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05.08.2009

Eine Klasse für sich

Luciano Pavarotti, Eine Klasse für sich © G. Chieragato

Am 6.September 2007 starb Luciano Pavarotti, der große Tenor aus dem norditalienischen Modena. Mit ihm hatte die Oper während der vorangegangenen Jahrzehnte eine Blüte erlebt, die die Menschen nicht mehr nur in den Traditionshäusern, sondern sogar in Stadien begeisterte. Luciano Pavarotti war einer der großen Integratoren der klassischen Musik, ein Künstler, der seine Fans förmlich von den Sitzen reißen konnte. Das gelang ihm mit vielen berühmten Arien, besonders aber mit den Klassikern des Genres seines Landsmanns Giuseppe Verdi. Denn da trafen verwandte Seelen aufeinander, bei denen sich Pathos und Temperament, Gefühl und Präzision verknüpften. „Celeste Aida – The Verdi Album“ ist daher nicht nur eine gelungene und exklusive Zusammenstellung, die auf zwei CDs zwei starken Charakteren gerecht wird. Sie ist ein Konzentrat der italienischen Verismo-Oper schlechthin, die von „La Traviata“ bis zum „Otello“ alles hat, was das Herz begehrt.

Der „Otello“ beispielsweise gilt als Höhepunkt von Giuseppe Verdis Opernschaffen. Da ist zum einen die Geschichte selbst, die so schlicht wir treffend die Unzulänglichkeiten des Menschlichen umschreibt. Otello, ein Mohrenprinz und erfolgreiche Feldherr in Venedigs Diensten, wird von dem intriganten Fähnrichs Jago, den er bei der fälligen Beförderung übergangen hatte, gegen seine Frau Desdemona aufgehetzt. Denn Otellos Schwäche ist die Eifersucht und das Drama geht soweit, dass der vermeintlich Gehörnte seine unschuldige Gattin ermordet und schließlich im Angesicht seines Unrechts sich selbst das Leben nimmt.

Ein Stoff, der reichlich Leidenschaft in sich birgt und der vom 73jährigen Giuseppe Verdi auf der Basis von Shakespeares Vorlage 1887 wirkungsvoll auf die Mailänder Bühne gebracht wurde, nach 16 Jahren Pause, die seit der umjubelten „Aida“ vergangen waren. Das Besondere an „Otello“ ist nicht nur dieser wirkungsvolle Plot, sondern der Umgang des Komponisten mit dem Stück. Im Unterschied zu den früheren, auf einzelne Nummer angelegten Bühnenwerken, gestaltete er diesmal die Musik durch und gab der Handlung auf diese Weise eine geschlossene Form. Das wiederum ermöglicht den Akteuren, über die musikalische Präsenz hinaus Charaktere zu entwickeln, die den Figuren Tiefe und individuelles Profil geben.

So wundert es wenig, dass sich auch Luciano Pavarotti von den Eigenheiten der Rolle herausgefordert fühlte. „Celeste Aida – The Verdi Album“ bringt den leidenschaftlichen Tenor in drei Auszügen mit dramatischen Passagen des Alterswerks zusammen, wo er seine Stärken des emotionalen und opulenten Gestaltens in ganzer Pracht entfalten kann. „Vergessen sie den ganzen Rummel“, schrieb 1991 der Rezensent der Zeitschrift Gramophone über Pavarottis „Otello“ und fuhr fort: „Vergessen sie den überlebensgroßen Freiluftkünstler, hören sie den aufrichtigen, ernsthaften Künstler“. Und doch gehörte auch der Publikumsliebling mit den populären Melodien zu Pavarottis Profil. Deshalb hört man auf „Celeste Aida“ nicht nur den „Otello“, sondern erlebt einen Tenor, wie er lustvoll die musikalische Biografie des Komponisten entlang wandert und sich zu zahlreichen famosen Arien hinreißen lässt, die posthum seine Einzigartigkeit dokumentieren. Da finden sich Passagen aus „Macbeth“ und „Rigoletto“, „Il Trovatore“ und „La Traviata“, „Don Carlo“, „Aida“ und sogar aus dem „Requiem“, aus dem gesamten Kern-Repertoire, das der italienische Komponist im Laufe seiner langen Kariere verfasst hat.  

Pavarotti zur Seite standen für die Aufnahmen von „Celeste Aida“ Koryphäen ihres Fachs wie die Dirigenten Claudio Abbado, Riccardo Muti und Sir Georg Solti, die mit Orchestern wie den Londoner und Wiener Philharmonikern und dem Orchester der Scala arbeiteten, die der opulenten Stimme des Tenors den passenden Rahmen boten, innerhalb dessen sie sich in unnachahmliche präsenter und zugleich natürlicher Weise entfalten konnte. Das ist große Opernkunst, die auch zwei Jahre nach dem Tod des faszinierenden Stimmkünstlers zeigt, dass es im vergangenen Jahrhundert kaum einen Sänger gab, der ihm das Wasser reichen konnte.

Mehr Informationen über Luciano Pavarotti erhalten Sie auf der Künstlerporträtseite des Tenors.


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