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07.01.2009

Schönheit der Nuancen

Mischa Maisky, Schönheit der Nuancen Kasskara

Pädagogik ist nicht immer hilfreich, vor allem wenn sie insgeheim mit kulturideologischen Vorstellungen versetzt ist. Das Cello zum Beispiel galt dem 19.Jahrhundert im Vergleich zur Geige oder dem Klavier nicht als gleichwertiges Solo-Instrument. Seine Rolle war der Orchesterknechtschaft vorbehalten und dementsprechend quälten manche Lehrer auch ihre Schüler mit die Kreativität hemmenden Übungen, etwa indem sie die Eleven mit einem Buch unter dem Arm den Bogen streichen ließen. Oder sie beschränkten die Klangmöglichkeiten, indem sie das Cello mit den Beinen zu halten verlangten und somit dessen Eigenresonanz beschnitten. Zum Glück gab es aber damals schon großartige Solisten, die sich darüber hinweg setzten, Künstler wie Hanuš Wihan, dem der Cellist Mischa Maisky sein aktuelles Album „Morgen" mit Musik von Richard Strauss und Antonin Dvořák widmet.

Ein bisschen Skandal gehörte auch dazu. Richard Strauss' Schwester Johanna war gut befreundet mit  Hanuš Wihans Frau Dora. Und in die wiederum verliebte sich prompt der junge Komponist, als sie sich begegneten. Wie viel wirklich dahinter steckte, darüber streiten sich Biographen, jedenfalls entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft zwischen den beiden, die unter anderem auch dazu führte, dass Strauss in Gestalt des Ehemannes immer wieder die klangliche Vielfalt von dessen Instrument verdeutlicht wurde. Der Komponist jedenfalls ließ sich durchaus auch davon faszinieren und schrieb beispielsweise 1883 seine bereits 1880 begonnene Sonate für Cello und Klavier F-Dur, op.6 für Hanuš Wihan fertig. Man mag einwenden, dass es das Werk eines 19-jährigen ist, das noch nicht die Tiefe beispielsweise der späteren Violinsonate erreichte. Hört man sie von einem Meister wie Mischa Maisky gespielt, werden solche Vorbehalte jedoch substanzlos, denn dann erstrahlt auch dieses Jugendstück in wunderbarer akustischer Klarheit. Und nebenbei war es eines der ersten Erfolgsstücke, mit dem der Newcomer Strauss in der bürgerlichen Konzertwelt Erfolg hatte.

Maisky bleibt aber nicht bei diesem Ausflug in die Cello-Welt allein. Für das Recital-Programm von „Morgen" hat er sich noch zwei weiterer Kompositionen von Richard Strauss angenommen, die er in diesem Fall für sein Instrument im Wechselspiel mit dem Klavier von Pavel Gililov bearbeitete oder wieder entdeckte. Zum einen handelt es sich um die „Romanze in F-Dur", noch im selben Jahr 1883 ebenfalls für Hanuš Wihan ersonnen und von diesem dann im Februar 1884 in Baden-Baden uraufgeführt. Zunächst war es als Werk für Orchester und Cello geplant, wurde dann aber für die Premiere noch von Strauss selbst zu einer Klavier-Duoversion verdichtet. Das Titelstück des Albums „Morgen" wiederum entstand 1894 als Teil der „4 Lieder für Stimme und Klavier, op.27", wurde aber ob seiner wunderbaren Kantabilität von Maisky in eine Fassung für Cello und Klavier gebracht, die nun auch die Schönheit dieser Melodie in neuer Form vorstellt.

Ähnlich wie Richard Strauss war auch Antonin Dvořák dem Cello gegenüber skeptisch. Zwar schrieb er 1894/95 das zeitlos grandiose Cello Konzert, aber auch da brauchte es einen Anstoß von außen, um sich wirklich den Qualitäten dieses Instruments zuzuwenden. Wieder war es Hanuš Wihan, der letztlich dafür verantwortlich war, denn ihn hatte der Komponist im Sinn (und ihm widmete er das Werk schließlich), als er sich an die Realisierung der Idee wagte. Mischa Maisky wendet sich für „Morgen" jedoch nicht diesem monumentalen Opus zu, sondern greift sich drei kammermusikalische Stücke heraus, das „Rondo für Professor Wihan", wie Antonin Dvořák sein op. 94 selbst nannte, und zwei Violinwerke, die „Sonatine G-Dur" und das „Romantische Stück op.75 Nr.4", die ursprüngliche für Geige und Klavier entstanden. Wiederum gelingt es Maisky im Zusammenwirken mit Pavel Gililov, zwei Miniaturen von charmanter, zuweilen sogar ein wenig tändelnder Nonchalance zu gestalten, die von nun fest zum Repertoire von Cellisten zählen werden.

mehr Informationen zu Mischa Masiky finden Sie unter http://www.klassikakzente.de/mischamaisky


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