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29.03.2012

Tom Schilling liest "Als ich meine Eltern verließ"

Michel Rostain, Tom Schilling liest Als ich meine Eltern verließ

Der Tod ist ein Teil des Lebens – dies zu akzeptieren fällt immer dann am schwersten, wenn man direkt betroffen ist. Der allgemein schlimmste anzunehmende Fall ist der Verlust des eigenen Kindes. Was das bedeutet, muss der in Frankreich als Opernregisseur gefeierte Michel Rostain erfahren, als sein Sohn Lion im Alter von 21 Jahren unerwartet an einer Hirnhautentzündung stirbt.

Um den Tod seines Sohnes zu verarbeiten, schreibt er einen Roman. "Als ich meine Eltern verließ" wird ein Bestseller in Frankreich und prompt mit dem renommierten Prix Gancourt 2011 für das beste Debüt ausgezeichnet. Nicht ohne Grund.

Michel Rostain lässt seinen verstorbenen Sohn Lion im Roman die Fragen stellen, die die Hinterbliebenen beschäftigen und legt so die eigene Trauerarbeit offen:

"Wann werden Mama und Papa aufhören, überall ehrfurchtsvoll nach Spuren von mir zu suchen, und seien sie noch so klein? Wie lang werden sie sich nahezu unermüdlich ausgerechnet in das vertiefen, was sie zum Weinen bringt? Werde ich irgendwann nicht mehr jeden einzelnen Moment ihres Lebens ausnahmslos beherrschen?"

Lion begleitet aus der Ich-Perspektive das Leben der Eltern nach seinem Tod. In seiner Sicht auf die Dinge – das Weinen der Eltern, die quälende Frage nach dem Warum, den Versuch des Vaters, das Erbe seines Sohnes zu ordnen und aufzuräumen – offenbart sich auch der kritische Blick des Trauernden auf sich selbst. Wie ein Gewissen wendet sich die Stimme des Sohnes immer wieder direkt an den Vater: "Das ist Grenzüberschreitung, Papa. Was glaubst du im Leben deines Toten zu finden?"

"Ein ergreifend schönes Buch ohne jedes Pathos", sagt Elke Heidenreich über den Roman. "Als ich meine Eltern verließ" ist vieles zugleich: Ehrlich, authentisch, trauernd, sarkastisch, schlicht und anrührend. Eine Geschichte, die einen in ihren Bann zieht und so schnell nicht wieder loslässt. Tom Schilling verleiht Lion eine nüchterne, den Eltern zugewandte Stimme und transportiert damit den Tenor des Romans auf feinfühlige Art. Ein Hörbuch, das zu erörtern sucht, wie man mit dem Tod leben kann.


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