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04.03.2009

Madeleine Peyroux - Bare Bones

Madeleine Peyroux, Madeleine Peyroux - Bare Bones ©Foto James

Kaum zu glauben, daß seit der Veröffentlichung von "Half The Perfect World" schon fast drei Jahre verstrichen sind. Manche der Songs dieses Albums hat man noch heute sehr frisch im Ohr. Nicht anders wird einem allerdings mit den Liedern von Madeleine Peyroux' neuem Album "Bare Bones" gehen. Erstmals schrieb die Sängerin und Gitarristin sämtliche Songs selber. Zur Seite standen ihr dabei freilich Könner wie Produzent/Bassist Larry Klein, Walter Becker (Steely Dan), Julian Coryell (der Sohn des Jazzgitarristen Larry Coryell), Joe Henry, David Batteau und der australische Pianist Sean Wayland. Und so ist "Bare Bones" sicherlich Madeleines bislang persönlichstes, zugleich aber auch ihr stilistisch abwechslungsreichstes Album geworden.

Mit "Bare Bones" tritt Madeleine Peyroux nun in eine eindeutig neue künstlerische Phase. Ihre Karriere begann die 1974 in Athens/Georgia geborene Peyroux mit fünfzehn Jahren, als sie sich in Paris - wo sie eine Zeit lang mit ihrer Mutter lebte - zum ersten Mal unter Straßenmusiker mischte. Später tourte sie zwei Jahre lang mit der Lost Wandering Blues and Jazz Band durch Europa und trug dabei Jazzstandards vor. Es waren im wahrsten Sinne des Wortes Madeleine Peyroux' Lehr- und Wanderjahre. 1995 entdeckte sie dann Yves Beauvais von Atlantic Records und nahm sie unter Vertrag. Ihr erstes Album "Dreamland" wurde gleich zu einem Überraschungserfolg, verkaufte sich eine Viertelmillion Mal und verschaffte ihr Auftritte beim Lilith-Fair-Festival, in Montreux und im Vorprogramm von Sarah McLachlan.

Doch der Schanzenrekord als Überfliegerin gleich im ersten Jahr war zuviel für Madeleine Peyroux. Erst verlor sie zeitweilig ihre Stimme, dann den Plattenvertrag und schließlich die Lust auf allen Ruhm und Reichtum. Und so trat sie in den folgenden Jahren wieder auf der Straße oder unter Pseudonymen in Clubs auf. Acht Jahre lang währte das Intermezzo, bis sie sich erneut einem Label anvertraute und mit "Careless Love" ein fulminantes Comeback hinlegte. Unter der Ägide von Joni Mitchells einstigem Ehemann Larry Klein interpretierte sie Coverversionen von Leonard Cohen, Bob Dylan, Hank Williams oder Elliott Smith im bluesig-jazzigen Gewand. Das Album verkaufte sich über eine Million Mal.

Sein Nachfolger "Half The Perfect World" von 2006 mit Songs unter anderen von Tom Waits, Charlie Chaplin oder Serge Gainsbourg wiederholte den Erfolg, und dieses Mal packte die medienscheue Künstlerin nicht die Angst vor der Vereinnahmung ihrer selbst.

Auf ihrem dritten Album in gut vier Jahren - angesichts der achtjährigen Schaffenspause zwischen Debüt und Nachfolger fast schon ein Schnellschuß zu nennen - hält sich die Künstlerin erneut und zum Glück an den hehren Grundsatz, sich keinesfalls ohne Not zu wiederholen. Ergo verzichtet Madeleine Peyroux jetzt auf ihre hoch gelobten Coverversionen namhafter Kollegen und singt sich schwer beseelt durch eigenes, bald sicherlich ebenso verehrtes Song-Material. "Für mich", sagt sie, "war das wirklich eine ganz neue Erfahrung. Es war beinahe so, als nähme ich erst jetzt mein wirklich erstes, eigenes Album auf." Larry Klein sei dabei der erste gewesen, der jemals zu ihr gesagt habe, "laß uns jeden Song für dieses Album selbst schreiben - am besten tust du es ganz allein. Für mich war das nicht bloß das Ende der Suche nach zweifelhaften Ereignissen, sondern eher wie der Moment, in dem du hinter all die Dinge zu schauen beginnst; der Moment eben, wenn der Regen aufhört und die Sonne sich wieder heraustraut."

Bilderreich und wie nach dem genialischen Drehbuch eines Independent Road Movie entwirft Peyroux auf "Bare Bones" höchst persönliche, manchmal auch erkennbar autobiographisch geprägte Texte, die mitunter eine überraschende Leichtigkeit demonstrieren, welche von einer doch offenbar tief in der Melancholie verwurzelten Künstlerin niemand so unbedingt erwartet hätte. "Ich weiß eben inzwischen sehr genau, daß es kein Drama ohne die Komödie geben kann", erläutert Madeleine Peyroux ihr famoses Werk. "Sie brauchen einander, damit sie echt und vollständig sind. Also versuche ich, in meinen Liedern die raffinierte Hochzeit der Gegensätzlichkeiten zu vollziehen, von fröhlich und traurig, tragisch und komisch oder auch Kummer und Erneuerung."

Madeleine Peyroux verbindet hier noch zwei weitere Welten: "Bare Bones" ist auch die Zusammenkunft höchst moderner, inhaltlicher Ansätze mit dem zuweilen fast nostalgisch anmutenden Sound längst versunkener Jazzzeitalter. Wobei sich beide manchmal auch auf halber Strecke treffen, etwa wenn, wie im Titelstück "Bare Bones", Komponist und Mitmusiker Walter Becker den typischen Sound seiner Formation Steely Dan reaktiviert.

Kein Song dieses herrlichen Albums hat mehr als fünf Takes im Studio gebraucht, viele sind mit nur einem ausgekommen. Fast so, wie dereinst bei den Großen des Jazz in Rudy van Gelders Studios. Wenn sie den hierbei erreichten Sound beschreiben soll, hält Madeleine Peyroux für Sekunden inne. "Der Sound und die Texte", sagt sie dann irgendwann, "sind beide sehr ehrlich. Wir erforschen mit diesem Album manchmal beinahe die Stille, die entspannte Atmosphäre, auch weil wir uns ganz bewußt von all den Maßstäben entfernen, die Popmusik sonst so bestimmen."

Exzellente Unterstützung erfuhrsie dabei durch die Keyboarder Larry Goldings und Jim Beard, Gitarrist Dean Parks, Violinistin Carla Kihlstedt, Bassist Larry Klein und Schlagzeuger Vinnie Colaiuta. Für den Background-Gesang konnte sie außerdem zwei prominente Kolleginnen gewinnen: Luciana Souza und Rebecca Pidgeon.

Mit "Bare Bones" ist Madeleine Peyroux endgültig zur Hoffnung für ein Genre geworden, das definitiv keine selbstverliebten Solisten mehr braucht. Gönnen wir ihr also das Schlußwort dieses Textes: "Ich war umgeben von wundervollen Sounds, ehrlichen Musikern, wirklich originärem Musikertum; Für mich klingt das Ergebnis jetzt ganz und gar nach Musik."

Im Mai wird Madeleine Peyroux für drei Konzerte nach Deutschland kommen: am 11. Mai tritt sie - mit Till Brönner als Gast - in der Kölner Philharmonie auf, am 12. Mai im Hamburger Grünspan und am 13. Mai im Postbahnhof in Berlin.

Mehr Informationen zu den genannten Künstlern finden Sie wie gewohnt auf unseren Künstlerseiten auf JazzEcho.de

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