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23.09.2009

Einaudis Nachtgedanken

Ludovico Einaudi, Einaudis Nachtgedanken © Decca

Es hat sich viel getan während der vergangenen Jahre. Ludovico Einaudi ist aus dem Schatten des Komponistendaseins heraus getreten, hat sich als Solist des Subtilen profiliert und seine Melodien erreichen inzwischen Millionen, sei es durch seine Aufnahmen, seine Filmmusiken oder durch seine Projekte und Tourneen, die ihn rund um die Welt führen. An diesen langen Abenden in den Hotelzimmern oder überhaupt an den verschiedenen Stationen seiner Reisen sind ihm im Laufe der vergangenen Jahre auch Melodien zugeflogen, die sich schrittweise zu einem Album verdichtet haben. Es heißt „Nightbook“ und präsentiert Ludovico Einaudi als einen Souverän der Stimmungslenkung, der seine Hörer mitnimmt auf einen Ausflug in die Welt der Nachtgedanken.

Ludovico Einaudis Musik schöpft aus der Kraft des Minimalen, reduziert auf das Wesentliche einer künstlerischen Aussage und pointiert auf ein Maximum fundamentaler klanglicher Aussagen zugespitzt. Das macht den Pianisten, Komponisten und Spross einer der einflussreichsten Familien Italiens zu einem Seismographen klangkultureller Befindlichkeiten, der mit dem Streben nach Klarheit und emotionaler Bedeutsamkeit bereits den Nerv vieler Zeitgenossen getroffen hat. Seit seinem Durchbruch mit „Le Onde“ (1996) zählt Ludovico Einaudi zu den Stars des kontemplativen Segments, hat rund 750 000 Alben verkauft, Filmmusiken selbst geschrieben („This Is England“) oder im Fall von„Der Vorleser“ mitgestaltet und ist ein weltweit gern gesehener Gast auf den Bühnen renommierter Konzerthäuser wie der Londoner Royal Albert Hall oder dem Kennedy Center in Washington. Darüber hinaus ist er ein präziser Beobachter seiner Zeit. Er nimmt die Befindlichkeiten seiner Umwelt in sich auf und verknüpft sie zu musikalischen Innensichten, die er wiederum in komplexen, mal pastellfarben dezenten, mal intensiv leuchtenden Klangbildern verarbeitet.

So auch bei seinem aktuellen Album. “'Nightbook' ist eine Reise und jedes Stück ist wie ein Kapitel einer Geschichte oder die Facette eines Prismas”, meint Ludovico Einaudi selbst, “ein Weg, zu einer tieferen Ebene von uns selbst vorzudringen. Die Musik öffnet die Pforten zu verborgenen Welten und ermöglicht es dem Hörer, mit seinen geheimsten Emotionen in Kontakt zu kommen.” Das Album ist ein Skizzenbuch melodischer Selbstreflexionen und spiegelt darüber hinaus die vergangenen Jahre seit „Le Onde“ wieder, die den Klangkosmos des Komponisten und Solisten schrittweise erweitert haben. Denn Einaudi lässt sich von kompetenter Seite helfen, etwa von dem Soundtüftler Robert Lippok, mit dem er zusammen das Projekt „whitetree“ ins Leben gerufen hat und der zu den Gästen des Albums gehört. Dazu gesellen sich Freunde von früheren Arbeitsphasen wie der Cellist Marco Decimo und der Viola-Spieler Antonio Leofreddi, die die Klangwelt Einaudis um subtile Nuancen erweitern.

Er selbst wiederum wagt stellenweise auch den Schritt ins Pathetische, ins Ekstatische, ohne aber die Verankerung in der gestalterischen Klarheit zu verlieren. „Ein Stück wie 'Eros' zum Beispiel“, meint Einaudi, „ist fast so etwas wie ein ritueller Lobgesang, der sich mit seinem Crescendo in Richtung von Ekstase öffnet“. Aufgenommen wurde in Mailand und im Planet Roc Studio in Berlin, in spürbar entspannter Atmosphäre und so konnte ein weiteres fragiles Meisterwerk eines Künstlers entstehen, dessen Klangwelten die Menschen bei der Seele packen. Denn auch dessen ist sich Ludovico Einaudi wohlbewusst. Musik lebt im Kern nicht von Faktoren der Oberfläche wie Virtuosität, sondern von der Intensität, mit der sie die Gefühlswelt der Hörer berührt. Und da ist „Nightbook“ ein Beispiel für die Ausstrahlung, die klare, fragile, emotionale Kompositionen entwickeln können.


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