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08.10.2013

Der Akkordeon-Weltmeister Martynas legt sein Debütalbum vor

Die Klassik hat Nachwuchs an einem ungewöhnlichen Instrument: Martynas begeistert mit der Vielseitigkeit seines Akkordeons derart, dass er sich in Großbritannien gleich an Spitze der UK-Classical Charts spielte. Nun hat er Deutschland im Visier.

Martynas, Das Akkordeon in neuem Licht © Decca / Simon Fowler

„Es gibt keine leichte oder ernste Musik, es gibt nur gute oder schlechte Musik.“ Dieses Zitat von Leonard Bernstein nahm sich der Akkordeonist Martynas zu Herzen und stellte auf seinem selbstbetitelten Decca-Debüt-Album Kompositionen aus allen Genres zusammen. Mit der Bearbeitung für Akkordeon gibt der junge Gewinner der Akkordeon-Weltmeisterschaft "Coupe Mondiale" seinen Lieblingswerken aus Klassik, Pop und Folk einen neuen Anstrich: Mal klingen Sätze aus klassischen Sinfonien wie Tango, mal Popsongs wie ungarische Volkstänze. Die schier unendliche Vielseitigkeit überraschte in Großbritannien, wo das Album bereits erschienen ist, sowohl Klassik- als auch Popfans derart, dass "Martynas" innerhalb der ersten Wochen zum Verkaufsschlager wurde. Produziert hat es John Haywood, der seit 2005 erfolgreich mit David Garrett zusammenarbeitet.

Das Album beginnt mit dem bekannten, mitreißenden "Ungarischen Tanz Nr. 5" von Johannes Brahms. Wie ein Präludium die Fingerfertigkeit des Pianisten bei einer Fuge beweist, so zeigt Martynas mit diesem Eröffnungsstück, was für Fähigkeiten in ihm und seinem Instrument stecken. Martynas versteht sich bestens auf dynamische Vielfalt und nimmt sich hier und da zurück, um dann mit voller Power tänzerisch und flott weiterzuspielen. Mit der Bearbeitung des Themas aus Giuseppe Verdis „La forza del destino“ zeigt der 23 Jahre junge Balte eindrucksvoll, dass das Akkordeon auch eine romantische, nachdenkliche Seite hat – und erstaunlich hoch und sanft spielen kann.

Doch seine eigentliche Stärke liegt in rassig-rhythmischen Werken wie "Habanera" aus Georges Bizets "Carmen". Hier zeigt sich das Tasteninstrument wieder in einem völlig anderen Tonus und mutiert zur leidenschaftlichen Spanierin. Auch der populäre Tango "Por una cabeza" von Carlos Gardel klingt, als sei er für Akkordeon komponiert worden, so natürlich fügen sich die "Quetschkommode" und die süßen Klänge des Stargeigers David Garrett in die Herzschmerz-Melodie ein. Richtig von den Socken holt Martynas’ Bearbeitung des Lady Gaga-Krachers "Telephone" und Katy Perrys "Hot N Cold". Aufs Minimalistischste reduziert, zeigen die Pophits an Martynas’ Akkordeon ihre eigentliche Schönheit, unbedingt hörenswert!

Mit "Hava Nagila" kehrt der Folk zurück aufs Album. "Lasst und glücklich sein!", so die direkte Übersetzung des hebräischen Volkslieds, und wirklich jedem zaubert dieses lebensfrohe, tänzerische Stück ein Lächeln ins Gesicht und ein Stampfen in den Fuß. In diese Stimmung passt freilich auch Vittorio Montis "Csárdás", bei dem Martynas das Akkordeon ungarisch tanzen lässt. Klassisch wird es wieder mit Bachs Suite Nr. 3 D-Dur, Mozarts "Rondo Alla Turca" aus der Klaviersonate Nr. 11 und Beethovens "Allegretto" aus der siebten Sinfonie. Ruhig und rund endet das Album mit dem "Winter" aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

Wer das Akkordeon bisher nur als Volksmusikinstrument kannte, wird sich mit "Martynas" völlig neu orientieren müssen, denn der Horizont wird um Meilen erweitert.


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