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14.03.2003

B & B

Leonard Bernstein, B & B

Leonard Bernstein kannte seinen "Fidelio". Als er 1977/78 an der Wiener Staatoper erschien, um mit den Philharmonikern Beethovens einzige Oper neu einzustudieren, brachte er eine Partitur voller Notizen mit, die seine Erfahrungen mit dem Werk festhielten. So entstand eine sorgfältig dem Komponisten nachempfundene Einspielung, die auch nach einem Vierteljahrhundert nichts von ihrer Frische und Deutlichkeit verloren hat.und verbindlich jährlich wenigstens eine große Oper, die gemeinschaftlich durch die löbliche Direction und den Unterzeichneten gewählt würde, zu komponieren; dagegen verlangt er eine fixe Besoldung von jährlich 2400 fl nebst der freien Einnahme zu seinem Vortheile bei der dritten Vorstellung jeder solcher Oper. 2. Macht sich derselbe anheischig, jährlich eine kleine Operette oder ein Divertissement, Chöre oder Gelegenheitsstücke nach

Hätte sich die k.k. Hof-Theatral-Direction anders entschieden, gäbe es heute wohlmöglich mehrere Opern von Ludwig van Beethoven. In seinem Bewerbungsschreiben von 1806 jedenfalls konnte man lesen: "So nimmt sich derselbe die Freiheit, sowohl seine Bereitwilligkeit zu diesem Engagement, als auch folgende Bedingungen zur beliebigen Annahme der löblichen Direction geziemendst vorzulegen: 1. Macht sich derselbe anheischig und verbindlich jährlich wenigstens eine große Oper, die gemeinschaftlich durch die löbliche Direction und den Unterzeichneten gewählt würde, zu komponieren; dagegen verlangt er eine fixe Besoldung von jährlich 2400 fl nebst der freien Einnahme zu seinem Vortheile bei der dritten Vorstellung jeder solcher Oper. 2. Macht sich derselbe anheischig, jährlich eine kleine Operette oder ein Divertissement, Chöre oder Gelegenheitsstücke nach Verlangen und Bedarf der löblichen Direction unentgeltlich zu liefern".

 

Die Anstellung jedoch blieb aus, wohl auch aufgrund der Erfahrungen mit Beethovens erster Oper "Fidelio", die unter keinem guten Stern gestanden hatte. Am 20. November 1805, eine Woche nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Wien, hatte sie Premiere. Das adelige Publikum war überwiegend aus der Stadt geflohen, der verbleibende Rest empfand das Werk als zu ernst, zu lang und zu mächtig. Bereits nach wenigen Vorstellungen wurde die Oper abgesetzt, Beethoven selbst ließ sich nur mühsam zu einer Streichversion überreden, die dann am 29. März 1806, diesmal allerdings mit mehr Beifall, ebenfalls in Wien folgte. Die dritte Überarbeitung schließlich geschah dann auf Wunsch des Komponisten selbst und gipfelte in einer erfolgreichen Aufführung am 23. Mai 1814, die für "Fidelio" den Durchbruch bedeutete.

 

Mit der Vielzahl der Bearbeitungen setzte auch die Verwirrung über etwaige Detailanweisungen des Komponisten ein. Leonard Bernstein löste die Frage nach den Einzelheiten für sich, indem er so plausibel wie möglich und so nah wie nötig an der Partitur arbeitete. Dazu gehörten auch ein paar Besonderheiten, wie die Leonoren-Ouvertüre, die er direkt an das Duett Leonore-Florestan anschließen ließ, als sinnvolle Brücke zum Finale, nicht als Pausenmusik für den Umbau auf der Bühne: "Ich glaube, das war die beste Idee, die ich je hatte", erklärte der Dirigent dem Musikwissenschaftler Franz Endler, "Beethoven, meine ich, hat lange vor der Erfindung des Films ein ?Fade-Out' geschrieben. Warum höre Beethoven nach der Klimax des Duetts so auf? Warum verschwindet die Musik, als ob bei einem Film langsam ausgeblendet würde? Warum lässt Beethoven die Musik erlöschen und dazu auch das Leben auf der Bühne? Ich finde, er führt damit direkt in die Stimmung, in der die Leonoren-Ouvertüre uns eben erst einfängt - in eine Stimmung, in der wir plötzlich wieder nichts von der Oper wissen, die wir gerade gehört haben - und gibt uns die Chance nachzudenken, was wirklich passiert ist".

 

Dieses und viele weitere Details bearbeitete Bernstein mit erstklassiger Besetzung unter großem Erwartungsdruck nach den ersten Aufführungen mit den Wiener Ensembles von 1970. Als dann im Februar 1978 im Großen Saal des Wiener Musikvereins die Bänder liefen, leisteten aber alle Beteiligten - Philharmoniker, Staatsopernchor, Gundula Janowitz (Leonore), Lucia Popp (Marzelline), Dietrich Fischer-Dieskau (Don Fernando), René Kollo (Florestan) und viele mehr - derart aufregende Interpretationsarbeit, dass schließlich gelang, was der Dirigent sich wünschte: eine wegweisende Aufnahme des "Fidelio" mit persönlicher Handschrift, von der das Hermes Opernlexikon meinte: "Ein echter Bernstein: Er überrumpelt das Publikum, die Musiker, die Sänger, er attackiert mit Beethovens Musik unser Fühlen, unser Denken, er ist selig im Überschwang und präzise im Detail, er umarmt die Menschheit, daher auch alle, die mittun bei seinem Fidelio"

 

Die Referenz:

 

"Ein echter Bernstein: Er überrumpelt das Publikum, die Musiker, die Sänger, er attackiert mit Beethovens Musik unser Fühlen, unser Denken, er ist selig im Überschwang und präzise im Detail, er umarmt die Menschheit, daher auch alle, die mittun bei seinem Fidelio. Die Janowitz und Kollo lassen sich von Bernstein anstecken." (Hermes Opernlexikon)


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