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07.05.2001

Nils Petter Molvær: Recoloured - The Remix Album

Nils Petter Molvaer, Nils Petter Molvær: Recoloured - The Remix Album

Nils Petter Molvær, Trompeter, Komponist und Produzent aus Norwegen, ist ein Mittler zwischen den Welten, der musikalische Extreme miteinander vermählt. Jazz, Ambient, House, Elektronik, Breakbeats und Elemente anderer Stile verschmelzen bei ihm zu Klangbildern von unglaublich intensiver Dichte.

Im Januar 1998 sorgte Nils Petter Molværs erstes Album "Khmer" (537 798-2), veröffentlicht beim renommierten Label ECM Records, für außerordentliche Resonanz bei Medien und Publikum. "Khmer" überraschte mit einer bis dahin ungehörten Kombination aus Improvisationen und hypnotisch-treibenden Beats und gilt heute schon als Klassiker seiner Art. Als einer der größten Crossover-Erfolge der letzten Jahre wurde das Album mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Die Medien brachten die Faszination des Projektes folgendermaßen auf den Punkt: "Überwältigend, heavy und poetisch" (Weltwoche), "Der Shooting-Star der europäischen Szene" (Spex), "Ein würdiger Nachfolger von Miles Davis" (Westdeutsche Allgemeine).

 

Ebenso aufsehenerregend wie "Khmer" selbst waren aber auch die Remixe - u.a. von den populären Briten The Herbaliser und Rockers Hifi -, die für eine ECM-Produktion ein absolutes Novum darstellten. Direkt nach Veröffentlichung schoß der Herbaliser-Remix in die obersten Regionen der Deutschen Clubcharts. Mit "Recoloured", seinem ersten reinen Remix-Album, geht Nils Petter Molvær nun sogar noch einen Schritt weiter.

 

Der 1960 im Nordwesten von Norwegen geborene Molvær erlernte schon im Teenageralter verschiedene Instrumente, entschied sich schließlich aber ganz für die Trompete. Nach Auftritten mit nahezu allen wichtigen norwegischen Musikern und internationalen Jazz-Koryphäen wie Elvin Jones, George Russell und Gary Peacock erhielt Nils Petter Molvær 1997 von ECM-Produzent Manfred Eicher die Chance, endlich ein Album unter eigenem Namen zu veröffentlichen: Auf "Khmer" stellte Molvær ein eigenes, neuartiges Soundkonzept mit prägnanten Beats, atemberaubenden Improvisationen und atmosphärischen, melodischen Songstrukturen vor.

 

Mehr noch als "Khmer" stellte der Album-Nachfolger "Solid Ether", von ECM Records im Mai 2000 veröffentlicht, den Dialog mit der Welt der Clubs her. Nils Petter Molvær arbeitet mit der Prämisse, daß ein Stück Musik niemals wirklich fertig und der Kompositions- bzw. Produktionsprozess deshalb niemals wirklich beendet ist. "Khmer" wählte er übrigens aus rein lautmalerischen Gründen zum Albumtitel, auch wenn er sich der politischen Dimension einer solchen Begriffswahl bewußt war. "Solid Ether" entstand aus ähnlichen Erwägungen: "Ich suchte einfach nach einem Titel, der nicht zu präzise war und Assoziationen in viele Richtungen erlaubte. Wie 'Solid Ether'. Äther ist eine nicht faßliche Sache. Wie könnte er also solide sein? 'Solid Ether' ist ein Paradox wie das Leben. Alles und nichts", erzählte Molvær dem Jazz Thing anläßlich der Veröffentlichung des Albums.

 

Ganz im Sinne dieser Aussage ließ Nils Petter Molvær die Songs von "Solid Ether" von einer Reihe internationaler Remix-Künstler überarbeiten. Einige Tracks erschienen bereits vorab auf limitierten Vinyl-Editionen, die allerdings nur DJs vorbehalten waren. Jetzt liegt endlich, für Jedermann erhältlich, der gesamte Remix-Zyklus als "Recoloured - The Remix Album" auf CD und Vinyl vor. "Ich mag Raum", sagt Nils Petter Molvær. "Die Trompete braucht Raum, sie muß nicht alles selber sagen. Aus demselben Grund mag ich auch Poesie. Da kann man Dinge ganz präzise und minimalistisch ausdrücken." Die Produzenten der hier versammelten Remixe lassen Molværs Trompete ihren Raum. Gleichzeitig drücken sie sich minimalistisch, aber auch präzise aus. "Recoloured - The Remix Album" wird so zu wortloser Poesie. Molvær und seine Remixer suchen nach Klarheit, nach der Essenz der Klänge. Molvær vergleicht seine musikalische Vision mit dem Wetter seiner Heimat: "Der Regen ist stark, und er kommt aus den Bergen. Aber er läßt Pausen, die wie Freiräume anmuten. Die Leute sagen, wenn du das Wetter nicht magst, warte eine Minute." Dieser Respekt vor der Unmittelbarkeit, die Geduld angesichts ihrer Unvermeidbarkeit und die Erkenntnis der darin vorhanden Schönheit spiegelt sich in allen Remixen auf "Recoloured" wider. Eine wunderbare Leistung.

 

01. MERCIFUL (Herbert's We Mix)
Die Stimme einer der herausragenden Sängerinnen der skandinavischen Szene eröffnet "Recoloured": Sidsel Endresen, im "Merciful"-Mix von Matthew Herbert a.k.a. Herbert. Der Brite zählt weltweit zu den angesagtesten House-Produzenten. Neben Veröffentlichungen unter eigenem Namen oder als Dr. Rockit, Radioboy und Wishmountain ist Herbert zur Zeit auch einer der begehrtesten Remixer. Ob Moloko, Motorbass, Mr. Oizo, Presence, Losoul, ob in House-, Pop- oder Jazzkreisen, Herberts spezielle Art, spielerisch, aber respektvoll mit dem Ausgangsmaterial umzugehen, machte ihn in den verschiedensten Szenen beliebt. Dabei ist der Engländer ein echter Soundtüftler, sampelt Sounds aus seiner direkten Umgebung und entwickelt so eine ganz eigene Klangästhetik. Seine Version von "Merciful" ist ohne Frage eine absolut eigenständige Club-Pop-Perle.

 

02. DEAD INDEED (Jan Bang's 7:00 AM Mix) Nils Petter Molværs Landsmann Jan Bang liebt die frühen Morgenstunden. Das Thema von "Dead Indeed" taucht bei ihm entrückt am Horizont auf, bevor sein "7:00 AM Remix" es in einen harmonisierenden Chill-Out-Groove münden läßt. Jan Bang veröffentlicht auch auf dem norwegischen Universal-Label Jazzland, das für clubtaugliche Varianten des Jazz bis hin zu Soundexperimenten (Audun Kleive) und ambienten Werken à la Sidsel Endresen steht. In Deutschland kennt man Jan Bang unter anderen von der Compilation "Jazzland Remixed".

 

03. SOLID ETHER (Underlying Love Mix by Joakim Lone)
Der französische Star-Eklektiker Joakim Lone, ansonsten mit seinem Octet aktiv im Stilmix zwischen College-Rock, Mussorgsky, Photek und Amon Tobin, fiel im letzten Jahr vor allem durch die Veröffentlichung seiner "Tiger Sushi"-12-Inch- Serie auf. Bei Versatile/Future Talk, Frankreichs Vorzeigelabel für neue Tanzmusik (I:Cube u.a.), erschien eine Reihe von Lone-Remixen aus der Hand der Crème des aktuellen NuJazz. Joakim Lones "Underlying Love Remix" vom Titeltrack des Molvær- Originalalbums "Solid Ether" klingt wie eine Elektro-Fusion für außerplanetarische Lounges. Die Highspeed-Jazz-Version macht dem Original alle Ehre.

 

04. VILDERNESS (Cinematic Orchestra Mix)
Britisch und jazzig nähern sich Jason Swinscoe und sein auf dem Ninja Tune-Label (Herbaliser, Amon Tobin, Coldcut, Kid Koala) musizierendes Cinematic Orchestra Nils Petter Molværs Musik. Das Patchwork aus Seventies-Spiritualität und gebrochener Moderne fasziniert. Das Cinematic Orchestra verknüpft "cineastische" Harmonien und Klänge mit orchestralen Arrangements, niemand kann sich seinem hypnotischen Sound entziehen. Produzent Swinscoe kombiniert neueste Sample-Technologien mit Live-Instrumentierung, so daß seine Arbeiten nie Gefahr laufen, in Sterilität zu verharren. Saxophonist Tom Chant löst bei Live-Auftritten schon mal ekstatischen Beifall bei den Zuhörern aus. Nach erfolgreichen Remixes für Ryuichi Sakamoto, Krust und Faze Action lädt das Cinematic Orchestra hier mit seiner Version von "Vilderness" zu einer weiteren filmreifen Reise in die Welt der Sounds ein.

 

05. VILDERNESS (Chilluminati Mix)
Noch eine Version von Nils Petter Molværs "Vilderness", diesmal in einem aufregend anderen Kontext. Mit viel Funk und Verzerrung haben Chilluminati alias Per Martinsen und Nick Sillitoe ihre Version gewürzt. Das norwegische Produzentenduo war bislang mit seinen Remixes auf Compilations wie "Mandarin - Chinese Chilling Thrills" und "Jazzland Remixed" zu hören.

 

06. LIGOTAGE (Phonoversion)
Hinter dem Pseudonym Phono verbirgt sich Raymond Pellicer. Wenn Phono "Ligotage" minimalisiert, werden neue Welten erforscht. Hier fesseln nicht repetitive Beats, sondern hypnotisierende Keyboardsounds.

 

07. KAKONITA (Deathprod Mix)
Deathprod, ehemaliges Mitglied von Motorpsycho und inspiriert vom norwegischen Ambientvater Arne Nordheim, gilt als "norwegischer Brian Eno". Er begreift Nils Petter Molværs Track "Kakonita" als Herausforderung und gibt den musikalischen Flächen eine außerordentlich lebendige, pulsierende Visualität. Mit "Nordheim Transformed", einer auf dem norwegischen Elektro-Avantgarde-Label Rune Grammofon erschienenen Hommage an Arne Nordheim, gelang Deathprod in Kooperation mit Biosphere eines der großen Ambient-Alben der letzten Zeit, von der Presse als "finest ambient work ever" hochgelobt.

 

08. DEAD INDEED (Tunnel Mix by Mind Over Midi)
Hinter Mind Over Midi steckt Helge Tämmervag aus Kristiansund, seit zwei Jahrzehnten auf dem norwegischen Kultlabel Beatservice experimentiell im Sinne von Autechre oder Basic Channel unterwegs. Er beschreitet einen faszinierend ambienten Weg bei seiner Version von "Dead Indeed", sein "Tunnel Remix" entpuppt sich als nahezu schwerelose Verneigung vor Molværs Klangwelt.

 

09. LIGOTAGE (TeeBee Mix)
"Norwegen ist anders, viel entspannter. Es gibt dir viel Energie und den Raum, Ideen zu erforschen", sagt der aus Bergen/Norwegen stammende TeeBee, mit bürgerlichem Namen Torgeir Byrkines, der seit einiger Zeit als einer der Stars der Londoner Drum'n'Bass-Szene gilt. Seit 1990 ist er DJ und veranstaltete 1993 den ersten großen Jungle-Rave Norwegens. Schnell faßte er als Produzent Fuß in der UK-Breakbeat-Hauptstadt London, wo er als erster internationaler Künstler auf dem berühmtesten aller Drum'n'Bass-Labels, Movin' Shadow, veröffentlicht. Sein vor kurzem auf dem UK-Kultlabel Certificate 18 erschienenes Album "Black Science Labs" ist zur Zeit einer der größten Drum'n'Bass-Longplayer. Typisch für TeeBee sind seine Breakbeats, sehr direkt und intensiv, aber trotzdem leichtfüßig, außerdem sein einzigartiger Umgang mit Sci-Fi-Sounds und deepen, dunklen Flächen. Kein Wunder, daß sich die Helden der Szene, wie Grooverider, Fabio und auch LTJ Bukem, die wohl weltweit bekanntesten Drum'n'Bass-DJs, einig sind: TeeBee ist der Mann der Stunde! Für Nils Petter Molvær, der den Sound seines Landsmanns verfolgt und schätzt, liefert TeeBee eine grandiose Version von "Ligotage" ab.

 

10. SOLID ETHER (Funkstörung Mix)
Eine weitere Version des Album-Titeltracks "Solid Ether", aus prominenter Hand: Trotz plakativer elektronischer Sounds rollt der "Funkstörung Mix" mit Bedacht und innerer Ruhe. Kaum ein anderes Produzententeam sorgte bislang mit Remixen für so großes Aufsehen wie Funkstörung aus Deutschland. So unterschiedliche Künstler wie Wu-Tang-Clan, Visit Venus, A Guy Called Gerald, Tocotronic und Björk haben eines gemeinsam: Funkstörung überzeugte sie mit ihrer Art zu remixen. Dabei sind Chris De Luca und Michael Fakesch noch nicht sehr lange im Musikbusiness tätig. Vor ein paar Jahren gründeten sie das Label "Musik aus Strom", das sofort mit seinen innovativen Sound auffiel. Das Produzentenduo aus Rosenheim spielte sich schnell in die Herzen der Liebhaber futuristischer Sounds - und in das von Björk! Ein Remix von "All Is Full Of Love" folgte und Funkstörung waren in aller Munde. Ein großartiges Album, eine Compilation und Soloprojekte katapultierten sie schnell nach ganz oben. Die Sounds von Funkstörung sind häufig kopiert worden, blieben aber unerreicht: Ausgetüftelte Klänge, raffiniert arrangiert, aber doch zu einem funktionierenden Groove zusammengeführt.

 

11. DEAD INDEED (Pascal Gabriel Mix)
Pascal Gabriel, allgegenwärtiger belgischer Produzent und Remixer (New Order, Bomb The Bass, Inspiral Carpets u.v.a.) und Verteter einer eigenen "Ambient Silence Theory", hängt für seinen Mix von "Dead Indeed" die Bässe noch ein bißchen tiefer. Seine Elektro-Dub-Meditation greift die Deepness Nils Petter Molværs auf und steht jeder zukunftsorientierten Club-Tanzfläche zu fortgerückter Stunde gut zu Gesicht.

 

12. MERCIFUL/LIGOTAGE (Incunabula Mix by Bill Laswell)
Die eindringlichen Sounds von Nils Petter Molvær sind auch ein gefundenes Fressen für Altmeister Bill Laswell. Sehr funky präsentiert er seinen "Incunabula Mix", für den er gleich zwei Titel Molværs verarbeitet: "Merciful" und "Ligotage". Laswells schwer groovender New Yorker Dub arbeitet behutsam Molværs Affinität zu Miles Davis heraus und offenbart große Musikalität im Umgang mit der Vorlage. Bill Laswell zählt zu den unumstrittenen Koryphäen der internationalen Musikszene und war maßgeblich an Produktionen von Stars wie Fela Kuti, Manu Dibango, Iggy Pop, Gil Scott-Heron, Afrika Bambaataa und Mick Jagger beteiligt. Zusammenarbeiten mit Shabba Ranks, den Jungle Brothers, Sly & Robby, Herbie Hancock, Carlinhos Brown und vielen anderen beweisen seine musikalische Bandbreite. Dabei ist es sein eigener spezieller Dubsound, der ihn berühmt gemacht hat, immer der neuesten Technik zugewandt und dennoch überaus warm produziert.

 

RECOLOURED - Das Artwork
Wie auch schon die limitierten Nils Petter Molvær-12-Inch-Maxis erscheint "Recoloured - The Remix Album" in der grafischen Gestaltung des norwegischen Künstlers Olav Christopher Jenssen, der abwechselnd in seinen Ateliers in Berlin und Lya/Schweden arbeitet. Jenssen gehört zu den namhaftesten abstrakten Malern der Gegenwart, seine Arbeiten sind in Museen und Ausstellungen in Deutschland, Norwegen, England und den USA vertreten. 1992 nahm er an der Documenta IX in Kassel teil.

 

Zur Nils Petter Molvaer Website geht`s hier : www.nils-petter-molvaer.com

 

RECOLOURED - Das 3-LP-Set
Das parallel erscheinende 3-LP-Set von "Recoloured - The Remix Album" enthält als Bonus-Tracks noch exklusive Remixe von Mental Overdrive, DJ Josh, Tommy Tee und Trulz/Robin.


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