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27.07.2011

Satchmo: Louis Armstrong The Amabassador of Jazz im limitierten 10-CD-Boxset

2011 ist das Louis Armstrong Gedenkjahr. Es markiert den 110. Geburtstag und 40. Todestag des Jazz-Genies. Zu diesem Anlass erscheint ein 10-CD-Boxset neben einer schmaleren 2-CD-Gedenkausgabe des epochalen Trompeters und Sängers.

Louis Armstrong, Satchmo: Louis Armstrong The Amabassador of Jazz im limitierten 10-CD-Boxset © Library of Congress Prints and Photographs Division, New York

Sämtliche Aufnahmen hat der New Yorker Produzent und Songwriter Russ Titelman remastered. Für seine Produktion von Steve Winwoods Single „Higher Love“ wie auch Eric Claptons Alben „Journeyman“ und „Unplugged“ hat Titelman 1986, `89 und `92 jeweils einen Grammy gewonnen.

In einer Mini-Replik seines Reisekoffers beherbergt die „Satchmo: Louis Armstrong The Amabassador Of Jazz“-betitelte Box 7 CDs, deren Repertoire die gesamte Karriere Armstrongs umspannt. Dazu gibt es eine CD mit unveröffentlichtem Armstrong-Material, den Mitschnitt eines Konzerts von 1956 beim Hollywood Bowl und ein unveröffentlichtes Audio-Interview mit dem Journalisten Dan Morgenstern, aufgezeichnet 1965. Komplementär zu den CDs lässt sich mit einem 200 Seiten dicken Buch voller Fotos, Liner-Notes, Partituren und Skizzen in der Ära Armstrong schwelgen.

Louis Armstrong alias Pops, Sweet Papa Dip, Satchmo oder Reverend Satchelmouth. Der Mann mit der heiseren Stimme und dem weißen Taschentuch. Er hatte absolutes Gehör und perfektes Timing. Seine improvisierten Melodien und sein Gesang konnten abheben wie Flugzeuge vom 2001 nach ihm benannten Louis Armstrong New Orleans International Airport oder „tief sinken wie Blutstropfen eines Gangsters, der in der Gosse stirbt“, schrieb Musikjourno Stanley Crouch 1998 im „Time Magazine“  „Welche war die größte Band des 20. Jahrhunderts“, fragte gar das Playboy-Magazin rhetorisch, um gleich zu erklären: „Vergesst die Beatles, es waren Louis Armstrongs Hot Five und ihre Fortsetzung, die Hot Seven... diese Bands veränderten den Kurs der Popmusik!“ Gern erwähnt man da noch, dass Armstrong 1964 mit dem Musicalsong „Hello Dolly“ die Beatles von Platz-1 der US-Singlecharts vertrieb. Man könne nichts mehr auf einem Horn spielen, das Louis nicht schon gespielt hat, konstatierte einmal Miles Davis. Der Jazz-Dokumentarfilmer Ken Burns hält Armstrong für den „Einstein der Musik“. Das Alpha und Omega amerikanischer Musik nennt ihn Bing Crosby. Und die Gospel-Königin Mahalia Jackson deklamierte: „Wenn du Louis Armstrong nicht magst, weißt du nicht, wie man liebt.“

13 seiner Titel stehen in der Grammy Hall of Fame: vom 1923 aufgenommenen „Chimes Blues“, über die Scat-Revolution von „Heebie Jeebies“ (1926), dann gleich zwei Versionen (mit Bessie Smith und solo) des „St. Louis Blues“, ebenso das 1958 mit Ella Fitzgerald aufgenommene „Porgy & Bess“-Album, bereits erwähntes „Hello Dolly“ und natürlich „What A Wonderful World“ – der Song, den wirklich jeder von Louis Armstrong kennt.

In der Tat kann Satchmo als größter Einfluss auf die Popmusik bezeichnet werden – vom Jazz über den Blues zum Rock'n'Roll – und das macht ihn auch für Nicht-Jazzfans interessant. „Hätte es Satchmo nicht gegeben, dann würden wir immer noch mit gepuderten Perücken umherlaufen“, drückte es einer seiner vielen musikalischen Erben, der Trompeter Hugh Masekela aus. „Louis machte die Welt etwas lockerer.“

Wie reichhaltig der Beitrag Armstrongs zur Musikgeschichte ist, zeigt allein sein in den Zwanzigern eingespieltes Intro von King Olivers „West End Blues“, ein kurzer Rundumschlag durch die Essenz des Jazz.  Als Vokalist zündete Armstrong 1926 auf dem oben genannten Song „Heebie Jeebies“ den Funken des Scat-Gesangs. Der Legende nach soll er kurz vor der Aufnahme herumgeclownt haben, dabei war das Blatt mit dem Songtext herunter gefallen, und als dann das Band lief, musste Armstrong irgendwas machen, scattete herum, die Single verkaufte sich 40.000 Mal, nicht schlecht für 1926 und stellte die Weiche für den ersten afroamerikanischen Superstar.

1901 geboren in New Orleans (Armstrong-Gelehrte haben sich auf den 04. August geeinigt), als Sohn eines Tagelöhners und einer Wäscherin, wuchs Armstrong unter erbärmlichen Bedingungen auf, so düster, dass er sie in seiner Autobiografie „My life in New Orleans“ aufhübschte, um sein Publikum nicht zu schockieren. Als Kind verkaufte er Kohlen an Prostituierte, irgendwann saß er mit einem Kornett auf dem Kohlenwagen. Als man ihn wegen Unruhestiftung in ein Erziehungsheim steckte, begann er dort Tag und Nacht zu üben. Als Zwanzigjähriger zog Armstrong in den Norden, nach Chicago, ging dort in den Bands von Joe „King“ Oliver und Kid Ory in die Lehre, bevor er zwischen 1925 und `27 den Jazz mit seinen ersten beiden eigenen Bands revolutionierte, den Hot Five und den Hot Seven, sich mit ihnen von der traditionellen New Orleanser Polyphonie emanzipierte, kraft seines melodischen Einfallsreichtums und seiner technischen Brillanz den Jazz zu einer Musik für Solisten machte, etwa in dem von ihm und seiner Frau, der Pianistin Lil Hardin komponierten „Tears“. 1927 wechselte er auf „Potato Head Blues“ vom Kornett zur Trompete. 1929 zog Armstrong nach New York, um sich dort der Band von Fletcher Henderson anzuschließen. New York markiert seinen Durchbruch. Mit Henderson legte Armstrong die Blaupause für den Swing, als Studiomusiker wurde er zum Trendsetter, danach gefeierter Solist von Swing-Orchestern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tritt der Louis Armstrong in Erscheinung, den man gemeinhin kennt. Mit seinen All Stars, begleitet von Pianist Earl Hines und Posaunist Jack Teagarden, wurde er auf unzähligen strapaziösen Tourneen zum Botschafter des Jazz, erreichte er mit seiner heiseren, gutturalen, charmanten Stimme ein Millionenpublikum. Seinen mittlerweile etablierten Stil veränderte er da nicht mehr, zitierte sich gern selbst, wurde berechenbarer. Seine Herzlichkeit und menschliche Wärme kontrastierten mit der afroamerikanischen Protestbewegung, die er großzügig mit Spenden unterstützte. Am 06. Juli 1971 starb Louis Armstrong in New York an einem Herzinfarkt. Die Welt verlor ein Genie. Satchmos Musik bleibt unsterblich.


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