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26.02.2015

Pop-Klassik – Max Richters Meister-Album "The Blue Notebooks"

Er hat die Klassik- und Pop-Welt zusammengeführt wie kein Zweiter. Jetzt legt Deutsche Grammophon Max Richters gefeiertes Solo-Album "The Blue Notebooks" (2004) neu auf.

Max Richter, Pop-Klassik – Max Richters Meister-Album The Blue Notebooks © Yulia Mahr / DG

Klassik und Pop galten lange Zeit als streng getrennte Sphären. Wer sich mit dem einen identifizierte, grenzte sich von dem anderen ab. Diese Zeiten sind vorbei. Pauschalurteile wie die von der verstaubten Klassik oder der oberflächlichen Pop-Musik hört man kaum noch. Die Grenzen sind durchlässig geworden. Das heißt aber nicht, dass sie leicht zu überwinden sind.

Musikalischer Seiltänzer

Bislang ist es nur wenigen Komponisten vorbehalten gewesen, die beiden Kunst-Welten sinnvoll miteinander zu verknüpfen, und verschwindend gering ist der Anteil derjenigen, die dabei etwas wirklich Neues zu Tage förderten. Unter diesen äußerst seltenen Exemplaren ist Max Richter der König. Der in Hameln geborene, in England aufgewachsene Avantgardist weiß die beiden Fäden so geschickt miteinander zu verweben, dass sich daraus ganz neue und überaus natürliche Klangmuster entwickeln. Richter ist kein Revolutionär. Er liebt die Harmonien Vivaldis und ist weit davon entfernt, sich von überlieferten Schönklängen abzuschneiden. Seine einzigartige Fähigkeit besteht darin, aus einfachen Melodien und elektronischen Klangressourcen Ton-Gebilde zu formen, die von berückender Schönheit und enormem Tiefgang sind.   

Wegweisendes Album

Dabei hat er die Kraft, den Hörer wechselweise in Staunen, Trance oder tiefe Ergriffenheit zu versetzen, und "The Blue Notebooks" ist das Album, auf dem er diese Fähigkeit erstmals in vollendeter Gestalt demonstriert hat. Sphärenartige Exponate wie Shadow Journal oder das an Michael Nyman erinnernde, winterlich-romantische Klavierstück Written On The Sky sind Wunderwerke der modernen Kompositionskunst. Sie schweben wie zarte Wolken durch einen melancholischen Kosmos, der von der feinen Erlebnis- und Wahrnehmungssensibilität des Künstlers zeugt. Ob er dabei Orgel-Klänge, kammermusikalische Elemente, Elektrobeats oder die von Tilda Swinton zart und innig eingesprochenen Kafka-Passagen einsetzt – Richter führt stets vor, dass seine Klangsphären einen Zusammenhang bilden, dass sie miteinander korrespondieren, und das verleiht "The Blue Notebooks" eine klassische Geschlossenheit.

Reizvolle Boni   

Durch die Neu-Edition ist das Werk jetzt, ergänzt um zwei attraktive Boni, wieder greifbar. Mit der neu aufgenommenen Version von On The Nature Of Daylight (2014) befindet sich ein musikalischer Zwilling auf dem Album, der durch sein feierliches Pathos überzeugt. Die Neu-Fassung für Streichorchester ist ein grandioser Bonus-Track, der ein passendes Gegenstück zu dem kammermusikalischen Original von 2004 bildet. On The Nature Of Daylight kann als das elegische Zentrum des Albums betrachtet werden, und dass wir es jetzt in zwei Versionen vorliegen haben, verleiht der Neuausgabe einen zusätzlichen Reiz. Dieser wird noch verstärkt durch einen kauftechnischen Vorteil: "The Blue Notebooks" erscheint parallel auf CD und in streng limitierter Form auch als LP (klassisch gepresst auf 180g-Vinyl), und damit keine Wünsche offen bleiben, erhält jeder Käufer der CD bzw. Platte einen Gutschein, mit dem er sich das komplette Album als MP 3 runterladen kann.


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