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04.08.2010

Ne-Yo Biografie

2010

Er zählt seit einigen Jahren zu den gefragtesten und produktivsten Songwritern und Produzenten der R&B- und Popwelt, landet einen Hit nach dem anderen, wenn er selbst zum Mikrofon greift und hat bereits drei Grammys in Empfang nehmen dürfen: Die Rede ist von Ne-Yo, der in weniger als fünf Jahren gleich drei Alben an die Spitze der US-Charts katapultiert und insgesamt weit über 10 Millionen Einheiten verkauft hat. Die Liste der Künstler, mit denen er schon zusammen im Studio war, ist nicht nur endlos lang, sondern sie vereint auch so unterschiedliche Musikgrößen wie Michael Jackson und Tim McGraw. Nachdem er sich zuletzt eine Auszeit gegönnt hatte, um in Hollywood an mehreren Filmprojekten zu arbeiten, meldet er sich nun mit seinem vierten Album zurück: "Libra Scale" heißt die Platte, mit der Ne-Yo ohne Zweifel auch in diesem Jahr die internationalen Charts dominieren wird. Allerdings handelt es sich dabei um kein gewöhnliches R&B-Album...

Im Gegenteil: "Libra Scale" ist ein imposantes Konzeptalbum, auf dem die Geschichte des ersten R&B-Superhelden-Trios erzählt wird: Die Protagonisten heißen Clyde, Jerome und Leroy, zusammen "The Gentlemen", ursprünglich drei Müllmänner, denen nach einer Begegnung mit einer mysteriösen Gestalt alle Wünsche erfüllt worden sind – sie haben Geld, Ruhm, Frauen, ja selbst übermenschliche Kräfte wurden ihnen verliehen. Wo der Haken an der Sache liegt? Sie dürfen ihre Superkräfte ausschließlich zur Bekämpfung von Verbrechen in ihrer Heimatstadt einsetzen und es ist ihnen strengstens verboten, sich zu verlieben; andernfalls verlieren sie alles und stehen wieder genauso schlecht wie vorher da. Was soweit kein Problem darstellt, bis Jerome (Ne-Yo) eine gewisse Pretti Sinclair trifft, eine umwerfende Schönheit, der kein Mann widerstehen kann. Was dann folgt: Er verdreht ihr den Kopf, und die Katastrophe nimmt endgültig ihren Lauf, als Pretti Sinclair in einer heißen Liebesnacht mit Jeromes Superkräften in direkten Kontakt kommt, was unter anderem dazu führt, dass sie den Verstand verliert.

Doch damit nicht genug: Bald darauf verwandelt sich Pretti Sinclair in ein Wesen namens Diamond Eye – ein zwar atemberaubend schönes aber zugleich teuflisches Monster, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Jerome und die Stadt, die er zu beschützen geschworen hat, zu vernichten. Von Schuldgefühlen geplagt, verarztet Jerome erst mal sein gebrochenes Herz in der Bar um die Ecke, während Diamond Eye sich daran macht, die Metropole in Schutt und Asche zu legen. Doch nun taucht auch die mysteriöse Gestalt wieder auf, die ihm und seinen beiden Gentlemen-Buddys die Superkräfte verliehen hat, und stellt ihn vor ein Ultimatum: Entweder müssen Diamond Eye UND Pretti Sinclair sterben, damit die Stadt gerettet wird; oder Pretti Sinclair darf weiterleben und sämtliche Schäden, die Diamond Eye bereits angerichtet hat, werden ungeschehen gemacht – aber dafür muss Jerome selbst ins Gras beißen. Die Frage lautet also: Wird er sich für die Liebe seines Lebens entscheiden, oder doch eher für seine eigene Liebe zum Leben? Dieses Dilemma bildet den Kern von "Libra Scale".  

"Mit jedem meiner Alben wollte ich etwas transportieren; sie alle hatten eine Art Message", berichtet Ne-Yo. "Dieses Album basiert nun also auf der Frage: 'Was ist wichtiger: Geld, Macht und Ruhm, oder die Liebe'. Zwischen diesen beiden Polen muss Jerome abwägen – daher auch die Waagschale im Titel der LP. Welche Seite überwiegt wohl? Und welche Seite würde man selbst wählen? Es geht also letztendlich um eine Frage der Moral. Überhaupt möchte ich mich meiner Musik erreichen, dass die Leute überdenken, wie sie ihr Leben führen. Ich liefere ihnen im Verlauf des Albums die unterschiedlichen Argumente, die für bzw. gegen diese beiden Seiten sprechen."

Allein drei Monate hat Ne-Yo damit verbracht, sich die mitreißende Story von "Libra Scale" auszudenken und sie in die richtige Form zu bringen. Die wichtigsten Inspirationsquellen waren dabei Comics und Science-Fiction-Geschichten, wie er stolz zu berichten weiß: "Ich war schon immer ein absoluter Comics- und Sci-Fi-Freak: Ich bin mit Spider Man und Anime-Filmen aus Japan aufgewachsen. Ich liebe dieses ganze Zeug. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass es nach Kinohits wie ‘Iron Man’ und ‘Wolverine’ an der Zeit war, es einfach drauf ankommen zu lassen und mal ein derartiges Konzeptalbum zu machen."

Als das Konzept erst mal stand, sprudelten die Ideen für die einzelnen Songs förmlich aus ihm heraus: 60 Songs komponierte Ne-Yo in weniger als vier Monaten; zwölf dieser Aufnahmen sollten schließlich auf "Libra Scale" landen.

Für eine ausgelassene Party-Nummer wie "Champagne Life", eine mit Schampus durchtränkte Ode auf das Leben in Saus und Braus, trieb sich Ne-Yo einen ganzen Monat lang in den angesagtesten Läden Miamis rum, zu "Recherchezwecken", wie er sagt "Einmal gingen wir mit DJ Khaled aus und bestellten um die 50 Flaschen Champagner", erinnert er sich. "Alle zehn Minuten bestellten wir die nächsten zehn Flaschen. Dazu muss man wissen, dass Schampus in Miami mit Wunderkerzen serviert wird, was dazu führte, dass irgendwann alle Blicke auf uns gerichtet waren und sich die Leute fragten, wer wir wohl seien könnten bzw. was bei uns eigentlich abgeht. Einem Mädel ein Glas Champagner zu reichen ist eine Sache. Wenn man ihr jedoch gleich ihre eigene Flasche in die Hand drückt, ist das eine ganz andere Liga", erzählt er lachend. "Ah, mit was für Problemen ich mich doch herumschlagen muss!"

Inspiriert von den Kurzfilmen / Videos die Michael Jackson in den Achtzigern und frühen Neunzigern gemacht hat, hatte Ne-Yo ursprünglich davon geträumt, dem neuen Album als Bonus einen 45-minütigen Kurzfilm beizulegen. Doch da sich diese Idee als viel zu kostspielig entpuppte, lautet sein neuester Plan nun, die Story der LP nach und nach in längeren Videoclips (je 7-10 Minuten lang) visuell umzusetzen. Auch das ist ein ziemlich ambitioniertes Projekt, wie er auch selbst zugibt, aber Ne-Yo scheut weder Kosten noch Mühen, weil ihm diese Clips persönlich zu sehr am Herzen liegen.

"Soll ich verraten, worauf diese ganze Sache basiert? Was das alles inspiriert hat? Die Antwort ist simpel: Langeweile", sagt Ne-Yo weiterhin. "Ich schaute mich in der aktuellen Musiklandschaft um und musste feststellen, dass ich von allem gelangweilt war, was in der R&B-Welt momentan passiert. Sie alle machen den gleichen Sound: Ganz einfach gestrickte Beats, über denen davon berichtet wird, dass man auf einer Party wieder einmal der lässigste Typ war oder mit jeder Frau ins Bett steigt, die nicht bei drei auf dem Baum ist. Deshalb ist auch Lady Gaga momentan so erfolgreich, weil sie diesen Entertainment-Faktor zurückgebracht hat. Sie macht eine richtige Show, die sehenswert ist, weil da eben nicht nur eine Sängerin auf der Bühne steht, die von ein paar Tänzern eingerahmt wird. Ihre Musikvideos funktionieren eher wie kurze Filme. Ihre Konzerte sind eher wie Theaterstücke. Was sie im Popbereich macht, hab ich mir für die R&B-Welt und damit für die gesamte Musiklandschaft zum Ziel gesetzt."

Wenn man jedoch das ausgefeilte Konzept und die hochkarätigen Videoclips einmal außer Acht lässt, erkennt man, dass "Libra Scale" auf klassischem Songwriting à la Ne-Yo basiert: raffiniert ineinander verschränkte Melodien, von der eine schöner als die nächste ist; dazu eine unverwechselbare Stimme, die zugleich geschmeidig und ausgesprochen druckvoll klingen kann.

"Während der Arbeit an diesem Album habe ich mir viele alte Aufnahmen von Stevie Wonder angehört", berichtet er weiterhin. "Ich meine damit Alben wie ‘Talking Book’, ‘Inner Visions’ oder ‘Music On My Mind’. Und natürlich habe ich mich auch immer wieder mit Michaels Werk befasst: das ‘Victory’-Album von den Jacksons, ‘Off The Wall’, ‘Bad’ und ‘Dangerous’. Michael hat nicht einfach nur Songs geschrieben oder Videos dazu gedreht. Er hat unvergleichliche Momente erschaffen, und genau darum geht es mir auch immer."

Für "Beautiful Monster", die erste Singleauskopplung, war Ne-Yo wieder einmal mit dem norwegischen Produzentenduo StarGate im Studio, mit dem er in den vergangenen Jahren bereits Mega-Hits wie "So Sick" und "Miss Independent" aufgenommen hat. "Diese beiden Jungs sind für mich so etwas wie Brüder", sagt Ne-Yo über die Arbeit mit Tor Erik Hermansen und Mikkel S. Eriksen. "Sie beherrschen die Kunst, komplexe Melodien ganz simpel und eingängig klingen zu lassen. Sie wissen genau, wie man Menschen mit Melodien berührt und was für Sounds man wählen muss, um die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen." Ganz anders präsentiert sich Ne-Yo auf der üppig orchestrierten Ballade "She Is", auf der die Nashville-Ikone Luke Laird die Gitarre beigesteuert hat: "Ich liebe Country-Musik", berichtet er, "weil es eines der wenigen Genres ist, in denen gutes Storytelling nach wie vor an oberster Stelle steht."

Als einer der begehrtesten Songschreiber der aktuellen Musiklandschaft hat Ne-Yo in den letzten Jahren diverse Kollegen seiner Zunft an die Spitze der Charts katapultiert: Neben #1-Hits für Beyoncé ("Irreplaceable"), Rihanna ("Take A Bow") und Mario ("Let Me Love You") hat er unter anderem auch Celine Dion, Mary J. Blige, Usher, Kanye West, Lionel Richie und diversen anderen Künstlern Songs auf den Leib geschrieben. Seine drei vorangegangenen Alben – "In My Own Words" (2006), "Because Of You" (2007) und "Year Of The Gentleman" (2008) – haben in den Staaten allesamt Platinstatus erreicht und diverse Top-10-Hits hervorgebracht, unter anderem "Sexy Love", "Because Of You", "Mad" und "Closer". Zugleich hat Ne-Yo seine Fühler auch in Richtung Hollywood ausgestreckt, wo er nicht nur hinter den Kulissen sondern auch vor der Kamera geglänzt hat: Während er für Kassenschlager wie "Küss den Frosch", "Precious – das Leben ist kostbar" und "I Can Do Bad All By Myself" den passenden Soundtrack beigesteuert hat, trat er in Filmen wie "Stomp The Yard" und "Save The Last Dance 2" auch als Schauspieler in Aktion. Zwei weitere Filme, in denen er eine der Hauptrollen spielt – im von George Lucas produzierten Film "Red Tails" sowie in "Battle: Los Angeles" –, sind bereits abgedreht und kommen bald in die Kinos. Und doch wird die Filmwelt für ihn niemals denselben Stellenwert haben wie die Musik, so Ne-Yo.

Fragt man ihn abschließend, wie er seine Entwicklung als Künstler beschreiben würde, ist seine Antwort kurz und bündig: "Ganz einfach: Ich habe inzwischen keine Angst mehr", sagt er. "Wenn man am Anfang seiner Karriere steht und alles dafür tut, sich einen Namen zu machen, und es dann irgendwann tatsächlich schafft, dann ist man zunächst eher vorsichtig, weil man es allen recht machen will. Irgendwie ist da am Anfang noch diese Angst, dass das alles auch ganz schnell wieder vorbei sein könnte."

"Mit diesem Album möchte ich noch einmal unterstreichen, dass ich durch und durch Künstler bin, und zwar einer, der keine halben Sachen macht. Das hier bin zu 100 Prozent ich: ungefiltert und ohne Kompromisse. Auf Nummer sicher gehen kommt für mich einfach nicht in Frage."


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