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21.05.2004

Reich der Klänge

Lang Lang, Reich der Klänge

Lang Lang gehört zu den erstaunlichsten Pianisten unserer Zeit. Und so ist es kaum verwunderlich, dass sein Album "Live At Carnegie Hall" als eine der herausragenden Aufnahmen klassischer Musik gefeiert wird. Also ein Muss für eine Empfehlung in der Selected Classics 2004.

Noch keine 22 Jahre alt scheint ihm bereits kein Stück zu schwer, zu verschlossen zu sein. Seine interpretatorische Brillanz setzt Maßstäbe, seine Kompetenz verblüfft selbst die Profis internationaler Expertengremien. So wundert es kaum, dass sein Konzert im vergangenen Jahr in der New Yorker Carnegie Hall im Handumdrehen ausverkauft war. Zum Glück hatte die Deutsche Grammophon vorgesorgt und die Bänder während dieses denkwürdigen Abends mitlaufen lassen. So kann sich nun auch der Rest der Welt von der künstlerischen Größe eines jungen Künstlers überzeugen, der noch viel bewegen wird.

 

Es war einer dieser magischen Momente. Der Komponist Tan Dun (*1957) begegnete Lang Lang während einer Silvesterfeier. Als der Pianist gefragt wurde, ob er zum Jahresanfang den Menschen im Raum eine Melodie mit auf dem Weg geben könnte, entschied sich der junge Mann für eine von Duns Kompositionen: "Lang Lang spielte 'Floating Clouds' ('Ziehende Wolken'), eines meiner ersten Klavierstücke, das ich mehr als zwanzig Jahre zuvor komponiert hatte (vier Jahre vor Lang Langs Geburt). Seine Interpretation war ganz klar und rein. Ich hatte fast das Gefühl, das Stück für ihn geschrieben zu haben. Obwohl er damals noch gar nicht geboren war. [...] Lang Lang ist ein Poet, der über magische Kräfte verfügt: Er könnte eine unendliche Geschichte erzählen. In seiner Erzählung höre ich die Stimme der menschlichen Seele und das Schweigen der Natur.

 

Für mich ist Lang Lang einer der größten Pianisten der Gegenwart". So wie Tan Dun geht es vielen, die den jungen Pianisten aus dem chinesischen Schenyang auf der Bühne erleben. Denn er hat die Gabe, selbst weltberühmte Kompositionen so klingen zu lassen, als seien sie seine eigenen. Das ist ein Talent, aber auch eine bewusste Entscheidung für die Tradition, in der er sich sieht: "Wenn man keinen Lehrer hat, wird das Spiel eigenwillig. Ich habe meine eigenen Ideen, aber das genügt nicht, um ein großer Musiker zu sein. Ich will besser, aber nicht eigenwillig werden. Durch Gary Graffman [seinen Lehrer am Curtis Institute] habe ich gelernt, den Zuhörern meine Vorstellung zu vermitteln und die Energie aus dem Klavier herauszuholen. Das ist besonders wichtig. Wenn man diese Energie nicht hat, gelingt einem auch keine wirklich schöne Musik".


Allerdings schaffte es Lang Lang auch schon vor seiner Ausbildung bei Graffman, Menschen in den Konzertsälen zu stehenden Ovationen zu verleiten. Geboren 1982 in Schenyang, bekam er mit drei Jahren Klavierunterricht und spielte mit fünf bereits sein erstes Recital anlässlich eines lokalen Piano-Wettbewerbs. Mit neun wurde er an das Konservatorium in Peking zu Professor Zhao Ping-Guo empfohlen, vier Jahre später präsentiert er sich mit sämtlichen Chopin-Etüden im Pekinger Konzertsaal und gewann darüber hinaus den renommierten Tschaikowski-Wettbewerb in Tokio. Weiter ging es im Laufschritt durch die Instanzen der öffentlichen Anerkennung, bis er 1999 in letzter Minute für den erkrankten André Watts bei der "Gala Of The Century" des Ravinia Festivals einsprang. Er spielte mit den Chigagoer Symphonikern Tschaikowskis "Klavierkonzert Nr.1" und begeisterte Orchester und Publikum.

 

Seitdem ging es Schlag auf Schlag, bis hin zu seinem Recital-Debüt in der Carnegie Hall am 7. November 2003. Lang Lang wählte das Repertoire sorgfältig aus - von Schumanns "Abegg-Variationen, op.1" über Schuberts "Wanderer-Fantasie" bis hin zu Liszts "Réminiscences du Don Juan de Mozart, S.418" - und vervollständigte es mit Musik aus seiner Heimat ("Eight Memories In Watercolor, op.1", Tan Dun). Und da er ein traditionsbewusster Mensch ist, bat er außerdem seinen Vater Guo-ren Lang auf die Bühne, einen Virtuosen der zweisaitigen Erhu-Geige, mit dem er ein chinesisches Volkslied anstimmte. So gab es in der Carnegie Hall reichlich Grund zum Jubeln. Und für die Musikfreunde, die es nicht mehr nach New York schafften, bleiben die wunderbaren Aufnahmen, als Doppel-CD, Doppel-SACD mit fantastischem Surroundsound und als DVD, für alle, die gerne dem Künstler beim Spielen zusehen.


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