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18.02.2005

Nils Petter Molvaer - Remakes

Nils Petter Molvaer, Nils Petter Molvaer - Remakes

"Recycle Or Die", sprach Nils Petter Molvær, als er 2001 sein Album "Solid Ether" zu "Recoloured" remixen ließ. Die Affinität einiger der Künstler (unter anderem Funkstörung, Bill Laswell und Matthew Herbert) zu seinem Material war dabei so groß, daß Nils Petter Molvær sie unlängst darum bat, auch Titel seines neuen Albums "NP3" zu bearbeiten. Außer ihnen haben Mark De Clive-Lowe, Bugge Wesseltoft und Raymond Pellicer (der die Bass-Loops auch auf dem "NP3"-Original programmiert hatte) die kontrastierenden Klangbilder von Molværs essenzieller dritter CD in neue Sound-Strukturen umformuliert.

So führen die elf Remixe auf "Remakes" die musikalische Reise Molværs in neue Spären, ohne die alten vollständig zu verlassen. Seine elegische Trompete, seine melancholischen Harmonien, sein ganz eigenes Timing ("Wenn man den Moment anhält, um ihn einzufrieren und auszuwringen") scheinen durch die Hommagen hindurch in neuem Gewand. Ein weiteres Recycle-Kunstwerk der elektroaffinen globalen Jazzgemeinde.

 

Nils Petter Molvær, norwegischer Trompeter, Komponist und Produzent, verbindet stilistische Extreme - Jazz, Ambient, House, Electronica und Breakbeats - und verschmilzt sie mühelos in überzeugende, tiefgründig intensive Klanglandschaften.

1960 im norwegischen Sula geboren, wurde Nils Petters Interesse an Jazz schon in jungen Jahren von seinem Vater, einem Musiker, geweckt. Nachdem er in Schulbands und örtlichen Clubs gespielt hatte, verließ er Sula 1979, um am Konservatorium in Trondheim Musik zu studieren. Dort entwickelte er seinen einzigartigen Stil und machte sich einen Namen als eines der bemerkenswertesten neuen Talente Norwegens.

 

Nils Petters musikalische Einflüsse sind eklektisch - er nennt Namen wie Miles Davis, Don Cherry, Billie Holiday, Brian Eno, Joni Mitchell und Bill Laswell. Sein Interesse an akustischer und elektronischer Musik ist der Grund für die Leichtigkeit, mit der er die Konventionen des Pop, Rock und Funk ebenso wie die des modernen Jazz handhabt. Diese einzigartige Sensibilität machte ihn schon bald zum gefragten Musiker in Oslo. Nach seinem Intermezzo mit der norwegischen Jazzcombo Masqualero wurde Nils Petter Manfred Eicher vorgestellt, der ihn in seine "Musikerriege" aufnahm und etwa für Studiosessions mit der ECM-Künstlerin Robyn Schulkowsky engagierte.

1997 präsentierte Nils Petter sein Debütalbum "Khmer", das sich auf eine bis dato noch nicht gehörte Mischung von Improvisation und hypnotisch drehenden Beats konzentrierte. Das Album erhielt außergewöhnlich hohe Aufmerksamkeit in den Medien und in der Öffentlichkeit und wurde u.a. mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und einem norwegischen Grammy ausgezeichnet.

 

Das mit Spannung erwartete Nachfolgealbum zu "Khmer" wurde im Mai 2000 von ECM veröffentlicht. Auf "Solid Ether" intensivierte Nils Petter seinen Dialog mit der Club Culture. Das Konzept hinter "Solid Ether" ist, daß ein Musikstück nie wirklich fertig ist und daß sowohl Produzieren als auch Komponieren sich ständig weiterentwickelnde Prozesse sind. "Äther existiert nicht, wie kann er also 'solide' sein? Es ist ein Paradoxon - wie das Leben."

Dieser Einstellung getreu ließ Nils Petter die Stücke von "Solid Ether" von gleichgesinnten Künstlern wie Funkstörung, Bill Laswell, Joakim Lone und Jason Swanson/Cinematic Orchestra remixen. Daraus entstand das Album "Recoloured - The Remix Album", das im April 2001 veröffentlicht wurde. "Ich liebe Raum und Poesie. Die Trompete braucht Raum, um ihre eigene Sprache zu kreieren, und Poesie kann minimalistisch sein und dabei Dinge sehr präzise ausdrücken. Die Remixer auf diesem Album erschaffen diesen Raum und drücken sich auf präzise, aber minimalistische, Art und Weise aus." Sie suchen nach Klarheit, der Essenz des Klangs.

 

Nils Petters Album "NP3" führt die Konzepte weiter, die er durch "Khmer" und "Solid Ether" entwickelt hatte, indem es deutlich unterschiedliche Elemente zusammenbringt, um kontrastierende Strukturen zu erschaffen. Eine große Rolle spielt auf "NP3" Nils Petters seelenvoller und kreativer Einsatz neuer musikalischer Technologien. "All diese neuen Werkzeuge sind an sich sowohl positiv als auch negativ. Wichtig ist das Timing - wann man den Moment anhält, um ihn dann einzufrieren und auszuwringen." Zeit verändert sich, Klang verändert sich, Musik verändert sich. "Ich gehöre zu einer Generation, die nicht mit den traditionellen Standards aufgewachsen ist, weshalb das nicht zum Geschmack meiner Tradition gehört."

So wie vor vier Jahren "Recoloured" wird auch "Remakes" wieder sowohl in der Jazz- als auch in der Clubszene großen Anklang finden.


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