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Lady Antebellum, Lady Antebellum BACKSTAGE EXCLUSIV

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Lady Antebellum, 747 (Deluxe Tour Edition), 00602547216601

747 (Deluxe Tour Edition)

(Deluxe Edition)

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08.09.2011

Biografie: Mai 2013

Kunst ist das Gegenteil von Stillstand: Sie handelt eher von Übergangszonen, neuen Perspektiven und noch nicht gedachten Kombinationen. Menschen, die Kunstwerke erschaffen (ganz gleich welcher Art), suchen nach neuen Ideen, Inspirationsquellen, Gefühlszuständen oder zumindest Anflügen davon, die sie in ihr Werk einbringen – was sich wiederum auf ihr Selbstbild und Selbstverständnis auswirkt. So gesehen verändern sich beide permanent: Echte Künstler erfinden sich mit jedem Werk neu.

Auch Lady Antebellum wissen (und leben) das, und so ist ihr neuestes Album Golden nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch ganz wörtlich gemeint in diesen Übergangszonen (und somit frei von Stillstand) entstanden: Golden entstand unterwegs, auf Tour. Das US-Trio aus Nashville – bestehend aus Charles Kelley, Hillary Scott und Dave Haywood – war von seiner gewaltigen US-Fangemeinde 2012 Abend für Abend während der „Own The Night World“-Tour gefeiert worden; diese erste Stadiontournee als Headliner entpuppte sich als ein wahres Live-Spektakel, das in vielerlei Hinsicht inspirierend war: Einerseits waren die Abende selbst eine Inspiration für Tausende von Menschen. Aber auch die Zeit zwischen den Konzerten entpuppte sich für die Band als äußerst inspirierend: So machten sich Lady Antebellum zur Angewohnheit, gemeinsam mit ihrer Tourband an neuen Songideen zu arbeiten, während der Kilometerzähler nach und nach weiter die Höhe schnellte. Unterwegs entstanden so weite Teile von Golden, einem Album, das den Sound der Band neu definiert und dabei noch packender und ansteckender klingt als die Vorgänger.

"Jede Band, auf die ich stehe und die schon etwas länger dabei ist, hat sich an irgendeinem Punkt ihrer Karriere mehr oder weniger neu erfunden", sagt Charles Kelley. "Bei uns ist das ganz organisch geschehen: Ich kann es auch nicht leiden, wenn sich jemand zu sehr verändert, schließlich hatte das ja schon seine Gründe, dass sich die Fans für einen entschieden haben. Wichtig ist also, dass man sich nicht andauernd wiederholt, aber eben auch nicht alles über den Haufen wirft."

Schon mit der vorab veröffentlichten Single "Downtown" hatten Lady Antebellum im Januar angedeutet, in welche Richtung die Reise dieses Mal gehen würde: Sie klangen energiegeladener, verspielter, dazu auch deutlich cleaner als auf dem Vorgänger Own The Night, was die Produktion anging, mit deutlich knapperer Instrumentierung – wobei jedes einzelne Instrument perfekt in diesem Sound zur Geltung kam –, und zudem präsentierte sich die Sängerin Hillary Scott mit einem Nachdruck und einer Lässigkeit, die man so noch nie zuvor von ihr gehört hatte.

"Ein Großteil der neuen Songs ist tatsächlich nur mit fünf Instrumenten entstanden", berichtet Haywood. "Fünf Leute im Studio – das war’s. Schon deshalb klingt das alles etwas minimalistischer als zuvor."

"Downtown" entpuppte sich in ihrer Heimat als der erfolgreichste Neueinstieg ihrer Karriere und hat dadurch die Erwartungen an Golden abermals in die Höhe geschraubt, schließlich präsentierte sich die Band mit diesem Stück ganz anders, als viele es wohl erwartet hätten: "Ja, wir wollten unbedingt das eine oder andere Risiko eingehen", sagt Hillary Scott über die Aufnahmen. "Wenn man sich selbst dazu anhält, auf gar keinen Fall zur alten Quelle zurückzukehren, dann fallen einem automatisch Songs ein, die in eine andere Kerbe schlagen. Genau so ist es bei diesem Album gewesen"

Wer jedoch derartige Risiken eingeht, wählt ganz offensichtlich den schwierigeren Weg – das gilt besonders für eine dermaßen etablierte Band wie diese. Denn sicherlich hätten sich Lady Antebellum kreativ ein wenig zurücklehnen und auf Nummer sich gehen können; warum auch nicht? Die Dinge liefen doch seit Jahren ausgezeichnet...

Seit der Gründung der Band im Jahr 2006, sind Lady Antebellum binnen kürzester Zeit zur wichtigsten und größten zeitgenössischen Country-Gruppe der USA avanciert: Sie haben bei den Country Music Awards und den Academy Of Country Awards jeweils drei Mal hintereinander den Preis in der Kategorie "Vocal Group of the Year" gewonnen, während parallel dazu acht ihrer Singles Goldstatus in ihrer Heimat erreichten; vier davon – „American Honey, "Need You Now", "Just A Kiss" und "I Run To You" – bekamen schließlich sogar eine Platinauszeichnung. "Need You Now" verkaufte sich über sieben Millionen Mal als Download: Fünf der sieben Grammy-Awards (!), die Lady Antebellum bereits in Empfang nehmen durften, gehen denn auch auf diesen Mega-Hit zurück – unter anderem ihr Grammy in der genreübergreifenden Kategorie "Record and Song of the Year" im Jahr 2011.

Ihr rasanter Aufstieg und die nun schon seit Jahren anhaltende Erfolgsserie lassen sich dabei auf mehrere Faktoren zurückführen, die im perfekten Zusammenspiel den Sound von Lady Antebellum definieren: da wären die Melodien, die sofort ins Ohr gehen, dann das Zusammenspiel zwischen Kelleys männlichem und Scotts schillernd-weiblichem Gesang, die nie zu überschwänglichen Harmonien der drei, und schließlich die Art von Produktion, die – wie es sich für zeitgenössischen Country-Sound gehört – eben auch mal über den Tellerrand schaut und niemals zu klassisch-puristisch ist.

Diese Mischung war es letztlich, die Lady Antebellum binnen kürzester Zeit zu einem Ausnahmephänomen machen sollte: Ihre Fans waren von Anfang an nicht nur eingeschworene Country-Fans, und während sie schon bald in Stadien auftraten, waren sie auch bei allen großen TV-Shows zu sehen oder spielten ihre Songs bei den Grammy-Awards.

Allerdings kann so viel Aufmerksamkeit bekanntermaßen auch Probleme mit sich bringen: Der Stolz, den jeder Erfolg nach sich zieht, könnte beginnen, von der eigentliche Sache, der Musik abzulenken; oder es gibt Streit zwischen Mitgliedern – man kennt das ja: Der Balanceakt gelingt zunehmend schlechter, dann gar nicht mehr, weil die Stimmung einmal gekippt ist, die Harmonie gestört, das Ende vorprogrammiert. Bei Lady Antebellum gibt es derartige Querelen nicht: Kelley, Scott und Haywood wissen, dass sie alle gleichberechtigt und gleich wichtig sind innerhalb des Bandgefüges: Was das Songwriting angeht, ja sogar in alltäglichen Dingen, die natürlich auch dazugehören. Sie wissen, dass jeder von ihnen die nötige Aufmerksamkeit bekommen sollte – und die nötigen Freiräume –, denn nur so kann eine Band funktionieren, sich entfalten, und immer weiter wachsen.

"Ja, wir haben genügend Folgen von Behind the Music gesehen, um zu wissen, wie es auch laufen kann", meint Scott. "Und obwohl wir genau wissen, wer was zu dieser Band beisteuert, wissen wir eben auch, dass es letztlich der Moment ist, an dem man sich zu sicher fühlt, an dem die Balance schließlich kippen und die Sache implodieren kann. Wir wissen halt, dass sich das einfach nicht lohnt."

In gewisser Hinsicht untermauern Lady Antebellum mit Golden das, was sie ganz zu Beginn ihrer Karriere gemacht haben: Sie konzentrieren sich aufs Songwriting selbst, auf das Zusammenspiel ihrer musikalischen Herangehensweisen – denn das war es schließlich, was einst zur Gründung dieser Band geführt hat. Der aus Augusta stammende Kelley traf die in Nashville geborene Scott in einer der einschlägigen Locations von "Music City" (wie man Nashville bekanntermaßen auch nennt): Sie verabredeten sich mit Haywood für eine Songwriting-Session, doch schon danach lag auf der Hand, dass ihre Stimmen zusammen einen Sound ergaben, den sie so noch nie gehört hatten: Lady A war geboren.

Bei "Golden", dem Titelsong und zugleich dem letzten Stück, das sie für das neue Album geschrieben haben, schwingt eine Art von Unschuld und auch von Rückbesinnung mit, die tatsächlich nicht weit von diesen ersten Sessions entfernt zu sein scheint: "Der Track brachte uns wirklich ganz zu den Anfängen zurück", berichtet Scott, "in eine Zeit, als ich die Jungs gerade erst kennen gelernt hatte und wir zusammen in ihrem Haus am Klavier saßen. Wir kannten uns damals ja noch gar nicht, und doch lag da etwas Magisches in der Luft: Wie unsere Stimmen sich ergänzten, und wie unsere Ansätze als Songwriter zusammenpassten. Ich finde es toll, dass ich auch beim vierten Album sagen kann, dass sich an diesem Gefühl bis heute nichts verändert hat."

Die Magie kann entstehen, weil sie sich nach wie vor auf die Musik konzentrieren und alles andere außen vor lassen: Sie haben als Songwriter angefangen, und genau dieses Feld beackern sie auch heute noch – und das nicht nur für die eigene Band: Haywood und Kelley haben nicht nur den Großteil ihrer Hits geschrieben, sondern als Co-Autoren auch ihrem Freund Luke Bryan zu dessen Durchbruch verholfen (mit dem Hit "Do I"); zudem war Scott als Songwriterin an Sara Evans’ US-#1-Hit "A Little Bit Stronger" beteiligt, der auch im Film Country Strong zu hören war.

Auch während ihrer "Own The Night"-Tour schrieben sie permanent neues Material, woraus schon bald das neue Album Golden entstand: In jeder Stadt bauten sie sich einen kleinen Session-Raum auf, wo sie an Ideen arbeiten und sich auf den jeweiligen Auftritt einstimmen konnten. Darüber hinaus wurde die Bindung zu ihrer Live-Band so noch besser, während sie gemeinsam nach immer neuen Inspirationen suchten. „All For Love“ zum Beispiel, ein recht dramatisches Stück von Golden, wurde von der gesamten Band in so einem Session-Raum geschrieben, genau genommen während mehrerer Sessions vor unterschiedlichen Konzerten. Auch "Generation Away", eine echte Hymne, das nostalgische "Long Teenage Goodbye" und das eher stählerne "Goodbye Town" entstanden auf diese Weise im Backstage-Bereich während der Tour.

"Wir waren in Tour-Stimmung, als wir dieses Album aufgenommen haben", so der Kommentar von Dave Haywood. "Die Basis war also die Bühnenerfahrung und jeden Abend zu sehen, was in so einem Stadion funktioniert und bei den Menschen ankommt. Wir wussten dadurch einfach besser, welche Art von Songs die Leute bewegt."

Dabei bekam die Band zusätzlich auch noch Input von anderen Schreibern aus der Musikmetropole Nashville: An sechs der insgesamt 11 Songs von Golden waren andere Songschreiber beteiligt, so zum Beispiel im Fall von „Downtown“ mit seinem R&B-Einschlag, bei dem an The Byrds erinnernden "Better Off Now (That You’re Gone)" und dem zerbrechlich klingenden "It Ain’t Pretty".  

Dieser Ideen-Input habe ihnen, so Scott, dabei geholfen, die klangliche Palette immer weiter aufzubrechen und immer weiter in die Tiefe vorzudringen: "Einen Song wie ‘Downtown’ oder auch ‘It Ain’t Pretty’ könnten wir alleine niemals schreiben. So gesehen holen uns diese Stücke, die wir nicht selbst geschrieben haben, raus aus unserem Kosmos und lassen uns Dinge ausprobieren, von denen wir sonst wohl niemals erfahren hätten, dass sie in uns schlummern."

Unterm Strich sind es die Erfahrungen, die sie auf Tour gesammelt haben, kombiniert mit den eigenen Ideen und den neuen Ansätzen anderer Songwriter, aus denen zusammen ein noch ansteckender, schillernderer Sound entstehen sollte – daher auch der Titel Golden.

"Wir nennen dieses Album schon die ganze Zeit unser Kurbel-mal-die-Fensterscheibe-runter-Album, und daher stammt auch der Titel Golden", meint Kelley. "Also, man muss sich das so vorstellen wie bei einem längeren Ausflug, einem Roadtrip, und wenn man dann so die Straße entlang cruist und hin und wieder das Sonnenlicht durchs Fenster scheint, durch die Bäume hindurch, besonders wenn die Sonne gerade untergeht – das ist das Goldene. Dieses warme, entspannte, angenehme Feeling sollte das Album auch versprühen."

Ein Wort wie "Roadtrip" ist also das Stichwort: Unterwegs im Tourbus, unterwegs in den Sonnenuntergang, Hauptsache in Bewegung – Golden ist ein Album, das auf Tour entstanden ist (also auf einem massiven, monatelangen Roadtrip, wenn man so will), und man hört sofort, dass kreativer Stillstand keine Option war für diese Band. Sie bleiben sich selbst zwar treu, schlagen aber zugleich immer wieder neue Richtungen ein, um die besagten Sonnenstrahlen zu erhaschen. Schon deshalb klingt Golden anders als die Vorgängeralben und vollbringt den Balanceakt: Das Album dokumentiert eine Reise und zeugt zugleich von permanenter Aufbruchsstimmung. "Golden steht auf jeden Fall für einen ganz besonderen Abschnitt unserer Karriere", sagt Haywood abschließend. "Und ich persönlich bin so dankbar dafür, dass wir immer noch Alben machen dürfen, auf die sich die Menschen freuen. Das ist unglaublich viel Wert, ja Gold wert ist das!"

 


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