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01.08.2001

Mischa und Martha live

Mischa Maisky, Mischa und Martha live

Während bei uns die neue japanische Literatur die Charts stürmt, begeistern sich die Japaner für europäische Musik. Auf jeden Fall dann, wenn Mischa Maisky und Martha Argerich spielen.

In Europa gelten Japaner gemeinhin als zurückhaltend, höflich, ruhig. Ganz anders, wenn sie klassische Musik erleben. In seiner Begeisterung für die Musik der europäischen Kultur, insbesondere für die Musik der Klassik und Romantik, lässt sich das ostasiatische Inselvolk allerdings nicht bremsen. Das Kunstlied etwa hat nirgends so viel glühende Verehrer wie gerade in Japan. Da erstaunt es nicht, dass Piano-Diva Martha Argerich und Cello-Gott Mischa Maisky - das aufregendste Gespann der derzeitigen Kammermusikszene - für einen Live-Mitschnitt gerade das euphorische Publikum in der alten Kaiserstadt Kyoto als Quelle der Inspiration gewählt haben.

 

Die beiden haben ein Programm ausgesucht, mit dem sie all ihre Qualitäten in das denkbar beste Licht rücken können: Gerade für die Musik Chopins sind Argerichs feinnervige Brillanz und die süffige Rundheit von Maiskys Celloton wie geschaffen. Ein Hauch von Paris ist an diesem Abend durch den fernen Osten geweht. Auch wenn Chopin im Herzen immer ein Pole blieb, so ist die Eleganz seiner Musik genauso seiner französischen Exilheimat geschuldet, gerade in der betörend schönen Sonate für Cello und Klavier op. 65 (einer der wenigen Ausflüge Chopins in die Kammermusik). Auch die weniger bekannte Introduktion und Polonaise brillante op. 3 vereinen polnischen Verve und galanten Esprit. Formvollendet und gleichfalls mit Melodien von berückender Schönheit gesegnet ist Cesar Francks A-Dur-Violinsonate, die hier in einer wenig bekannten Transkription für Cello erklingt. Einen grotesk-humoristischen Kontrapunkt setzt schließlich Debussys Cello-Sonate d-Moll - die Wut des Clowns Pierrot auf den Mond, wie der Komponist es beschrieben hat. Wütend ist man nach dem Hören dieses hochromantischen Duos bestimmt nicht, ein wenig mondsüchtig hingegen vielleicht schon - und giert nach der nächsten CD dieses Traumpaars der Kammermusik.


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