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10.03.2005

KT Tunstall - Eye To The Telescope Biografie (germ

KT TUNSTALL

"Eye To The Telescope"

KT Tunstall ist eine junge Songwriterin mit chinesischer Abstammung, schottischem Herzen und einem zweifellos coolen Namen. "Auf jeden Fall klingt KT besser als Kate, der sich für mich wie der Name einer Landpomeranze anhört" erklärt KT lachend. KT wuchs im Universitätsstädtchen St. Andrews an der schottischen Ostküste aus und beschreibt diese Zeit als wunderbar und sehr behütetes Leben - wie in einer Seifenblase. Gleichzeitig wuchs sie aber mit dem Wissen auf, adoptiert worden zu sein. KT: "Ich war mir stets bewusst, dass mein Leben auch in ganz anderen Bahnen hätte verlaufen können. Dieses Wissen führte dazu, dass ich das Leben als etwas Rätselhaftes empfinde und die wildesten Phantasien entwickele." Kreativer Ausdruck dieser Kombination aus Neugier und außergewöhnlicher Vorstellungskraft ist KTs Debütalbum "Eye To The Telescope".

KTs Songs stehen in der Tradition der klassischen Singer-/Songwriter-Tradition von Rikki Lee Jones, Carol King oder auch Fleetwood Mac. Mit ihrer ebenso direkten wie zugänglichen Mischung aus frecher Bodenständigkeit, sehnsüchtiger Zerrissenheit und Spätabend-Stimmung reiht sie sich nahtlos in die Riege aktueller, schottischer Ausnahme-Songwriter ein. Ähnlich ihren Landsleuten Fran Healy (Travis), Texas, Teenage Fanclub oder der Beta Band gelingt es auch Miss Tunstall, mit bissigen Texten und Melodien, die von Herzen kommen, neue Perspektiven zu öffnen und so eine intensive emotionale Bindung zu ihrem Publikum zu schaffen, wie man sie höchst selten erlebt. KT: "In meinen Songs behandle und erforsche ich kleine, eigenartige Gefühle, Situationen oder Geschichten", erklärt KT. "Meine Songs sind wie wie ein Gespräch zwischen mir und einer anderen Person. Es ist fast so, als ob ein Außerirdischer zur Erde gesandt wurde, um hier Proben von den Menschen zu nehmen, die er dann auf einer Platte zusammenfasst." Da überrascht es nicht, dass Ms Tunstall als Kind auf Science-Fiction-Romane stand. Der Titel ihres Debüts hat allerdings einen anderen Ursprung: "Mein Vater ist Physiker. Als wir noch klein waren, hat er meinen Bruder und mich häufig mit in sein Labor genommen. Und da mein Vater auch die Schlüssel für die Universitätssternwarte von St. Andrews besaß, hat er uns manchmal mitten in der Nacht geweckt, um uns z.B. den Halleyschen Kometen zu zeigen. Das ist auch der Grund, warum mein Album "Eye To The Telescope" heißt."

KTs musikalische Geschichte ist nicht die eines kleinen Mädchens, das schon immer davon träumte, Sängerin zu werden. Für Musik interessierte sie sich in ihrer Kindheit kaum, was man nicht auf die Tatsache, dass ihr erstes Album der Soundtrack zu Michael Endes "Die Unendliche Geschichte" war, zurück führen muß. Erst, als ihr älterer Bruder zum langhaarigen Metal-Freak mutierte, KT als junger Teenager vor seinem Zimmer saß und seine Musik durch die geschlossene Tür mitschnitt, erst als sie David Bowies "Hunky Dory" zu ihrer Lieblingsplatte erklärte, begann ihr Herz für die Musik zu schlagen. "Der Sound von "Hunky Dory" hat in mir die Liebe zum Songwriting und zu atmosphärischen Klängen geweckt", erzählt KT. KT begann, Klavier spielen zu lernen, danach Flöte, und nach und nach entwickelte auch ihre Stimme den inzwischen so typisch erdigen Klang. "Ich bin ziemlich sicher, dass ich singen lernte, weil mir jemand mal eine Kassette mit Musik von Ella Fitzgerald gab. Sie war meine Gesangslehrerin", erklärt sie. Die ersten eigene Songs wurden geschrieben, "Das war so schmalziger Liebes-Kram, richtig ekliger Kinderliebe-Mist. Aber ich fand das großartig." Mit 16 entdeckte sie dann die Gitarre für sich, wobei sie sich alle Kenntnisse mit Hilfe eines Gitarren-Lehrbuches selbst aneignete.

Die alten Herz-Schmerz-Songs wurden verworfen und es folgte die musikalische Läuterung. Getrieben vom Hunger nach Freiheit und neuen Erfahrungen zog es KT für in die USA, wo sie als Stipendiatin an der Kent School in Connecticutt, New England, studierte. Dort erlebte sie aus erster Hand die intensive Atmosphäre, die bei Live-Auftritten von Bands wie Grateful Dead oder den 10.000 Maniacs herrschte. Sie lebte in einer Hippie-Kommune, gründete ihre erste Band "The Happy Campers" und absolvierte den einen oder anderen zwanglosen Auftritt. "Nach meinem zweiten Auftritt bei einem dieser Open Mic-Abende kündigten sie mich da als "Ehrengast aus Schottland" an", erinnert sich KT.
Die nächste Station in KTs persönlicher Odyssee bildete ein Musikkurs am Royal Holloway College der University of London, wo sie auch (vergeblich) versuchte, eine neue Band auf die Beine zu stellen. KT: "Ich habe es damals sogar geschafft, einen Bandwettbewerb zu gewinnen, obwohl meine "Band" nur aus mir und einem Typen an der Mandoline bestand! Außer uns spielten da noch elf Gruft-Bands, aber wir haben gewonnen." Nachdem sie die Schwarzkittel-Fraktion geschlagen hatte, kehrte KT nach St. Andrews zurück und tauchte in die dortige Underground-Szene ein, aus der später auch die Beta Band und das Fence Collective hervorgingen. KT gründete eine Band mit Fence Collective-Mitglied Pip Dylan und arbeitete weiter an der Vervollkommnung ihres Musikgeschmacks, wobei ihr James Brown, Lou Reed, Billie Holliday, Johnny Cash und PJ Harvey als Vorbilder dienten.

Ein paar Jahre und Bands später wurde es für Tunstall dann ernst. Sie zog erneut nach London, wo sich endlich erste Anzeichen für einen Karriereaufschwung andeuteten. KT begann, zusammen mit dem schwedischen Songwriter und Produzenten Martin Terefe, dem ursprünglich von den Orkney-Inseln stammenden, aber in London lebenden Jimmy Hogarth und dem Ur-Londoner Tommy D. an neuen Projekten zu arbeiten. Mit mehr als hundert Songs in der Tasche und einer neuen Band an ihrer Seite machte sie sich endlich daran, unter der gütigen Führung von Produzent Steve Osborne (U2, New Order; Happy Mondays) ihr Debütalbum aufzunehmen. KT: "Steve war sowohl Produzent als auch Tonmeister. Er hat einfach alles gemacht und lud mich sogar ein, bei ihm und seiner Familie zu wohnen, damit wir abends länger arbeiten konnten. Wir haben mein Album in einem knorrigen kleinen Studio mitten in den Wäldern von Wiltshire aufgenommen, das einem Behinderten gehört. Die Rollstuhlrampe war gleichzeitig das Gesangsstudio und lag zwischen dem Kontrollraum und dem Schlafzimmer des Studio-Inhabers. Man konnte sich also entscheiden, ob man bergauf oder bergab singen wollte. Die Situation war unglaublich rauh, einfach perfekt. Im Garten gab es einen kleinen Schuppen, in dem all die Bands aus der Gegend probten. Es war so, wie man es aus "Beim Sterben ist jeder der Erste" kennt." Bei den Aufnahmen war Tunstall vor allem eins wichtig: "Ich wollte nicht zu viel Technik mit ins Studio nehmen. Interessante Musik entsteht immer dann, wenn man sich etwas einfallen lassen muss. Tom Waits hat mal gesagt, der beste Weg, ein Geräusch zu schaffen, das so klingt, als ob jemand mit dem Stiefel gegen einen Pappkarton tritt, wäre der, mit einem Stiefel gegen einen Pappkarton zu treten." Inspiriert wurde dieser Lo-Fi-Arbeitstil durch KTs neu entdeckte Begeisterung für das Rauschen und Knistern alter Blues-Aufnahmen. "Ich bin eigentlich eine fröhliche, optimistische Person, dennoch mag ich vor allem die dunkle Seite von Musik. Diese zu ergründen ist mein Ziel. Auch wenn mein Album insgesamt positiv klingt, gibt es da doch jede Menge Dinge, die unter der Oberfläche lauern", so Tunstall.

Seit der Fertigstellung von "Eye To The Telescope" hat KT eine Unmenge von Gigs absolviert, erst als Support-Act von Joss Stone, danach auf einer Europa-Tour als Sängerin der "Klezmer-Hip-Hop-Band" Oi Va Voi, deren gefeierter Auftritt auf der Avalon Stage zu den unbestrittenen Höhepunkten des letztjährigen Glastonbury-Festivals gehörte. Nun aber ist KT bereit, ihre geradezu ansteckende Energie auf die eigene Musik zu konzentrieren und gesteht im selben Atemzug: "Ich bin mir nicht ganz sicher, was mich antreibt, Musik zu machen. Ich habe dieses innere Bedürfnis nie hinterfragt, ich hatte auch nie einen Ausweichplan für den Fall, dass es mit der Musik nicht klappen würde. Es kommt für mich einfach nichts anderes in Frage."

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