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21.03.2016

8 Stunden Musik für die Nacht - Max Richters "Sleep" live im Berliner Kraftwerk

Vergangene Woche war Max Richters außergewöhnliches Projekt "Sleep" an 3 Nächten in Folge im Berliner Kraftwerk live zu erleben. Unser KlassikAkzente-Autor war live dabei und berichtet von seinen Erfahrungen.

Max Richter, 8 Stunden Musik für die Nacht - Max Richters Sleep live im Berliner Kraftwerk © Stefan Hoederath

Die Vollfassung von Max Richters Sleep (es gibt auch ein Destillat, From Sleep, in normaler Albumlänge) dauert acht Stunden. So lang wie ein guter Nachtschlaf dauern sollte. Als "Orchestrierung", als meditativer Begleiter zum Schlaf ist die Musik auch gedacht: Endlos sanft und breit dahinrollende, sphärische Klanggebilde, ostinat-minimalistisch in der Tonsprache. Ein Stück dauert bis zu 34 Minuten. Gegeben hat es sowas noch nicht. Der britische Komponist Max Richter nennt Sleep "ein experimentelles Projekt, um zu forschen, wie Musik und Bewusstsein zusammenpassen".

Ich habe ein paar Bekannte, die das Album tatsächlich zum Schlafen nutzen. Darunter Personen, die nicht im Verdacht stehen, meditative Ruhe zu ihren Kernkompetenzen zu zählen. Und unisono heißt es da: Interessanterweise funktioniert es zumeist.

Während dreier Nächte letzte Woche im Berliner Heizkraftwerk Mitte, ausverkauft binnen kürzester Zeit, konnte man sich davon nun live ein Bild machen. Das Kraftwerk ist eine gigantische Industriehalle. Blanker Beton allenthalben, auf 8 Ebenen. Man kann sich das vorstellen wie die Räumlichkeiten des legendären Berliner Clubs Berghain, nur ca. 8x so groß. Etwa 400 Feldbetten bedeckten dicht an dicht gestellt das obere Stockwerk der Halle, bei in Azur- und Goldtönen gehaltenem Dämmerlicht. Kissen und Schlafsäcke waren vom Publikum selbst mitzubringen.

Um Mitternacht begann nach einer kurzen Einführung das Werk für Klavier, Streicher, Elektronik und Gesangsstimme. Angeführt vom Komponisten musizierte in wechselnder Besetzung ein bis zu siebenköpfiges Ensemble, dem eine nur den Musikern zugewandte Stoppuhr jeweils anzeigte, wie weit sie in den Minimalvariationen eines Stückes jeweils fortgeschritten waren.

Von Beginn an entsteht eine magische Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Nach einer halben Stunde dösen 2/3 des Publikums auf ihren Feldbetten, nicht wenige schlafen bereits tief und fest. Kaum jemand läuft noch herum, weniger und weniger Mobiltelefone leuchten in der Dunkelheit. Ein überwältigendes Gefühl der Ruhe breitet sich aus, auch die Wenigen, die sich stehend oder sitzend vor der Bühne versammelt haben, werden unweigerlich davon erfasst. Ich selbst, der ich praktisch nie vor drei Uhr schlafe, empfinde nach nicht mal einer Stunde den soghaften Drang, zu Bett zu gehen. Kein Zweifel also: Max Richter ist mit Sleep dem Wesen des Schlafes ganz nahe gekommen.

Hier sehen Sie Fotos vom SLEEP Event mit Max Richter im Berliner Krafwerk!


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