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Mitsuko Uchida BACKSTAGE EXCLUSIV

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14.02.2001

Zwei von tausend

Mitsuko Uchida, Zwei von tausend

"Die Tasten werden unter den Händen zu singenden Stimmen", sagte einmal Franz Schubert. Wenn Mitsuko Uchida seine Werke spielt, füllt sie dieses Zitat mit Leben.

Lange Zeit standen die Klaviersonaten Franz Schuberts im Schatten derer Beethovens. Die entmutigt klingende Äußerung Schuberts: "Wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?", muss allerdings auch eine Herausforderung gewesen sein, denn in nur 15 Jahren schuf er annähernd 1.000 Lieder, Klavier- und Kammermusikwerke. Schuberts Liebe zum ungeklärten Akkord und sein außerordentlicher Spürsinn für die virtuosen Möglichkeiten des Klaviers werden in seinen knapp zwei Dutzend Klaviersonaten deutlich. Zwei liegen jetzt in einer Einspielung der Pianistin Mitsuko Uchida vor. Uchida, die ihren Stil selbst als anti-virtuos charakterisiert, kam als Kind einer japanischen Diplomatenfamilie mit 12 Jahren nach Wien und begann ihr Klavierstudium an der Wiener Hochschule für Musik. Heute lebt sie in London. Ihre großen Erfolge als Mozartinterpretin verhalfen ihr zu internationalem Ruhm und ihre Einspielungen sind regelmäßig für große Preise nominiert.

 

Mit den beiden, unlängst in Wien aufgenommenen Einspielungen setzt sie jetzt ihren hoch gelobten Zyklus Schubertscher Klaviersonaten fort: Die Klaviersonate D 850 verdankt ihren Beinamen "Gasteiner Sonate" einer Reise Schuberts im Jahre 1825 in das österreichische Kurbad und ist von einer Heiterkeit, die kaum etwas von der Melancholie seiner anderen Werke spüren lässt. Mit ihrer beeindruckenden Technik intoniert Uchida vollgriffige Akkorde, die mit der fast zerbrechlichen Melodie korrespondieren, präzise und trotz ihres zupackenden Anschlags stets fein nuanciert. Die ganz auf Stimmungen aufgebaute a-moll-Sonate - D784 op. 143 von 1822 - besticht mit einer strengen Konzentriertheit des knapp formulierten Themenmaterials. Eine mit unscheinbaren Mitteln erzeugte fantastische Stimmung in den Eröffnungstakten und die innigen Melodien machen das Opus zu einer großen gestalterischen Herausforderung. Souverän meistert Uchida die vertrackten Hand- und Lagenwechsel und die ungewöhnlich weiten, nur durch Arpeggieren spielbaren Akkordlagen. 1991 antwortete Mitsuko Uchida auf die Frage, wer ihre größte Liebe sei: "Schubert. Er hat so eine unwahrscheinliche Seele. Schubert spielend zu sterben, das müsste wunderbar sein." Sie spielt ihn, so lebendig wie nie.


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