Backstage
Max Richter BACKSTAGE EXCLUSIV

Aktuelles Album

Facebook

News

03.09.2015

Schlummern, träumen, schlafen, schweben: das neue bahnbrechende Oeuvre SLEEP von Max Richter

Ein erholsamer Schlaf ist gut für Körper und Seele. Um ihn zu bekommen greifen wir zu allerlei Mitteln. Mit dem Projekt SLEEP begegnet Komponist Max Richter dem Phänomen auf seine ganz eigene musikalische Art und Weise.

Max Richter, Schlummern, träumen, schlafen, schweben: das neue bahnbrechende Oeuvre SLEEP von Max Richter © Mike Terry

Alle wollen ihn: den guten Schlaf. Er macht das Gehirn fit, gibt uns eine schlankere Figur und ist die beste Medizin. Doch um ihn steht es schlecht in unserer hyperaktiven Welt. Fast die Hälfte der Deutschen klagt über Schlafstörungen. Mehr als eine Million ist nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen abhängig von Schlafmitteln. Einen klanglichen Weg ins Reich der Regeneration hat nun der britische Komponist Max Richter eingeschlagen. Mit seinem neuen Werk SLEEP schrieb er ein achtstündiges Wiegenlied, das er mit Klavier, Streichquintett, Elektronik und Gesangsstimme im Studio aufgenommen hat.

SLEEP ist das Manifest einer langsameren Gangart des Lebens,

...erklärte der Post-Minimalist. Am 3. September kann das Werk beim OneWorldSleep-Event im Netz zum ersten Mal und weltweit von jedem Menschen mit einem Internetanschluss gehört werden. Ab dem 4. September ist SLEEP in seiner Gesamtlänge als digitales Album erhältlich. Zusätzlich erscheint eine einstündige Version mit dem Titel "from SLEEP" auf CD und Vinyl, als Download und Stream. Diese Kurzfassung ist laut Richter sehr wohl dazu gedacht, auch im wachen Zustand gehört zu werden.

SLEEP lädt zu einer ganz neuen Art des Musikhörens ein

Traditionellerweise soll (gerade klassische) Musik den Hörer ja mitreißen, fesseln, erbauen, faszinieren und entspannen – aber doch nicht einschläfern! Genau das möchte Richter. Sein aus über 30 verschiedenen Variationen zusammengesetztes Werk ist ein Klangbett, in das die gestressten, rastlosen Seelen unserer Zeit bedenkenlos hineinsinken können. Die vielen Hallräume der Aufnahme erinnern bereits daran, wie Musik in unserem Ohr klingt, wenn wir gerade im Begriff sind, dazu einzuschlafen. Ewig gehaltene Streichertöne lullen den Hörer ein. In Watte gepackte Piano-Arpeggios streuen ihm Sand in die Augen. Ornamentaler Gesang hypnotisiert. Phlegmatisches Vibrato führt durch REM-Phasen. In Zeitlupe absteigende diatonische Skalen tragen uns sanft ins Reich der Theta-Wellen. Hier wird Richter zum Erben Arvo Pärts. Um herauszufinden, "wie das Gehirn Lebensraum für die Musik sein kann, wenn unser Bewusstsein Urlaub hat", befragte Richter den amerikanischen Neurowissenschaftler David Eagleman.

Schlaflos in New York

SLEEP spielte er in den New Yorker Avatar-Studios ein, gemeinsam mit dem American Contemporary Music Ensemble (ACME). "Diese Musik ist physisch unglaublich anspruchsvoll zu spielen, vor allem für Streicher", beschreibt er. "Alles besteht aus langen, getragenen Noten, es gibt keinen Platz, sich irgendwo zu verstecken, es muss perfekt sein." Es sei schon komisch, kommentierte der ACME-Violinist Brian Snow: "Auch wenn diese Musik zum Schlafen gedacht ist, musste man sehr, sehr wach sein, um sie spielen zu können."

Max Richter wird seinem Ruf des nimmermüden, experimentierfreudigen Pioniers mit der Ankündigung gerecht, die Langfassung von SLEEP auf die Bühne zu bringen, wo man acht Stunden lang ein gut gebettetes, möglichst durchschlafendes Publikum bespielen wird. Weitere Details folgen in Kürze.

Ist SLEEP das Geheimnis seines Erfolgs?

Es steht zu vermuten, dass Max Richter selbst gut schläft. Wie sonst wäre er heute einer der wichtigsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten, sein Output ist immens. Gleichermaßen beeinflusst von Post-Rock, klassischer Musik und der elektronischen Avantgarde, hat der 49-jährige Pianist und Produzent fünf Soloalben veröffentlicht, neben einer neuen Fassung von Vivaldis Vier Jahreszeiten, die 2012 zum Bestseller wurde. Die Werke des Schülers von Luciano Berio zeichnen sich durch ihre "überwältigende emotionale Kraft" (Time Out), "erstaunliche Tiefe und Schönheit" (New Statesman), ihre "träumerische Transzendenz" (The Guardian) aus. Mit seinem womöglich wichtigsten Stilmerkmal – der Einfachheit – schafft der Brückenbauer zwischen zeitgenössischer Klassik und Leftfield-Pop (Woodkid) nun einen klanglichen Zufluchtsort, führt uns hier zurück in den Zustand, in dem wir eigentlich gern ein Drittel unseres Lebens verbringen möchten. Dankeschön.

Max Richter - "Path 5 (delta)"


KOMMENTARE

Kommentar speichern