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07.10.2015

Große Künstlerpersönlichkeit – Meisterliches Filmportrait von Maurizio Pollini

Obgleich einer der größten Pianisten der Gegenwart, weiß man nur wenig über Maurizio Pollini. Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon ein Filmportrait des genialen Italieners. Bruno Monsaingeon führt Regie.

Maurizio Pollini, Große Künstlerpersönlichkeit – Meisterliches Filmportrait von Maurizio Pollini © idéale audience

Er ist ein Mann des Understatements, der sympathischen Zurückhaltung. So gewaltig seine Gaben am Klavier auch sind und so sehr er das Publikum mitzureißen vermag, so still, besonnen und überlegt ist der Mensch Maurizio Pollini.

Sprühender Geist: Maurizio Pollini

Dass hierin eine Genialität der anderen Art verborgen liegt, merkt jeder, der Pollini ein paar Minuten reden hört. Die bodenständige Natürlichkeit, die er an den Tag legt und die sich nie auch nur ein Minimum an Arroganz oder gar einen Fingerzeig auf seine künstlerische Größe erlaubt, hält einige Überraschungen bereit. Wenn Pollini über Musik spricht, dann ist es, als ob er mit seiner Diskretion die Spannung erhöht. Als ob er seine Zuhörer auf den Inhalt seiner Rede fokussiert, so wie er sie sonst auf sein Klavierspiel einstimmt.

Und dass Pollini nicht nur glänzend musiziert, sondern auch ein unterhaltsamer Gesprächspartner ist, wird spätestens mit dem jetzt auf DVD erschienenen Filmportrait "De Main de Maître" von Bruno Monsaingeon klar sein. Kürzere TV-Gespräche mit dem Maestro kannte man bereits. So konnte man sich schon vorab ein Bild von seiner sprühenden Rede und beeindruckenden Klugheit machen. Aber was Bruno Monsaingeon mit Maurizio Pollini anstellt, ist kongenial. Es ist ein Musterbeispiel dokumentarischer Musikfilmkunst.

Feine Antennen: Bruno Monsaingeon

Wer die brillanten Musikerportraits von Bruno Monsaingeon kennt, hätte allerdings auch nichts anderes erwartet. Der französische Geiger, Filmemacher und Schriftsteller ist spätestens seit seinen legendären Gesprächen mit Glenn Gould einem größeren Publikum bekannt. Was seine Filme auszeichnet, ist seine unvergleichliche Neugierde, seine immense Fachkenntnis und seine ehrliche Bewunderung für die Protagonisten, denen er sich doch nie andient.

Monsaingeon begegnet seinen Helden auf Augenhöhe. Zugleich dringt er tief in deren musikalische Persönlichkeit ein. Dabei ist er, ähnlich wie Pollini, die Ruhe in Person. Dennoch oder gerade deshalb kommt er seinen verehrten Künstlern so nahe. Monsaingeon weiß, was er tut. Er hat stets einen Plan und sucht sich die Künstler aus, mit denen er arbeiten möchte. Dass er schon bei der Auswahl ein besonderes Gespür haben muss, beweist jetzt einmal mehr sein Film über Maurizio Pollini.

"De Main de Maître": Ein Meisterportrait

"De Main de Maître" braucht den Vergleich mit seinen großen Vorläufern, für die Bruno Monsaingeon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, nicht zu scheuen. Der von Idéale Audience in Kooperation mit arte produzierte Film beleuchtet die Künstlerpersönlichkeit Pollinis aus vielen Perspektiven und liefert so ein umfassendes Bild des italienischen Pianisten. Im Zentrum des Films steht ein ausführliches Gespräch. Bruno Monsaingeon geht der musikalischen Entwicklung des Pianisten nach und inspiriert Maurizio Pollini zu auskunftsfreudigen Erzählungen.

Der Film bietet faszinierende Einblicke in Pollinis Biographie, seine musikalischen Erfahrungen, seine Begegnungen mit prägenden Zeitgenossen (Claudio Abbado, Pierre Boulez u.a.), sein Repertoire (Bach, Chopin, Schoenberg, Nono, Boulez u.a.) und seine politischen Haltungen. Dazwischen Archivmaterial, hochgespannte Arbeitssitzungen mit dem Pianisten und viele Musikausschnitte: Pollini, wie er Beethoven, Schumann, Chopin, Debussy, Prokofiev oder Schoenberg spielt. Kurz: Ein Film für alle, die einen großen Pianisten mit Herz und Verstand kennenlernen möchten.


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