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12.02.2015

Leidenschaftlich – Nemanja Radulović spielt osteuropäische Klassik und Folklore

Er ist einer der gefühlvollsten Geiger unserer Zeit. Jetzt veröffentlicht Nemanja Radulović sein internationales Debüt-Album bei Deutsche Grammophon: wild-romantische Musik aus Osteuropa.

Nemanja Radulovic, Leidenschaftlich – Nemanja Radulović spielt osteuropäische Klassik und Folklore © Marie Staggat / DG

Musik kann die Rettung sein, und für Nemanja Radulović war sie das von früh auf. In einen blutigen Bürgerkrieg hineingeboren, lernte der junge Serbe das Leben schnell von seinen Schattenseiten kennen, und dass Krisen eine Chance bieten, ist in seinem Fall mehr als nur eine leere Phrase.

Seelische Befreiung

Wer tiefe Not leidet, der weiß das Glück der Kunst besonders zu schätzen, und Nemanja Radulović kennt wie kein Zweiter die befreiende Wirkung der Musik. Die Geige eröffnete ihm früh schon die Möglichkeit, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, und er nutzte die Chance seiner Begabung. Nach und nach verfeinerte er sein Spiel, und inzwischen zelebriert er es auf meisterlichem Niveau. Wenn Radulović Geige spielt, dann verwandeln sich Gefühle in Klangschönheiten, dann wird die Intensität des menschlichen Lebens musikalisch greifbar, und das ist unendlich tröstlich. Radulović weiß zu verzaubern, und es ist ihm ein Bedürfnis, sein Publikum in Bann zu ziehen: "Ich versuche nicht, Geschichtsunterricht zu erteilen oder zu zeigen, wie man Geige spielt", betont er, "ich möchte nur, dass die Zuhörer wahre Emotionen empfinden durch die Musik."

Pulsierende Vitalität

Dass ihm hierfür alle poetischen und technischen Mittel des Geigenspiels zur Verfügung stehen, darüber kann kein Zweifel bestehen. Radulović, der 1985 in Serbien geboren wurde und bereits 2006 seine überaus erfolgreiche internationale Laufbahn startete, hat schon oft genug unter Beweis gestellt, dass er die Gefühle seines Publikums erreicht. Er weiß die ästhetische Schönheit jedes romantischen Augenblicks in der Musik auszukosten. Dabei tanzt er regelrecht mit seinem Instrument. Er stürzt sich mit unbekümmerter Verve in gefühlvolle Melodien hinein und bringt sie so zum Klingen. Radulović hat wahrlich die Statur eines "romantischen Virtuosen des 19. Jahrhunderts". So charakterisierte ihn die New York Times nach seinem stürmisch umjubelten Debüt in der Carnegie Hall, und sie brachte damit nicht nur seine charismatische Bühnenpräsenz treffend auf den Punkt, sondern seine Klangkunst als Ganze, deren pulsierende Vitalität man jetzt auf "Journey East" nur staunend bewundern kann.

Flair des Ostens

Das Album beginnt mit dem ersten Ungarischen Tanz von Johannes Brahms. Dargeboten mit dem Kammerensemble Les Trilles du Diable, unter der herrlich leicht perlenden Klavierbegleitung von Laure Favre-Kahn, besticht Radulovićs Spiel hier durch das konsequente Legato. Die gedehnten, melancholischen Passagen werden mit den tänzerischen Elementen unfassbar weich verknüpft. Die Sanftheit seiner Interpretation ist außerordentlich, und sie nimmt vorweg, was der junge Geiger in der Folge auf dem Album entfalten wird: poetische Nachdenklichkeit im Wechsel mit entschiedener Tanzbereitschaft.

In Tschaikowskis Russischem Tanz aus dem Schwanensee oder Dvořáks Songs My Mother Taught Me überwiegt das poetische Element, obgleich auch hier die tänzerische Lust immer anwendend bleibt. In serbischen Traditionals wie Pasona kolo oder Niska Banja dominiert das tänzerische Moment, und Radulović entfaltet es mit wilder Leidenschaft. Aber seine Ausbrüche sind stets poetisch grundiert und gleiten nie in eitle Virtuosität ab. Radulović behält stets im Auge, dass auch die Heftigkeit in der Musik einen weichen, verletzlichen Kern hat, und das macht sein Album zu einem ergreifenden Hörerlebnis.      

Am 16. März 2015 tritt Nemanja Radulović im Konzerthaus am Gendarmenmarkt Berlin auf (Beginn 21:00 Uhr). Ebenfalls am 16. März wird er im ZDF Morgenmagazin zu sehen sein. 


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