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09.04.2014

Kiesza, "Hideaway", 2014

Der Sound von Kiesza vereint ähnlich viele Überraschungen, Wow-Momente und Wendungen wie ihr bisheriger Lebenslauf – und der ist an Abwechslungsreichtum kaum zu überbieten: Inzwischen eine international gefragte Songwriterin, die unter anderem auch ihr eigenes Artwork gestaltet, hat die Sängerin früher mal eine Ausbildung als Ballerina genossen und war davor schon auf einem Großsegler unterwegs – ja, die Army wollte sie sogar mal zur Scharfschützin ausbilden! Zum Glück ist sie trotzdem bei der Musik gelandet: Inspiriert von epischen Party-Nächten in New Yorker Hotspots wie dem Body & Soul oder dem Libation, kombiniert die 25-Jährige, die gebürtig aus Calgary stammt, massiven House-Groove mit noch größeren Pop-Hooks, in denen auch eine Überdosis Soul mitschwingt.

Trotz der späteren Umwege spielte die Musik schon früh eine wichtige Rolle im Leben von Kiesza: Diejenigen Sängerinnen und Sänger, deren Dancefloor-Tracks sie als Kind anhimmelte, stammen allesamt aus der Kategorie "Wunderkinder, die erst im Studio richtig aufblühen" – und so verneigt sie sich in ihrem Sound unter anderem vor Michael Jackson, Martha Wash, CeCe Peniston und Robin S, wobei sie diese klassischen Einflüsse zugleich um aktuelle Ansätze à la Disclosure oder Hot Natured erweitert. Das Resultat ist ein unwiderstehlicher Pop-Hybrid, der unbedingt tanzbar ist und sofort ins Blut geht. Haben wir schon erwähnt, dass sie auch noch über die nötigen Star-Qualitäten verfügt, um diesen Songs den richtigen Nachdruck zu verleihen?

Schon als Teenager nahm ihr Leben eine Reihe von geradezu bizarren Wendungen: Nachdem sie sich schon früh als Ballett-Talent entpuppt hatte, machten Knieprobleme jedweden Karriereplänen in dieser Richtung schon bald ein Ende, und so musste sie sich nach neuen Herausforderungen umschauen. Wenig später fand sie sich auf hoher See wieder, schließlich war das Segeln seit dem 13. Lebensjahr eines ihrer größten Hobbys: "Einen Großteil meiner Teenager-Jahre war ich fest davon überzeugt, als Kapitän zu enden und mein ganzes Leben auf dem Meer zu verbringen", berichtet sie rückblickend und muss selbst darüber lachen. "Überhaupt hatte ich ganz schön viele Träume." Mit 16 heuerte sie auf einem 40-Meter-Großsegler an, und ihre überzeugenden Schießkünste bescherten ihr sogar einen "Top Shot Award" – woraufhin selbst die Armee damit liebäugelte, sie zur Scharfschützin auszubilden. "Echt riesige Waffen waren das, die ich da ausprobieren konnte", erinnert sie sich. "Hat auch Spaß gemacht. War wie ein Videospiel, aber als mir dann klar wurde, dass mir wohl irgendwann der Auftrag erteilt werden könnte, sie tatsächlich gegen Menschen zu richten, war klar, dass ich die Sache ganz schnell drangeben musste."

Was ihr die Musik wirklich bedeutete, erkannte Kiesza schließlich auf einer besonders stürmischen Schiffstour: "Die Mitglieder der Crew hatten alle irgendwelche Instrumente mit an Bord gebracht", berichtet sie. "Einer hatte ein Schlagzeug im Gepäck, der nächste eine Gitarre – irgendwer hatte auch ein Keyboard dabei. Und dann saßen wir jeden Abend zusammen und veranstalteten diese Jam-Sessions." Und eines nachts, es war so stürmisch, dass in der Kombüse das gesamte Geschirr von den Regalen gefegt wurde, kam der Bootsmann in den Schiffsraum, wo die Crew vergeblich zu schlafen versuchte. "Er spielte einfach nur ein wenig auf der Gitarre und sang Schlaflieder dazu, und tatsächlich nickte einer nach dem anderen ein", erinnert sie sich. "In der Nacht erkannte ich, welche Kraft Musik haben kann."

Wie nicht anders zu erwarten, waren auch Kieszas erste eigene Kompositionen nicht viel mehr als minimalistische Schlaflieder, eher mit Folk verwandt, doch nachdem sie ein paar Demoaufnahmen mit einem Freund gemacht hatte, wurde ihr Songwriting immer besser und ausgefeilter – und so entschloss sie sich, diese Aufnahmen an ein Musikinstitut zu schicken. Gesagt, getan: Die CD landete in der Post und ab ging’s mit dem nächsten Schiff in Richtung Hawaii. Dort angekommen, klingelte wenig später das Telefon, ihre Mutter war am Apparat: Ein Brief vom Selkirk College sei für sie angekommen, sie könne sofort anfangen, ganz ohne Vorsingen oder Aufnahmegespräch. Also hieß es Abschied nehmen von den Weiten des Meeres, und nach einem Jahr am Selkirk College bekam sie ein Stipendium für das renommierte Berklee College of Music in Boston. Dort feilte sie weiter an ihren Skills als Songschreiberin – und realisierte, dass Pop mit überraschendem Beigeschmack und viel Nachdruck genau ihr Ding war...

"Anfangs musste ich mir immer so Kommentare von den Leuten anhören: ‘Na, das ist doch gar keine Musik – das kann ja jeder machen’", berichtet Kiesza, "nur dachte ich mir: Wenn es so einfach ist, warum machen es dann nicht mehr Leute? Und natürlich ist es genau umgekehrt: Es gibt nichts Schwierigeres, als diese Art von Musik zu schreiben. Diese Schlichtheit ist eine Kunst für sich!" Einer ihrer Professoren erkannte sehr wohl, dass Kiesza über eine seltene Gabe verfügte – und brachte sie mit Rami Samir Afuni in Kontakt, der kurz vor ihr seinen Abschluss am Berklee College gemacht hatte und inzwischen in New York weiter an seinem eigenen Sound feilte. "Die Chemie, die zwischen Rami und mir beim Schreiben entstand, war von Anfang an der Wahnsinn", erzählt Kiesza. "Uns ging es darum, die Grenzen von Pop auszutesten, mit diesem Phänomen herumzuexperimentieren. Und ehrlich gesagt hat Rami meinen Ansatz als Songwriterin noch einmal komplett auf den Kopf gestellt."

Kein Wunder, dass sie noch immer fleißig mit Rami zusammenarbeitet, und so bilden die Songs der beiden auch den Kern ihres kommenden Debütalbums: "Als wir dann zusammen in Richtung Deep-House-Sound aufgebrochen sind und ich dazu angefangen habe, meinen Gesang dementsprechend anzupassen, sprudelten die Ideen regelrecht aus mir heraus", sagt sie über die Arbeit. "Das hat einfach alles perfekt gepasst. Derart müheloses Arbeiten kannte ich vorher gar nicht, alles ging wie von selbst."

Da Kiesza von Natur aus extrem neugierig und für jedes Abenteuer zu haben ist, kam es für sie auch nicht in Frage, das New Yorker Geschehen nur als Außenstehende zu betrachten: Sofort nach ihrer Ankunft im Big Apple stürzte sie sich ins Nachtleben, trommelte ihre Freunde zusammen, die sich genau wie sie die Seele aus dem Leib tanzen wollten, und feierte auf Partys wie den legendären "Body & Soul"-Nächten. "Wir waren auf allen möglichen Dance-Partys, und ehrlich gesagt ging’s da auch gar nicht ums Trinken oder um irgendetwas anderes, sondern einfach nur ums Tanzen. Es ging um die Action auf der Tanzfläche, die Battles, diesen Vogue-Style – um acht Uhr abends fingen wir an und hörten bis morgens um vier nicht mehr auf zu tanzen." Und natürlich hinterließen diese nächtlichen Abenteuer auch ihre Spuren in den Songs, die Kiesza während dieser Zeit schrieb und aufnahm...

Ins Jahr 2014 ist Kiesza mit ihrer ersten Single "Hideaway" gestartet, einer massiven Hymne, die, ob man’s glaubt oder nicht, binnen einer einzigen Stunde entstanden ist: "Ja, Rami war gerade im Studio und bastelte an diesem Beat herum, und ich hatte eigentlich nur noch zwei Stunden Zeit, bis mein Flieger ging", erinnert sie sich. "Dann aber sagte Rami: ‘Hey, geh doch noch kurz in die Aufnahmekabine, und dann schauen wir mal, was daraus wird’, na ja, und dann ging alles ganz schnell. Nach anderthalb Stunden war tatsächlich alles im Kasten, fix und fertig. Fühlte sich fast schon wie Eingebung an." Der lässige Clip zu "Hideaway" entstand in den Straßen von Brooklyn – und natürlich stehen hier ganz klar Kieszas eigene Dance-Skills im Vordergrund: "Ich wollte damit an den klassischen Street-Dance der Neunziger anknüpfen, abgerundet allerdings mit ein paar zeitgenössischen Tanzeinlagen." Das Video, das ohne Schnitte auskommt, schlägt diese Brücke ohne Probleme und kombiniert, genau wie ihre Musik, Altes und Neues zu einem ultralässigen Pop- und Dance-Hybrid.

Während "Hideaway" im Frühjahr über Ramis eigenes Label Lokal Legend erscheint, hat Kiesza inzwischen New York schon wieder verlassen und ihre Zelte seit Januar in London aufgeschlagen: "Von hier aus will ich durchstarten mit meiner Musik. Ich liebe die Londoner Musikszene, und ich will schließlich nicht einfach nur ein paar Singles verkaufen und dann wieder von der Bildfläche verschwinden", so ihr abschließender Kommentar. "Im Gegenteil: Ich will richtig eintauchen in diese Welt."

Halbe Sachen gibt’s für diese junge Dame einfach nicht: Kiesza weiß genau, was sie will, und sie ist bereit, alles dafür zu geben. Endlich drauf und dran, ihren ultratanzbaren Popentwurf auf die Menschheit loszulassen, hat die einstige Königin der Meere jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet: Jetzt sticht sie wieder in See, mit Kurs auf die Spitze der Charts – und an Deck ist Platz für alle!

 


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