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Wagner

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30.06.2010

Der Gruß der Muse

Franz Welser-Möst widmet sich Wagners Vorspielen und Ouvertüren. Und Measha Brueggergosman ergänzt das Programm um wunderbare "Wesendonck-Lieder"

Measha Brueggergosman, Der Gruß der Muse Measha Brueggergosman © Cylla von Tiedemann

Unerfüllte Liebe inspiriert. Mathilde Wesendonck, der Gattin von Wagners Mentor Otto Wesendonck, wurde in den 1850er Jahren für den Komponisten zu einer Art Grundmotivation der Schaffenskraft auf der einen und zu einer reflektierenden Kritikerin auf der anderen Seite. Diese asymmetrische Gefühlssituation ließ Wagner auch immer wieder zu unkonventionellen Mitteln greifen, das Thema Liebe bis an die Grenzen auf der Bühne zu erforschen. So begann er 1857 in einer Schaffenspause der "Ring"-Ära einen mittelalterlichen Versroman Gottfried von Straßburg aus den Jahren um 1210 in eine Oper zu fassen. Es entstand "Tristan und Isolde", Wagners bis dahin gewagteste Arbeit, die der Musik als handlungstragendem Element eine zentrale Rolle einräumte. Außerdem vertonte er fünf Gedichte seiner Muse, von denen er zwei ausdrücklich als "Studien zu Tristan und Isolde" bezeichnete. Hintergrund allerdings eher ein profaner. Nachdem Wagner seine Beziehung zu Mathilde Wesendock nicht ausleben konnte, weil auf der einen Seite deren Ehemann Otto, auf der anderen seine eigene Gattin Minna der Liaison im Wege stand, sublimierte er seine Sehnsüchte im Musikalischen.

Die "Fünf Gedichte für Frauenstimme und Klavier", die von 1857 bis 1858 entstanden, verkörpern daher zum einen Wagners fortschreitende Kompetenz der musikdramatischen Gestaltung, sind darüber hinaus aber von ungewöhnlich direkter Emotionalität, die im eigenen Liebeskonflikt gründet. Für den österreichischen Dirigenten Franz Welser-Möst ist die Kombination dieser Miniaturdramen mit einer Auswahl mehrerer Ouvertüren und Vorspiele zu einzelnen Akten oder ganzen Opern eine idealtypische Kombination. Denn zum einen entwickelt der Komponist in diesen Teilen in der Regel bereits die musikalische Formen- und Motivsprache, die dann die folgenden Werke bestimmt. Darüber hinaus haben sie strukturelle Gemeinsamkeiten mit den "Wesendonck-Liedern", die ihrerseits schon in der Grundcharakteristik Gewühlswucht nur in dezent abstrahierter Form entwickeln durften, weil sonst der Eklat unvermeidlich geworden wäre.

Schließlich aber bieten sie darüber hinaus die Möglichkeit, einem philharmonischen Publikum den Charme der Wagnerschen Klangvielfalt nahe zu bringen. Die Aufführungen des Programms mit dem Cleveland Orchestra jedenfalls wurden gefeiert und da lag auch an der famosen kanadischen Sopranistin Measha Brueggergosman, die die passende Mischung aus Pathos und Persönlichkeit fand, um aus den "Wesendonck-Liedern" (in der Orchesterfassung von Felix Mottl) ein nachhaltiges und nachdrückliches Musikerlebnis zu machen. Es sei die Mischung Mixtur eine "perfekt luxuriösen Einfachheit", die aus diesen fünf Vokalimpressionen große Gesangskunst machen, meint die Künstlerin. Es ist aber die Nonchalance der Interpretation, die die Schwüle zugunsten der Unmittelbarkeit hintan stellt. So ist dieses Programm ein raffiniertes Manifest der klingenden Überzeugungskraft, die manch einen zu Wagner bekehren könnte, der bislang gegenüber den monumentalen Opern Vorbehalte hatte.


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