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Marianne Hoppe BACKSTAGE EXCLUSIV

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08.04.2009

Die Grande Dame und Andersen

Marianne Hoppe, Die Grande Dame und Andersen

Kurz vor ihrem Tod im Jahr 2002 drehte der Regisseur Werner Schroeter eine Dokumentation, der er den programmatischen Titel gab: „Die Königin - Marianne Hoppe". Denn schließlich portraitierte er nicht irgendein Schauspielsternchen, sondern eine der prägendsten Gestalten des vorangegangenen Bühnenjahrhunderts. Marianne Hoppe war präsent im Kino wie im Fernsehen, vor allem aber auf der Theaterbühne. Und sie gestaltete auch über die Jahre hinweg zahlreiche beeindruckende Lesungen wie etwa ihr Ingeborg-Bachmann-Programm bald nach dem tragischen Tod der Autorin, das den Menschen in Erinnerung blieb. „Marianne Hoppe spricht" allerdings widmet sich anderen Autoren, Goethe, Andersen und Droste-Hülshoff, mit poetischen, lyrischen und frechen Texten, die zwischen 1955 und 1988 festgehalten wurden und nun anlässlich ihres Geburtstags, der sich am 26. April zum 100.Mal jährt, in einer neuen Auswahl zum Teil erstmals auf CD erhältlich sind.

 

Im Jahr 1935 holte Gustav Gründgens die junge Marianne Hoppe an das Staatsschauspiel in Berlin. Damals war sie gerade durch ihre Rolle in Hans Deppes Verfilmung des „Schimmelreiters" von Theodor Storm zum Star der UFA avanciert, eine Charismatikerin mit dezent preußischer Ausstrahlung, die auch den Theaterchef bald betörte. Im Jahr 1936 heirateten Gründgens und Marianne Hoppe, zehn Jahre hielt die Ehe, danach verband die beiden weiterhin eine intensive Freundschaft. Jedenfalls war es für die Newcomerin aus Rostock, die bei Max Reinhardt und Lucie Höflich ihre Kunst gelernt hatte, ein wichtiger und folgenreicher Schritt. Später sollte sie ihre Jahre als Teil der Kulturelite des „Dritten Reichs" die „schwarzen Seiten meines Poesiealbums nennen", Trotzdem schrieben ihre Darstellungen der Maria Stuart, Emilia Galotti und auch der Schillerschen Jungfrau von Orleans Theatergeschichte, so wie auch ihre Rollen in den Filmen „Auf Wiedersehen, Franziska!" (1941) und „Romanze in Moll" (1943) unter der Regie von Helmut Käutner sie zum ernsten Star der UFA-Jahre machten.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete sich die Filmwelt neu und Marianne Hoppe konzentrierte sich zunehmend auf die Arbeit am Theater. Zwar war sie weiterhin auch auf der Leinwand (und zunehmend dann in dem noch jungen Medium Fernsehen) präsent, zeigte aber vor allem in Berlin, Hamburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus, zu welchen darstellerischen Höhenflügen sie in der Lage war. Zu den hochgelobten Auftritten ihrer Jahre als freie Schauspielerin gehörten beispielsweise ihre Rollen in Thomas Bernhards „Die Jagdgesellschaft" (Berlin, 1974) und „Am Ziel" (Salzburg, 1981), aber auch die Madeleine in „Savanna Boy" (Berlin, 1985) von Marguerite Duras und die Marquise de Merteuil in Heiner Müllers „Quartett" (Berlin, 1994). Erst in den den letzten Jahren vor ihrem Tod 2002 im oberbayerischen Siegsdorf zog sie sich von der Bühne zurück.

 

In diesen Tagen also wäre Marianne Hoppe 100 Jahre alt geworden. Ein Edition mit Aufnahmen ihrer berühmten Rollen könnte ganze Regale füllen. Als Hommage an die famose Schauspielerin und faszinierende Darstellerin jedoch wurde ein amüsanter Querschnitt durch drei Lebensjahrzehnte ihres Schaffen zusammengestellt. Das Spektrum reicht von einer Rarität, dem erstmals überhaupt auf CD edierten Mitschnitt von Hans Christian Andersens Märchen „Prinzessin auf der Erbse" und „Schmetterling" aus dem Jahr 1955, über eine klassische Studioaufnahme aus dem Jahr 1988 von Goethes „Die neue Melusine" und ein Exzerpt aus dessen „Märchen" bis hin zu fünf Gedichten von Annette von Droste-Hülshoff (1966) und einer weiteren Rarität, dem Abdankungsmonolog aus Goethes „Egmont" als Bonustrack. Sie präsentieren eine immens wandlungsfähige Sprachkünstlerin, die von schnippischer Koketterie bis sinistrer Tragik alle Facetten des theatralischen Ausdrucks beherrschte und trotzdem immer als Marianne Hoppe, die große Diseuse mit der dezent preußischen Färbung zu erkennen blieb. Ein unterhaltsames Stück Kulturgeschichte mit Blick auf eine der markantesten deutschen Bühnenpersönlichkeiten des 20.Jahrhunderts.

 


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