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Madeleine Peyroux BACKSTAGE EXCLUSIV

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08.06.2011

Ende der Introvertiertheit - “Standing On The Rooftop” von Madeleine Peyroux

Mit teilweise völlig neuen Tönen und einem breiten Stilmix überrascht die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Madeleine Peyroux auf ihrem sechsten Album “Standing On The Rooftop”.

Madeleine Peyroux, Ende der Introvertiertheit

Verblüffend anders und dennoch unverwechselbar. So klingt Madeleine Peyroux auf ihrem neuen Album “Standing On The Rooftop”, auf dem sie in mancher Hinsicht radikale Veränderungen vornahm. Dass sie darüber dennoch nicht ihre Identität verlor, spricht Bände über die künstlerische Reife, die Peyroux mittlerweile erlangt hat. “Ich glaube, meine Fans sind heiß darauf, etwas anderes von mir zu hören”, sagt die 37-Jährige, bevor sie versichert: “Ich bin noch dieselbe Sängerin, die ich schon als Teenager war ... das heißt: eine Sängerin, die in die Musik hineinwachsen möchte, egal woher sie stammt. Ich denke nicht, dass ich etwas aufgegeben habe. Ich habe vielmehr etwas hinzugefügt.”

“Für dieses Projekt wünschte ich mir ein breiteres musikalisches Szenario als auf den vorausgegangenen Alben”, fährt Madeleine Peyroux fort. “Ich wollte diesmal härtere, ja sogar hässliche Klänge auszuprobieren ...” Soviel sei gleich verraten: “hässlich” klingt “Standing On The Rooftop” trotzdem keine Sekunde lang, aber es ist mit weitem Abstand Madeleine Peyroux’ abenteuerlichstes und abwechlungsreichstes Album geworden.

Und das ist auch ein Verdienst ihrer neuen musikalischen Partner: Produzent Craig Street ist dafür bekannt, Künstlerinnen aus der Reserve zu locken. Er tat dies schon überaus erfolgreich mit u. a. Lizz Wright, Cassandra Wilson, Norah Jones, Holly Cole und k.d. lang. Nun legt unter seiner Führung auch Madeleine Peyroux ihre Introvertiertheit ab. Aus dem Pool der Musiker, mit denen der Produzent bisher zusammenarbeitete, rekrutierte er auch die Kernband, die Madeleine hier begleitet: Gitarrist/Banjospieler Marc Ribot, Bassistin Me’Shell Ndegeocello, Schlagzeuger Charley Drayton, Keyboarder John Kirby und Gitarrist Chris Bruce. Während Ribot mal einen Hauch von Avantgarde einbringt, mal “rootsiger” Töne anschlägt, sorgen Me’Shell, Drayton und Bruce dafür, dass die Musik gelegentlich funky wird und groovt. Als Gast tritt außerdem der Pate der New Orleanser Rhythm’n’Blues-Szene in Erscheinung: Pianist Allen Toussaint.

Neu sind auch viele von Peyroux’ Songwriting-Partnern. Heraus sticht vor allem die Kooperation mit dem früheren Rolling-Stones-Bassisten Bill Wyman. Die beiden lernten sich vor zwei Jahren beim Jazzfestival in Nizza kennen: “Er kam auf mich zu und sagte: ‘Ich bin ein großer Fan von dir. Ich habe all deine Platten.’ Und das machte mich erst einmal ziemlich sprachlos.” Nachdem sie ihre Stimme wiedergefunden hatte, verabredete sich Madeleine mit Wyman in London. “Ich verbrachte dort eine Woche und sah ihn jeden Tag, um mit ihm an gemeinsamen Songs zu arbeiten. Es gab Momente, in denen er mir alte Geschichten erzählte, da dachte ich nur: ‘Wow, ich sitze hier mit einem ehemaligen Rolling Stone zusammen!’ Aber er ist ein unglaublich unprätentiöser, bescheidener und super netter Typ.” Zum Repertoire von “Standing On The Rooftop” steuerte das Gespann (dessen Konstellation an das “ungleiche Paar” Alison Krauss und Robert Plant erinnert) “The Kind You Can’t Afford” und “Leaving Home Again” bei, zwei der stärksten Nummern des ganzen Albums.

Zwei weitere Songs entstanden in Kollaboration mit der Violinistin Jenny Scheinman (Norah Jones, Ani DiFranco), einer mit der Singer/Songwriter-Kollegin Jonatha Brooke. Aus dem Great American Songbook wählte Madeleine diesmal zwei Klassiker von Blueslegende Robert Johnson (“Love In Vain”) und Bob Dylan (“I Threw It All Away”), die sie in aufregender Weise neu interpretierte. So wie sie das auch mit dem Beatles-Klassiker “Martha, My Dear“ tat, mit dem sie den Reigen des Albums eröffnet.

Auf “Standing On The Rooftop” lernt man völlig neue Facetten dieser grandiosen Sängerin und Songschreiberin kennen. Aber ihre alten Qualitäten, das stellt man schnell fest, hat sich Madeleine Peyroux glücklicherweise trotzdem bewahrt.


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