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24.02.2015

Biografie

Als kleiner Junge von acht Jahren sah Mahan Esfahani in einem Buch das Bild eines wohlbeleibten Mannes mit Perücke und Gehrock, der ein ungewöhnliches Musikinstrument mit zwei Manualen spielte. Es war Liebe auf den ersten Blick. "Bach erschien so anders, so exotisch. Ich hatte noch nie ein Cembalo gehört. Mein Vater lachte und sagte, es sei ein totes Instrument. Aber mich hatte es gepackt."

Zwei Jahrzehnte später ist das Cembalo die Lebensaufgabe dieses iranisch-amerikanischen Jungen – der in Teheran zur Welt kam, in Washington DC aufwuchs und jetzt in London lebt. Als einer der weltweit führenden Cembalisten ist er heute allgemein anerkannt. Und mit seinen 30 Jahren ist er auch einer der jüngsten. Am 11. Mai 2015 erscheint Esfahanis erste Aufnahme für Deutsche Grammophon: Time Past and Time Present. Inspiriert durch die Gedichte von T. S. Eliot, zollt dieses Album dem Cembalo Tribut "als einem Instrument, das alle Epochen und Stilrichtungen umspannt". Das Programm enthält nicht nur Werke der Barockkomponisten des 17. und 18. Jahrhunderts (Scarlatti, Bach, Händel), sondern auch der Minimalisten des 20. Jahrhunderts (Górecki, Reich).

Es ist das Ergebnis einer Berufung, die an dem Tag begann, an dem Esfahani als kleiner Junge jenes Bild entdeckte. Tags darauf ging er in die örtliche Bibliothek, um sich Cembalo-Noten anzusehen. Dann hörte er sich eine Kassette an.

"Als ich sie hörte, dachte ich sofort: "Das bin ich, genau so kann ich mich ausdrücken – das ist es, was ich spielen möchte, und zwar auf diese Art.""

Er fing an, Kassetten, CDs und Schallplatten zu sammeln, und hörte sich alles an, was er finden konnte. Mit elf Jahren – er war bereits ein guter Klavier- und Orgelspieler – hörte er bei einer Aufführung von Händels Messiah erstmals ein Cembalo live. Er holte sich die Erlaubnis, aufs Podium zu gehen und das Instrument zu berühren. Diese Erfahrung fachte seine Leidenschaft weiter an.

"Ich wusste, das war genau, was ich wollte. Aber ich dachte, dass ich dazu nie die Möglichkeit haben würde."
Seine Eltern – ein Musiker und eine Malerin, die den Iran verlassen hatten, als Mahan vier Jahre alt war, und jetzt bei der US-Regierung angestellt waren – hatten andere Vorstellungen für ihren einzigen Sohn. Er begann ein Medizinstudium an der Stanford University, wechselte aber nach zwei Wochen zu Jura, bevor er erneut wechselte, diesmal zur Musikwissenschaft, und zwar vor allem, weil die Fakultät ein Cembalo besaß und dort der emeritierte Professor George Houle lehrte. Houle wurde sein Mentor und bestärkte ihn darin, eine Laufbahn als professioneller Cembalist einzuschlagen.

"Ich nahm Unterricht und verbrachte all meine Freizeit im Cembalo-Raum. Ich hatte einen Schlüssel und spielte die ganze Nacht hindurch. Zu Hause hörte ich mir alle Aufnahmen an, die ich finden konnte, spielte sie mit halber Geschwindigkeit, machte Anmerkungen in den Noten und sah mir auf YouTube Cembalisten an. Wenn Cembalisten nach San Francisco kamen, nahm ich Unterricht bei ihnen, und ich verbrachte meine Ferien mit Kursen. Ich war völlig besessen."

Nach seinem Examen im Jahr 2005 ging er nach Boston, wo er zweieinhalb Jahre lang täglich bei Peter Watchorn studierte, dem letzten Schüler der großen Wiener Cembalistin Isolde Ahlgrimm. Esfahani wollte unbedingt nach Europa und erhielt ein Stipendium, um bei Lorenzo Ghielmi Orgel zu studieren, zudem arbeitete er als Korrepetitor für Opernsänger in Florenz und Mailand. Bei einem Recital in der Toskana wurde er 2007 eingeladen, am Förderprogramm der BBC "New Generation Artists" teilzunehmen. Nachdem er zunächst nach Oxford und dann nach London gezogen war, gab er 2009 sein Solo-Debüt in der Wigmore Hall und 2011 ein historisches Cembalo-Solorecital bei den BBC Proms. Esfahani studiert weiterhin in Prag bei der berühmten Zuzana Růžičková. Sie war die erste Cembalistin, die er überhaupt hörte – als Kind auf einer Scarlatti-Kassette –, und ist bis heute sein größtes Vorbild.

"Eine absolute Legende. Sie hat mich gelehrt, was es heißt, ein Leben als Künstler zu führen, voller Hingabe und Engagement und echter Liebe zu dem, was man tut. Ich verdanke ihr wirklich alles."
Die Hingabe und das Engagement zeigen sich in seinem asketischen Lebensstil. Esfahani steht früh auf und geht spät ins Bett. Tabak, Alkohol und Kaffein sind für ihn inzwischen tabu. Er verbringt seine Tage zu Hause in Südlondon mit Üben, und er liest bis spät in die Nacht russische Literatur. Er ist fest überzeugt, dass wir klassische Musik für ihr Vermächtnis lieben und nicht versuchen sollten, sie modisch zu machen.

"Ich bin sehr stolz darauf, klassische Musik zu spielen, und ich entschuldige mich niemals dafür", erklärt er. "Aber ich finde, die Leute sollten nicht meinen, sie seien dumm, nur weil sie keinen Zugang finden. Ich werde Bach nicht "Kumpel" nennen und über seine 20 Kinder sprechen; es ist in Ordnung, ihn als alten Mann mit Perücke zu sehen. Die Menschen im 18. Jahrhundert waren anders, und man braucht nicht zu versuchen, sie modern erscheinen zu lassen. All dieses Zeug von cool sein und mit dem iPhone ein Foto der Zuhörer zu machen, weil’s so hip ist, und es auf Twitter stellen – das bringt alles überhaupt nichts für diese Musik. Viele Moden und Marotten und persönlichen Eigenschaften geraten mit der Zeit in den Hintergrund, aber was zeitlos ist, das bleibt – und Bach ist zeitlos. Mein Ziel ist letztlich, dass die Menschen hören, warum dieses Instrument so überwältigend ist und warum diese Musik so überwältigend ist.

Und für jene, die wie sein Vater meinen, das Cembalo sei ein "totes Instrument", hat Esfahani eine Antwort: Er schenkt ihnen Freikarten.

"Ich möchte, dass die Menschen ihre Vorurteile ablegen und, wenn sie aus einem Konzert kommen, sagen: "Weißt du was – das Cembalo ist wunderschön." Und das tun sie."
Tim Cooper
2/2015


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