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20.10.2016

Gefällt mir: Max Richter hat die Musik einer Episode der britischen Serie "Black Mirror" komponiert

Ab dem 21. Oktober 2016 hält die britische Erfolgsserie "Black Mirror" ihren Zuschauern auf Netflix erneut den Spiegel vor. Komponist Max Richter steuert für die Episode "Nosedive" die passende Musik bei.

Max Richter, Gefällt mir: Max Richter hat die Musik einer Episode der britischen Serie Black Mirror komponiert © Rhys Frampton

Wer mag in der dunklen Jahreszeit nicht auch etwas zukunftspessimistischen Science-Fiction à la George Orwell, Blade Runner und The Twilight Zone? "Black Mirror" geht Ende Oktober in seine dritte Staffel. Mal erschreckend, mal komisch parodiert die mit dem US-amerikanischen TV-Preis Emmy prämierte Serie die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von der Technologie. Nachdem sie vom TV-Sender Channel 4 zum Online-Verleih Netflix wechselte, wächst weltweit die Fangemeinde der britischen TV-Produktion. Die Musik der dritten Episode  "Nosedive" (Sturzflug) stammt vom britischen Komponisten Max Richter.

"Nosedive" - Eine Satire auf die "Gefällt mir"-Kultur in den sozialen Netzwerken

In einem blitzblanken Vorort wird eine App, mit der man einfach alles bewerten kann, so unverzichtbar, dass schließlich jede Geste und jedes Augenzwinkern mit Sternen versehen wird und die Charaktere sich damit gegenseitig radikal auschecken. Co-Autoren des absurden Drehbuchs sind Rashida Jones und Michael Schur, die Autoren der preisgekrönten Sitcom "Parks and Recreation". Die Regie führte Joe Wright ("Wer ist Hanna?", "Anna Karenina), der Hauptdarsteller ist Bryce Dallas ("Jurassic World").

In seinen traumwandlerischen, verhaltenen, abwärtsspiraligen Streichern, den ritardierenden Piano-Arpeggios unter melodischem Lichteinfall erkennt man in der Musik sofort die Handschrift Max Richters. Stellenweise knüpft der 50-jährige Londoner Pianist und Produzent hier nahtlos an sein letztes Langwerk "Sleep" an, fährt die dramatischeren Passagen mit forschen elektronischen Beats hoch. Die bizarre Handlung der Episode lässt er noch surrealer wirken, indes braucht man nicht zu betonen, dass sein Score auch unabhängig vom Film "funktioniert", als eigenständiges Opus des womöglich wichtigsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten.

Wie die oben erwähnten Kollaborateure der Folge ist Richter allererste Wahl in seinem Fach. Er hat der gefeierten US-TV-Serie "The Leftovers" einen barocken Score geschrieben. Davor steuerte der Echo-Klassik-Preisträger die Musik zum Oscar-prämierten Doku-Trickfilm "Waltz With Bashir" bei und zu Martin Scorseses "Shutter Island" (mit Leonardo DiCaprio), neben dem Historien-Drama "Lore" (2012). Über 50 Filme hat der Brückenbauer zwischen zeitgenössischer Klassik und Leftfield-Pop musikalisch untermalt und wurde dafür unter anderem mit dem European Film Award, dem Preis der deutschen Filmkritik und dem Bayerischen Filmpreis geehrt.  

"Black Mirror" versetzt den Zuschauer – nur einen Hauch entfernt vom Alltag – in eine andere Realität

Keine konstruierte Chronologie; alles andere als Massenware: seit 2011 liefen erst sieben Teile von "Black Mirror". Wie zuvor, erzählen auch die sechs neuen Folgen jedes Mal eine andere Story mit neuen Charakteren, Schauspielern und Soundtrack-Komponisten. Neben Richter ist auch Geoff Barrow von Portishead mit von der Partie.

Richters ruhige, einfache und eingängige Musik wirkt in heutigen rasanten, reizüberfluteten Zeiten wie Balsam auf der Seele. Nachdem er mit "Sleep" dem geplagten, schlaflosen Großstadtmenschen ein wunderschön wirksames Hausmittel verabreichte, ist "Nosedive" ein weiteres humanitäres Richter-Statement der Unaufgeregtheit, der Besinnung auf sich selbst und kann getrost auf plakatives Daumen rauf und Sternchen verzichten. 

Max Richters Soundtrack von "Black Mirror: Nosedive" erscheint zeitgleich mit dem Start der neuen "Black-Mirror"-Staffel digital am 21. Oktober 2016.


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