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07.02.2002

Musik für den Sonntag

Maurizio Pollini, Musik für den Sonntag

Nun ist 60 noch kein Alter. Denkt man an legendäre Pianisten wie Arthur Rubinstein oder Vladimir Horowitz, dann fängt das künstlerische Leben erst richtig an. Dennoch ist es eine gute Gelegenheit, um ein Zwischenresümee zu ziehen. Am 5. Januar 2002 feierte Maurizio Pollini seinen 60. Geburtstag. Die Deutsche Grammophon ehrte ihn aus diesem Anlass mit einer 12 CD-Edition historischer Einspielungen und einer Neuaufnahme von Robert Schumanns "Davidsbündlertänzen". Und die Presse gratulierte mit.

Die Journale sind sich einig. Maurizio Pollini ist einer der wichtigsten Pianisten der Gegenwart, noch dazu einer, der sich erfreulich unspektakulär dem Publikum präsentiert. Unter der Überschrift "Einfach noch besser" resümiert beispielsweise der Giessener Anzeiger: "Häufig spielt dieser Mann, ohne dabei zu übertreiben oder sich eitel zur Schau zu stellen, noch schneller, lauter, akzentuierter und nuancenreicher als alle anderen. Und damit einfach noch besser als die meisten, die es gut und großartig machen!".

 

Die Jubiläumswerkschau der Pollini-Aufnahmen wird dabei wohlwollend mit Lob bedacht: "In den Beiheften verbreiten sich internationale Klavier-Fachleute und Kritiker über Pollinis Klavierspiel und gehen auf den Rang und die Besonderheit der jeweiligen Darstellungen ein. Das hebt die Edition aus dem Einerlei heraus und macht sie wertvoller als einen bloße Wiederverwertung von bereits vorhandenem Klangmaterial".

 

Den Aachener Nachrichten ist die CD-Box ein klares Drei-Sterne-Urteil "hervorragend" wert. Zur Begründung kann man lesen: "Die dreizehn CDs umfassende Ausgabe bietet die Glanzlichter einer einzigartigen Pianistenkarriere. Maurizio Pollini - so hört man der Edition deutlich an - gehört zu den Feinsinnigen unter den Künstlern seines Metiers. Sein Ansatz erinnert an die Arbeitsweise eines Juweliers: Im Spiel dreht und wendet er das Werk, hält es wie einen edlen Stein ins Licht, um alle seine Facetten richtig erfassen zu können".

 

Der Westfälische Anzeiger schwärmt darüber hinaus: "Je weiter sich der italienische Pianist Maurizio Pollini in sich zurückzieht, um so größer wirkt seine Kunst. Verblüfft Pollini in seinen frühen Interpretationen mit röntgenhafter Transparenz, leuchtet sein Spiel heute menschlicher und reifer".

 

Der Südkurier ergänzt die Elogen um die Erfahrungen mit dem Künstler auf der Bühne: "Wer Pollino schon live gehört hat, weiß auch von der knisternden Konzentration seiner Auftritte, die schon fast etwas Zwanghaftes haben: Sie müssen passieren, schnell, ohne Eitelkeiten, aber mit einer ungeheuren musikalischen Sensation. [...] Es gehört zu den Stärken der Edition, dass sie die wichtigste Eigenheit des Künstlers nicht verschweigt: seine Liebe zur zeitgenössischen Musik, die er, auch hier war er stets ein einsamer Meteroit am Pianistenhimmel, immer gleichrangig neben das Repertoire des 19. Jahrhunderts gestellt und unaufdringlich missioniert hat". So kann man mit dem Musikmarkt räsonieren: "In Abwandlung eines Urteils von Joachim Kaiser aus dem Jahre 1979 gilt für die bereits vorliegenden wie für die noch vor uns liegenden Aufnahmen: 'Auf Pollinis Einspielungen freut man sich. Es sind die Sonntage unseres musikalischen Lebens'".


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