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Love & Hate

(Standard)

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06.12.2011

Michael Kiwanuka Ausführliche Biografie

"Sofort packt einen diese Stimme, dieses fein angeschliffene, nach Sehnsucht klingende Instrument, das über dem luftigen Funk-Beat an Bill Withers erinnert. Und wenn dann noch die Afrobeat-Bläser und die Streicher à la ‘What’s Going On?’ einsetzen, ist man ein für alle Mal süchtig und will mehr davon hören." – übersetzt aus der L.A. Times

Von seinen beiden größten Helden Bob Dylan und Otis Redding mag er noch recht weit entfernt sein; Mann der Stunde ist Michael Kiwanuka dennoch schon längst: In der internationalen Presse wird der junge Londoner als "uniquely brilliant" (Sunday Times) und "genuine star" (Mojo) bezeichnet, "one of the most powerful soulful voices to emerge in years" schrieb Dazed & Confused, und auch in den USA gab es gefeierte Gigs und eine Liebeserklärung von der L.A. Times.

Nach ausverkauften Solo-Shows in UK und grandiosen Deutschland-Auftritten im Vorprogramm von Adele und Laura Marling wird der 23-Jährige inzwischen auch hierzulande als absoluter Geheimtipp gehandelt. Während seine kommende EP "Home Again" die kalte Jahreszeit erträglicher machen wird, erscheint das Debütalbum von Michael Kiwanuka Ende März. Ein erster Kandidat für Album des Jahres 2012 steht damit fest.

Wie die L.A. Times schon schreibt, ist es in der Tat diese Stimme, die einen sofort packt: sie ist das Kernstück seiner Songs, hat einen unbeschreiblich vollen, zeitlosen, warmen und doch dringlichen Klang, mit dem er einen sofort in seinen Bann zieht. Der 23-Jährige beschreibt diese einzigartige Stimme selbst als das Instrument, mit dem er "direkt zum Kern der Dinge vordringen kann" – und dabei offensichtlich auch seine Mitmenschen bewegt.
Die schnörkellosen, zutiefst gefühlvollen Songs, die von dieser Stimme getragen werden, basieren auf Soul- und Folk-Wurzeln, die fünfzig Jahre zurück in die Vergangenheit reichen; sie handeln dabei von der Liebe, einem tiefen, heute selten anzutreffenden Zugehörigkeitsgefühl und ganz unterschiedlichen Sehnsüchten. Und diese Stimme war es auch, die ihm über das Netz und dank erster Gigs in London binnen kürzester Zeit immer mehr Fans beschert hat. Ein Glück, muss man sagen, denn ursprünglich hatte der junge Mr. Kiwanuka vielmehr eine Karriere als Session-Gitarrist angepeilt. Gelegenheitssongschreiber vielleicht, aber Sänger? War nicht wirklich geplant.

Der in North London aufgewachsene Michael wusste überhaupt lange Zeit nicht so recht, wo sein Platz eigentlich sein sollte. Als ausgemachter Fußball-Fan, dessen Herz schon immer für Tottenham Hotspur geschlagen hat, konnte er sich einfach nicht vorstellen, dass ein Nachname wie Kiwanuka auf ein derartiges Trikot passen sollte. Doch auch als seine Eltern mit ihm und seinem Bruder zum Rest der Familie nach Uganda reisten, fielen sie dort sofort auf und wurden schon von weitem als britische Touristen erkannt. Zwar stand Michael, genau wie seine Mitschüler, auf Bands wie Nirvana, Radiohead, The Offspring oder Blur, doch musste er erst Jimi Hendrix für sich entdecken, um zu verstehen, dass so eine Gitarre auch an ihm eine gute Figur machen konnte.

Wenig später kamen dann zwei weitere Helden dazu, die ihm dabei helfen sollten, die eigene Stimme zu finden: Ein Freund schenkte ihm ein Bob-Dylan-Boxset, und dieser geballte Songwriter-Wahnsinn, die Art und Weise, wie Dylan ernste Anliegen auf akustischen Gitarrenteppichen transportierte, sollte dem Teenager mehr als alles andere die Augen öffnen.
Und dann hörte er irgendwann die CD-Beilage einer Musikzeitschrift durch, und Otis Redding, dessen "Sitting On The Dock Of The Bay" hier als Session-Version zu hören war, klang im Gespräch mit seinem Toningenieur dermaßen menschlich und sympathisch, dass von da an Dylan und Redding – auch wenn später noch weitere Einflüsse wie Bill Withers, Terry Callier, John Martyn oder Laura Marling folgen sollten – als Ausgangspunkt und Fundament für die Art von Folk- und Soul-Sound dienen sollten, den Michael heute macht.

Nachdem er in Schülerrockbands erste Erfahrungen gesammelt hatte, ging er mit 16 nach Hackney, um sich dort auf die Suche nach Mitstreitern zu machen. Michael lernte dort Labrinth im Studio kennen, der sonst mit Tiny Tempah Musik machte, und spielte zeitgenössischen R&B-, Soul- und Jazz-Funk-Sound bei irgendwelchen Jam-Sessions; obendrein spielte er auch für Leute wie den Rapper Chipmunk die eine oder andere Gitarrenspur ein. "Das hat alles voll Spaß gemacht, aber auch da hatte ich das Gefühl, dass ich nicht so recht reinpasse. Da konnte ich meine rockigere Seite nicht mehr ausleben, den Teil, der mit Dylan oder Nirvana aufgewachsen war."

Also fing er damit an, zu Hause für sich allein an neuen Songideen zu arbeiten. Als reines Hobby-Projekt waren diese Stücke eigentlich nicht für andere Ohren gedacht, zumindest lautete so der anfängliche Plan. "Ich bekam einfach keine Auftritte mit dem Sound, auf den ich wirklich stand, also musste ich das für mich alleine machen. Es ging mir dabei einfach darum, etwas zu machen, damit ich nicht die Lust an der Sache verliere, etwas, bei dem man so ein warmes Gefühl im Bauch bekommt. Und das klang nun mal ganz anders als das, was man damals so in den Charts hören konnte."

Wenig später nahm er doch ein paar Demoversionen auf und wollte diese Songs erst mal anderen Sängern anbieten. Doch es kam anders: die Leute verliebten sich sofort in seine Stimme, buchten ein Clubkonzert nach dem anderen, und so fand er dann doch noch seinen Platz in der Welt: "Ich liebe es, live vor Publikum zu singen. Diese besondere Verbindung zum Publikum zu spüren, diese Stimmung, die in der Luft liegt, wenn es mal kurz still wird zwischendurch. Das passiert natürlich nicht immer, aber wenn es vorkommt, ist es umso magischer."

Magisch sind auch die Studioaufnahmen, die er schon auf den ersten beiden EPs "Tell Me A Tale – The Isle of Wight Sessions" und der passend betitelten "I’m Getting Ready"-EP vorgelegt hat, übrigens beide aufgenommen mit dem kongenialen Paul Butler (The Bees).

Während der einzigartige Vibe, der diese Musik ausmacht, auch wunderschön in den Videos zu "Tell Me A Tale" (das er mit viel Super-8-Material in Berlin gedreht hat, unter anderem im Mauerpark und im Plänterwald) und der grandiosen Single "Home Again" rüberkommt, hat das kommende Frühjahr schon jetzt ein erstes Highlight, wenn Michael sein Debütalbum veröffentlicht. "Es ist gar nicht so einfach, eine gute Melodie zu finden", so sein abschließender Kommentar, "und ob das Ergebnis nun in Blues oder Folk oder Soul getränkt ist, tut gar nicht so viel zur Sache, so lange die Melodie einen umhaut." Und das tut sie. Immer wieder.


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