mit 13 ein Bild in ihr Tagebuch malte, auf dem ihre Ankunft in den Staaten zu sehen war. „In der Gegend, aus der ich stamme, durfte man keine Gefühle zeigen. Gefühlsausbrüche waren verboten. Man durfte nie zu glücklich oder von etwas begeistert sein, schließlich hätte dann etwas Schlimmes passieren können. Aber ich war schon immer leidenschaftlich; ich wollte jeden Moment meines Lebens in vollen Zügen genießen. Ich schaute mich also um, und eigentlich war alles ganz nett, aber ich wollte mehr.“
Anstatt sich mit materiellen Dingen oder neuen Klamotten für den Gesangs-, Ballett-, Schauspiel- und Klavierunterricht aufzuhalten, nahm Kerli mit 14 Jahren am Eurolaul teil, dem estnischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Sie gewann und fasste gleich darauf den Entschluss, sich von nun an voll und ganz auf ihre Gesangskarriere zu konzentrieren. Eine Entscheidung übrigens, die sich schon bald als die richtige herausstellte: Antonio „L.A.“ Reid, der Chef von Island Def Jam, nahm sie sofort persönlich unter Vertrag, nachdem sie bei ihm vorgesungen hatte...
Bald darauf arbeitete Kerli mit dem renommierten Produzenten und Songschreiber David Maurice zusammen, unter anderem bekannt für seine Arbeit mit Garbage und JC Chasez, wobei die junge Sängerin sämtliche Texte selbst verfasste und nach und nach ihre unglaubliche Odyssee von einer estnischen Kleinstadt zum Major-Label in eigenen Worten wiedergab. „In den Staaten bin ich als Mensch gewachsen; hier konnte ich mich richtig entfalten“, sagt sie. „Was ich an den USA sehr schätze, und was ich in Estland nie erlebt hatte, ist, dass die Menschen hier wirklich glauben, dass sie das aus ihrem Leben machen können, wonach ihnen der Sinn steht. Sicherlich hat mich meine Kindheit und Jugend in Estland sehr stark geprägt, aber es muss so viel besser sein, in einer Umgebung aufzuwachsen, in der dir keiner einredet, dass du deine Ziele so oder so nicht erreichen wirst. Mein Traum vom Auswandern bzw. von einer Karriere als Musikerin war absolut wichtig, es war mein Rettungsanker. Ich musste es einfach versuchen.“
Ihre Entschlossenheit wird in Songs wie dem rockigen „I Want Nothing“ und dem verletzlich-prahlerischen „Bulletproof“ überaus deutlich, während sie mit „Beautiful Day“, einem R&B-Track, und dem bewegenden „Butterfly Cry“ die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zum Ausdruck bringt. Schließlich sei das Leben einfach viel zu kurz, um sich mit negativen Dingen aufzuhalten: „I used to believe there was no lights/But I found out/Life is far too short to fight/Lose yourself/Let go your pain/Taste the air you breathe/And kiss the sky“, so eine Zeile aus „Butterfly Cry“.
„Früher war ich deprimiert und fast schon suizidal“, berichtet sie. „Der Song ‘Butterfly Cry’ handelt davon, diese negativen Gefühle zu überwinden. Es war, als ob mir plötzlich die Augen geöffnet würden, wie eine Wiedergeburt.“

Der Kreislauf von Tod und Wiedergeburt zieht sich wie ein roter Faden durch Kerlis düster angehauchte Songs: Das Thema taucht nicht nur im gleichnamigen Titelstück auf, sondern auch im druckvollen Techno-Rock-Track „Hurt Me“, in dem sie seelische Missbrauchserfahrungen aus ihrer Kindheit verarbeitet, und in den trotzigen Melodien von „Fragile“, mit denen sie unterstreicht, wie viel Abstand sie von ihrer Heimat und ihrem früheren Leben gewonnen hat.
„Ich fand es sehr schwierig, nach Estland zurückzukehren, nachdem ich meine ersten Reisen ins Ausland unternommen hatte“, kommentiert sie die Aussage von „Fragile“. „Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr ins Bild passte. Weder meine Familie, noch meine Freunde konnten nachvollziehen, was ich gerade empfand, und ich konnte nicht verstehen, was bei ihnen gerade abging.“
Kerli sagt, dass sie keine festen musikalischen Vorbilder hat – mit einer Ausnahme: Sie ist ein Fan von Björk. „Ich bin da wie ein Schwamm, der alles in sich aufsaugt. Wenn ich etwas Schönes höre, berührt es mich. Als ich klein war, kam ich so gut wie gar nicht mit westlicher Kultur in Kontakt. Ich kann mich noch daran erinnern, wie die Familie meiner 5-jährigen Cousine schließlich Kabelfernsehen bekam – so habe ich zum ersten Mal MTV gesehen!“
Obwohl Kerli diese Bildungslücke längst geschlossen und Versäumtes nachgeholt hat, besteht sie darauf, dass Ruhm und materieller Erfolg ihr nicht viel bedeuten und nicht zu ihren Zielen gehören. Das macht sie nicht nur mit dem programmatischen „I Want Nothing“ deutlich, sondern auch über den Reggae-Rhythmen von „Up Up Up“.
„Früher habe ich davon geträumt, ein großer Popstar zu sein, aber heute steht die Musik ganz klar an erster Stelle“, setzt sie an. „Wie groß meine Fanbase ist, tut dabei nichts zur Sache. Ich will nur, dass die Menschen dieses Album, diese Songs hören. Dabei geht es gar nicht um mich. Alles, was ich mache, tue ich für meine Mitmenschen, denn ich hoffe, dass sich jemand damit identifizieren und nachvollziehen kann, was ich durchlebt habe.“
„You think I’m more than you“, singt sie auf „Fragile“. Und weiter geht’s: „You think you see me/You like the way I’m strong and stand by you/But I am fragile, too.“
„Es gibt keinen Traum, der nicht in Erfüllung gegangen wäre“, berichtet Kerli über ihre bisherige Laufbahn, die sie unter anderem nach Los Angeles und New York City geführt hat, wo sie ihr Debüt aufgenommen hat. „Je größer der Traum, desto länger dauert es, bis er sich erfüllt. Erst wenn man loslässt und sich locker macht, fallen einem die Dinge in den Schoß. Mein nächstes Ziel ist es, vollkommen unabhängig und unberührbar zu sein. Ich habe eher spirituelle Träume, bei denen es um meine persönliche Entfaltung geht. Ich will einfach nur glücklich sein. Ich will mir einen Panzer aus positiven Gefühlen aufbauen, damit mich nichts mehr verletzen kann.“
Love Is Dead ist die nächste Etappe ihrer Reise, die sie von einem kleinen Ort bis ans andere Ende der Welt geführt und es ihr ermöglicht hat, anderen Menschen von diesen Erfahrungen zu berichten und sie zu inspirieren.
„World’s turning round for you/There is no need to be afraid… Everything is on its way.“
„So fühle ich mich andauernd“, sagt sie über diese zuversichtliche Zeile. „Ich mache die Augen auf und freue mich über die Tatsache, dass ich am Leben bin. Aber auch die dunklere Seite meiner Persönlichkeit möchte ich bewahren, denn ich finde diese Gefühle auch sehr schön. Letztendlich will ich den Leuten damit nur zeigen, dass es möglich ist, derartige Krisen zu überwinden. Ich war vollkommen am Ende, ganz tief unten, in einem Loch, aber ich habe es geschafft und bin rausgekommen. Jeder kann das. Es gibt da ein Licht am Ende des Tunnels, das ist meine Message. Ich bin eine Geschichtenerzählerin, eine Botin, eine Freundin, eine Helferin, und zwar auf einem ganz simplen Level: von Mensch zu Mensch. Ich bin die Stimme der Außenseiter, denn ich selbst bin auch eine Außenseiterin.“

„Life is my creation/My best friend“, singt sie auf „The Creationist“ und berichtet darüber, wie sie ihr Leben in die Hand genommen und es nach ihren eigenen Vorstellungen gestaltet hat. „Whatever happened/Was meant that way“ – es musste so kommen. So und nicht anders. Mit Love Is Dead stellt Kerli sich und ihre einzigartige Odyssee endlich auch dem Rest der Welt vor.


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