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13.03.2014

Musik als Lebenselixir - The Leonard Bernstein Collection Volume 1

Die Deutsche Grammophon legt eine Gesamtausgabe der Aufnahmen Leonard Bermsteins vor. "Ein Leben ohne Musik ist unvorstellbar, Musik ohne Leben ist akademisch. Deshalb ist meine Beziehung zu Musik die totale Hingabe", hat der Dirigent einmal gesagt.

Leonard Bernstein, Musik als Lebenselixir © DG

Musiker meinten einmal, unter Leonard Bernstein zu arbeiten sei so, als würde man den Entstehungsprozess der Werke noch einmal miterleben. Tatsächlich gab es kaum einen anderen Dirigenten im vergangenen Jahrhundert, der es schaffte, einem derart umfangreichen Oeuvre seinen persönlichen Stempel aufzudrücken.

Totale Hingabe an die Musik

Eine eindrucksvolle Schilderung seiner Arbeitsweise gab Bernstein in einem Interview mit dem Gramophone Magazine nach der Premiere der Otto Schenk-Inszenierung von Beethovens "Fidelio" im Theater an der Wien 1970. "Bevor ich diesen Fidelio machte, habe ich so viele Briefe und Memorabilia von Beethoven gelesen, dass ich fühlen konnte, wie die Kluft zwischen mir und Beethoven schrumpfte. Doch noch immer stand meine Ehrfurcht mir im Wege. ‚Soll ich es wagen?‘ und ‚Bin ich es wert?‘ waren Fragen, die ich mir immer wieder stellte.”

Er habe sich der Unordnung und den Skrupeln in Beethovens Leben bald so nahe gefühlt, dass er wirklich glaubte, taub zu sein, erklärt Bernstein. "An einem Punkt dachte ich: ‚Ich kann die zweite Oboe nicht hören‘ (es stellte sich heraus, dass sie nicht gespielt hatte). Dann dachte ich, das Werk sei tatsächlich von mir geschrieben worden. Ich stellte mir das erste Publikum in diesem Theater vor, die französischen Soldaten, ihre Gleichgültigkeit und sogar Feindseligkeit gegenüber der Premiere. Es war geradezu beängstigend, wie in einem schlechten Traum. Diese quälenden Beethovenschen Zweifel. Am Abend der Premiere identifizierte ich mich so stark, dass ich mich so fühlte, als dirigiere ich mein eigenes Werk."

Genialer Vermittler

Stand die Musikwelt Bernsteins unbedingter Identifikation mit den Komponisten, deren Werke er dirigierte (allen voran Mahler), anfangs noch skeptisch gegenüber, so setzte sich bald die Auffassung durch, er gehöre zu den genialsten Musikvermittlern der klassischen Musik. Umtriebig und produktiv wagte Bernstein bis zum letzten Konzert in Tanglewood 1990 immer wieder ungewöhnliche und individuelle Interpretationen der Klassiker der Konzertsaalkultur. Von 1976 an eng mit der Deutschen Grammophon verbunden, entstanden auf diese Weise zahlreiche wegweisende Aufnahmen, die nun vollständig in der sorgfältig edierten zweiteiligen "Leonard Bernstein Collection" zugänglich gemacht werden.

Gesamtausgabe der Bernstein-Aufnahmen

Volume 1 ist 59 Tonträger stark. Einen Schwerpunkt bilden Aufnahmen der Werke Haydns, Beethovens und Brahms’. Bernstein hat für die Deutsche Grammophon Klavierkonzerte, Ouvertüren und sämtliche Symphonien von Beethoven und Brahms sowie Symphonien von Haydn und dessen "Schöpfung” aufgenommen, die neben anderen Werken der drei deutschen Komponisten in dieser Edition enthalten sind. Gewichtigen Anteil haben Klassiker der Moderne von Debussys "La Mer" über Hindemiths "Mathis der Maler" bis Barbers "Adagio for Strings" und Werke amerikanischer Komponisten wie Copland, Ives, Gershwin und Harris.

Mit zahlreichen Aufnahmen von Eigenkompositionen, von der Symphonie Nr. 1 "Jeremiah" über "MASS" bis zum großen Broadway-Erfolg "West Side Story", gibt die Edition zudem einen umfassenden Überblick über das kompositorische Schaffen Bernsteins. Auch ein Live-Mitschnitt des Konzerts zum Mauerfall am Berliner Gendarmenmarkt im Dezember 1989 mit Beethovens Neunter ist enthalten. Bernstein-Biograf Humphrey Burton hat es als absoluten Höhepunkt im öffentlichen Leben des Weltbürgers Leonard Bernstein bezeichnet.

Sämtliche Alben erscheinen mit den originalen Cover-Designs. Das "Making of West Side Story" dokumentiert eine Bonus-DVD. Als Box im LP-Format wird die limitierte Deluxe Edition veröffentlicht, mit einem 40-seitigen, großformatigen Buch, das neben einem Vorwort von Bernsteins Tochter Jamie Bernstein neue Essays von den Bernstein-Experten Humphrey Burton und Nigel Simeone enthält. 2015 soll Volume 2 der "Leonard Bernstein Collection" erscheinen.


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