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01.09.2009

Kid Cudi Bio 2009

Sucht man nach den großen Geschichtenerzählern im HipHop der Gegenwart, zumal Rappern, die ihre Gefühle, ihre Zweifel und eine vielschichtige Männlichkeit zur Schau stellen, dann kommen nur wenige Kandidaten in Frage: Kanye West etwa, Common oder Lupe Fiasco. Schließlich erfordert es eine starke Persönlichkeit, im von Macho-Werten geprägten HipHop-Umfeld, wo Ego-Boosting die Norm ist, Gangster-Posen sich noch immer verkaufen und jede vermeintliche Schwäche der Konkurrenz billige Munition liefert, über sich selbst zu sprechen. Kid Cudi aber hat keine Angst, aus den abgesteckten Revieren auszubrechen: Weder in seiner zwischen HipHop, Indie-Rock und Rhythm’n Blues oszillierenden Musik. Noch in den gefühlvollen und lebensbejahenden Botschaften. Wenn er über sein Leben erzählt, mit viel Witz die Fallstricke der eigenen Persönlichkeit schildert, dann können wohl viele Hörer das aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Wie bei seiner ersten Single „Day’n Nite“: Kid Cudi meidet da jede „tough guy“-Pose, sondern lässt in einer Folge von Alltags-Szenarios seine eigenen gar nicht glamourösen Befindlichkeiten Revue passieren: Die Schwächen eines einsamen, an der Liebe leidenden Jungen. „Ich wollte mit diesem Song klarmachen, wie sehr es zum Menschsein gehört, Schwierigkeiten zu durchleben, sich einsam zu fühlen und doch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nie aufzugeben“.

Es ist wohl seine Offenheit und lyrische Ernsthaftigkeit, die wesentlich zum Erfolg des 25-jährigen Newcomers beigetragen haben. Ein Rapper, der sich selbst als „äußerst sensibel“ bezeichnet, und das nicht im Sinne von weinerlich. Tatsache bleibt, dass der als Scott Mescudi in Cleveland geborene Rapper eine harte Jugend durchlebte – auch wenn seine Familie nicht im Ghetto wohnte, er weitab aller HipHop-Straßenkämpfer-Mythen aufwuchs. Zum Dichten und Rappen brachte ihn vielmehr der Krebstod seines eigenen Vaters:  „Ich hielt ihn für Superman. Dann musste ich als 11-jähriger miterleben, wie er immer kränker wurde, bis dahin, dass er seinen eigenen Sohn nicht mehr erkennen konnte. Das war der Zeitpunkt, wo ich anfing, zu schreiben – um meinen Gefühlen durch Worte und Reime Ausdruck zu verleihen“. Kid Cudi führte seine Lyrics lange nur vor Freunden auf. Brach ein Studium an einer Filmhochschule ab. Studierte ein Jahr lang an einer Filmhochschule. Bis ihn ein Arbeitskollege in einem Restaurant in Ohio dazu ermunterte, die eigene HipHop-Leidenschaft mit vollem Einsatz zu verfolgen und die Nähe der angesagten Studios und Produzenten zu suchen. 2004 war der Schlafzimmer-Songwriter so weit: Er zog zu einem Onkel in die South Bronx in New York – mit nichts als einem Demo-Tape und 500 Dollar in der Tasche.

New York aber wartete nicht gerade auf einen No Name aus dem Mittleren Westen. „Ich hatte das erste halbe Jahr keinen Job, keine Freunde und nicht einen einzigen Kontakt, der mich weitergebracht hätte.“ Blieben Kid Cudi nur seine Songs. Als er 2006 den späteren Top-5-Hit „Day’n Nite“ komponierte, war dessen Erfolg noch nicht abzusehen. Plattenlabel wie Def Jam hatten ihn abgelehnt.  Und der verhinderte Rapstar jobbte in einem Lebensmittelladen, um sich über Wasser zu halten. Zwei Jahre lang sammelte die Hymne lediglich Hits auf My-Space, wurde dann auf dem kleinen „Fool’s Gold“ Label veröffentlicht. Bis Kid Cudi – der nach der Arbeit daheim am Computer Songs mixte und bei Partys schon mal gegen Freigetränke auftrat – doch noch an die richtigen Szene-Größen geriet. Sein Manager kannte Kanye West, steckte diesem ein Mixtape zu, und hatte sofort das Interesse des HipHop-Superstars geweckt: West postete Kid Cudis Musik nicht nur auf seiner Website. Sondern lud den jungen Songwriter und Rapper zur Mitarbeit an seinem „808s & Heartbreak“-Platinalbum ein. Gleich vier Songs durfte Kid Cudi als Co-Autor mitschreiben, unter anderem die Single „Heartless“. Zusätzlich ist er auf „Welcome To Heartbreak“ auch am Mikrofon zu hören.

Hier hatten sich nicht nur zwei Männer gefunden, die ihr gebrochenes Herz zum HipHop-Sujet machen wollten. Sondern auch zwei Musiker mit einem Gespür für Melodien: „Kid Cudi vermag es, seinen eigenen Kampf gegen die Widrigkeiten des Lebens, seine Enttäuschungen wie auch seine Träume in eingängige Songs zu verpacken“, pries Kanye West seinen jüngeren Kollegen. Und: Er sei „sehr inspiriert“ von dessen Ideen. Klar, dass er Kid Cudi mit dessen Debutalbum „Man On The Moon: The End Of Day“ für sein Label G.O.O.D. Music verpflichtete. Nach „Day’ n Nite“ (ein Top 5 Hit in den USA und UK) heißt die zweite Single „Make Her Say“: Sie samplet nicht nur geschickt eine Akustik-Version von Lady Gagas „Poker Face“, sondern wartet auch mit Mentor Kanye West und Common als Gastrappern auf. Ob Kid Cudi der plötzliche Höhenflug zu Kopf steigen wird? „Kanye und Common habe ich als sehr aufrichtige Menschen erlebt“, erklärt der 25-jährige Newcomer. „Sie haben mir gezeigt, dass du im HipHop weit kommen kannst, ohne dich zu verbiegen. Manche Leute halten mich vielleicht für sonderlich. Aber wenn das nur ein anderes Wort dafür ist, seinem Herz zu folgen, dann bin ich gerne ein Sonderling“.


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