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12.08.2016

Norah Jones - Day Breaks

Norah Jones betrat die Weltbühne im Februar 2002 mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Come Away With Me". Dieses "launische kleine Album" (so ihre eigenen Worte) stellte eine einzigartige neue Stimme vor und entwickelte sich zu einem globalen Phänomen, für das die Newcomerin 2003 fünf Grammys erhielt. Seitdem hat Norah weltweit über 45 Millionen Alben verkauft und insgesamt neun Grammy Awards gewonnen. Sie veröffentlichte eine Reihe von Soloalben, die nicht nur von der Kritik gefeiert wurden, sondern auch sehr gut beim Publikum ankamen: "Feels Like Home" (2004), "Not Too Late" (2007), "The Fall" (2009) und "Little Broken Hearts" (2012). Darüber hinaus nahm sie ausgefallene Alben mit den von ihr mitgegründeten Bands The Little Willies und Puss N Boots auf. Die 2010 erschienene Compilation "...Featuring Norah Jones" war ein Dokument ihrer erstaunlichen Vielseitigkeit und präsentierte sie in Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Künstlern wie Willie Nelson, Outkast, Herbie Hancock und den Foo Fighters.

Aber als Norah im Sommer 1999 von Texas nach New York City zog, hoffte sie eigentlich auf eine Karriere als Jazzsängerin und -pianistin. Schnell erhielt sie damals einige Engagements in diversen Restaurants und Clubs des Big Apple, wo sie Jazzstandards sang. Ungefähr zur selben Zeit lernte sie den Gitarristen Jesse Harris kennen, der später mit ihr auch an ihrem Debütalbum zusammenarbeiten sollte und ihr den Song "Don’t Know Why" schrieb, mit dem Norah der Durchbruch gelang. Durch Harris erhielt sie Zugang zur Singer/Songwriter-Szene, die ihre Heimat im Living Room an der Lower East Side von Manhattan hatte. Als Norah dann ins Studio ging, um "Come Away With Me" aufzunehmen, hatte sie sich klanglich schon weit vom Jazz entfernt und ihre eigene musikalische Nische gefunden. Doch ihre Jazzeinflüsse - von Bill Evans und Miles Davis bis zu Billie Holiday und Nina Simone - konnte sie trotzdem nie so ganz leugnen.

 

2014 reiste Norah nach Washington DC, um an dem historischen "Blue Note At 75"-Konzert teilzunehmen, das im Kennedy Center anlässlich des 75. Jubiläums des legendären Labels veranstaltet wurde. Seit der mittlerweile verstorbene Bruce Lundvall sie 2000 für das Label unter Vertrag genommen hatte, war Norah Mitglied der Blue-Note-Familie. Im Kennedy Center bestritt sie das Programm nun mit Größen wie McCoy Tyner, Wayne Shorter, Dr. Lonnie Smith und Robert Glasper. Ein inspirierendes Erlebnis für sie! Nachdem sie eine wunderbare Solo-Piano-Interpretation von Hoagy Carmichaels "The Nearness Of You" gespielt hatte, gesellte sich "eine der besten Band, mit der ich je gespielt habe" zu ihr auf die Bühne. Begleitet von Wayne Shorter am Saxophon, Brian Blade am Schlagzeug, John Patitucci am Bass und Jason Moran am Klavier gab sie eine atemberaubende Version des Jesse-Harris-Songs "I’ve Got To See You Again" zum Besten, der auf "Come Away With Me" erschienen war. Die aufregende Begegnung mit Wayne Shorters Quartett sollte Nachwirkungen haben. Sie inspirierte Norah zu ihrem neuen Album "Day Breaks", mit dem sich für die Sängerin ein Kreis schließt.

 

Denn für ihr bemerkenswertes sechstes Album ist sie zu ihren jazzigen Wurzeln zurückgekehrt. Zugleich aber wird sie auch wieder ihrem Ruf gerecht, eine der wegweisenden Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts zu sein, deren ureigene Musik die fundamentalen Stile der US-amerikanischen Musik widerspiegeln: Country, Folk, Rock, Soul, Blues und Jazz. "Day Breaks" ist zwar vom selben Geist beseelt wie "Come Away With Me", reflektiert aber auch die Reife, die Norah Jones in den vierzehn Jahren erlangte, die seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums verstrichen sind. Auf dem Album spielen Jazzberühmtheiten wie Wayne Shorter und Dr. Lonnie Smith sowie den Schlagzeuger Brian Blade, der auch schon auf Norahs Debüt getrommelt hatte und nun zu einer der tragenden Säulen des neuen Albums wurde.

 

"Diese Nacht im Kennedy Center hat mir unglaublich viel Spaß gemacht",  erinnert sich Norah. "Ich hörte so viele großartige Leute spielen, und es gab zwischen uns allen ein wirkliches Gemeinschaftsgefühl. Es war schön, wieder mit dieser Seite meiner musikalischen Geschichte in Verbindung zu treten. Danach legte ich eine Pause ein, weil ich mein erstes Kind bekam. Wenn ich mitten in der Nacht wach wurde, gingen mir Ideen durch den Kopf, die ich dann aufzunehmen versuchte, während ich das Baby stillte. Ich fing an, wieder öfter Klavier zu spielen. Wir haben ein Klavier in der Küche, und so entwickelte sich also diese spätnächtliche Küchenklavier-Geschichte. Die Songs, die ich im Laufe des nächsten Jahrs schrieb, entstanden alle am Klavier. Und so fügte sich diese Platte langsam in meinem Kopf zusammen." Neun der zwölf Originale wurden entweder von Norah alleine geschrieben oder zusammen mit ihren Songwriting-Partnern Sarah Oda und Pete Remm. Darüber hinaus interpretiert sie aber auch noch drei Songs von Horace Silver, Duke Ellington und Neil Young.

 

"Nach meiner ersten Platte verlor ich definitiv ein wenig den Bezug zum Klavier", erzählt Norah. "Ich spielte es noch, aber ich hatte einfach mehr Inspiration auf der Gitarre zu komponieren. Als ich nun all diese Songs am Klavier schrieb, war klar, dass ich sie auch auf dem Klavier spielen würde. Es waren keine wirklichen Gitarrenstücke. Und es machte mir Spaß, dieses Album am Klavier aufzunehmen."

 

Inspiration fand Norah beim Schreiben der Stücke durch eine ganze Reihe unterschiedlicher Jazzeinflüsse. "Ich hörte mir die Sorte von Jazzplatten an, die ich liebe und gerne selbst machen würde. Alben von Blossom Dearie und Shirley Horn oder Miles Davis’ ‘In A Silent Way’, das etwas komplett anderes ist! Aber es gibt da Elemente von all dem, was ich machen wollte: John Coltranes ‘Lush Life’, Charles Mingus’ ‘Haitian Fight Song’, es gibt gewisse Grooves und kleine Details von all diesen Alben, die ich hörte. Ich hörte auch viele Aufnahmen von Orgel-Trios, Soul-Jazz aus den 1960ern und Les McCanns Version von ‘Compared To What?’ lief ständig."

 

Schließlich begannen Norah und ihr Koproduzent Eli Wolf die Musiker für die Aufnahmen auszuwählen. Ganz oben auf der Wunschliste stand Brian Blade. "Ich bin seit Highschool-Zeiten ein riesiger Brian-Blade-Fan und als ich ihn das erste Mal sah, spielte er mit Joshua Redman. Brian hat für mich auf diesem Album eine zentrale Rolle. Er ist ein unglaublich guter Schlagzeuger. Ich wollte jemanden, der verschiedene Stimmungen und Stile beherrscht und dabei ganz natürlich ist. Ich wusste, dass er das schaffen würde." Da sie eine eingespielte Rhythmusgruppe haben wollte, holte sie auch Chris Thomas an Bord, den Bassisten von Blades Fellowship-Band. "Ich wollte nicht zwei Leute engagieren, die noch nie miteinander gespielt hatten. Ich wollte mich einfach einklinken und loslegen. Die ersten Sessions erstreckten sich über drei Tage, in denen wir sieben Songs aufnahmen. Nur Chris, Brian und ich am Klavier. Es war großartig, sehr magisch."

 

Das swingende "It’s A Wonderful Time For Love" entstand bei diesen ersten Sessions und ist auf dem Album auch in der ursprünglichen Trio-Version zu hören. Zu den bissigen Lyrics, die Norah mit ihrer langjährigen Freundin Sarah Oda schrieb, wurde sie durch die trostlosen Zustände in der heutigen Welt inspiriert. "Musikalisch war das Stück fertig, und ich hatte die Zeile ‘wonderful time for love’ im Kopf, wusste aber nicht, wie ich den Text zu Ende bringen könnte, ohne das Stück in ein Liebeslied zu verwandeln oder zu politisch zu werden. Ich setzte mich mit Sarah hin und wir probierten Verschiedenes aus, bis wir die Lösung gefunden hatten. Das hat Spaß gemacht." Das Stück "Tragedy" - dessen entspannte Vibes über das traurige Thema des Songs hinwegtäuschen - entstand auf ähnliche Weise. Norah lieferte den musikalischen Rahmen und die Hookline, und Sarah lieferte den restlichen Text. "Sarah hatte die Idee zu dieser Geschichte, und ich mag wirklich die Art und Weise, wie sie sie aufgebaut hat. Einige Zeilen sind wahre Poesie."

 

"Flipside", der rhythmisch schwungvollste Song des Albums, spricht ebenfalls ein gesellschaftspolitisches Thema an. An der Hammond-Orgel ist hier der einzigartige Dr. Lonnie Samith zu hören, ein Meister jazzig-groovender Musik. "Das, was in den letzten paar Jahren so in der Welt und in unserem Land passiert, hat mich wirklich beschäftigt", erläutert sie. "Es ist alles so unbeständig und verrückt geworden. Beim Groove orientierten wir uns hier an Les McCanns Version von ‘Compared To What?’. Das Stück war auch sehr politisch und kam sehr aus dem Bauch heraus."

 

Das gitarrengetriebene Titelstück "Day Breaks" hätte auch gut auf Norahs letztes Soloalbum "Little Broken Hearts" gepasst, das von Danger Mouse produziert worden war. Erinnerungen an "Come Away With Me" weckt vielleicht am ehesten die Nummer "Carry On". "Das ist einer dieser Songs, die ich Mitten in der Nacht am Klavier in unserer Küche geschrieben hatte. Die Stimmung erinnert ein wenig an mein erstes Album. Der Song war schnell eingespielt und ist sanft und hübsch."

 

Zwei Stücke - "Once I Had A Laugh" und das Neil-Young-Cover "Don’t Be Denied" - nahm Norah Jones nicht mit dem eigentlichen Rhythmusgespann des Albums auf, sondern mit Schlagzeuger Karriem Riggins und Bassist Vicente Archer sowie einer Bläsersektion bestehend aus Trompeter Dave Guy, Posaunist J Walter Hawkes und Tenorsaxophonist Leon Michels.

 

"Letzten Sommer hatte ich Gelegenheit, mit meiner Girl-Band Puss N Boots im Vorprogramm von Neil Young aufzutreten. Es war ein Heidenspaß", sagt Norah. "Don’t Be Denied" stammt ursprünglich von Youngs 1973er Live-Album "Times Fade Away". "Ich liebe diesen Song schon seit ein paar Jahren, er ist ein wenig obskurer", fährt Norah fort. "Es war nicht so ganz einfach, sich in den Song einzufinden, da er in der Ich-Form aus der Perspektive eines männlichen Jugendlichen geschrieben ist. Deshalb musste ich den Text etwas umschreiben, um die Geschichte aus der Perspektive eines Außenstehenden zu erzählen und sie von einem Mädchen handeln zu lassen. Damit konnte ich mich dann identifizieren." Für das Arrangement holte sie sich ihre Puss-N-Boots-Kolleginnen Sasha Dobson und Catherine Popper zur Hilfe, die hier die Background-Gesang beisteuern, sowie den Gitarristen Tony Scherr und Pete Remm an der Orgel. 

 

Die letzte Session für "Day Breaks" war kurioserweise jene, die sie als erste für das Album geplant hatte. Denn bei ihr arbeitete sie mit Wayne Shorter und seinen langjährigen Quartett-Partnern John Patitucci und Brian Blade zusammen. "Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich Wayne Shorter dazu bringen könnte, auf einem meiner Alben zu spielen", meint Norah. "Es war nicht völlig abwegig, da er einfach alles spielen kann. Er hat schließlich schon auf einer Menge von Pop Alben mitgewirkt. Er ist einfach ein wunderbarer Musiker und Mensch, der in jedwedem guten Kontext Musik machen kann."

 

 Mit dieser Band nahm Norah noch einmal den Horace-Silver-Song "Peace" neu auf, den sie solo für die EP "First Sessions" eingespielt hatte, die vor ihrem Debütalbum bei Blue Note erschienen war. "Es passte einfach alles, der Text, den ich selbst zu Silvers Komposition geschrieben hatte, handelt vom Frieden. Und jetzt war genau der richtige Zeitpunkt, um dieses Lied noch einmal aufzunehmen." Shorter spielt hier ein Sopransolo, das man noch lange im Ohr haben wird. Der Song bringt auf sublime Weise die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Blue Note unter einen Hut. Norah gesteht, dass es sie ein wenig nervös machte mit Wayne Shorter zu spielen. "Ich fühlte mich wohl, aber dann schoss mir die Frage durch den Kopf: ‘Was mache ich hier eigentlich?’ Ich hatte im Grunde das Wayne-Shorter-Quartett für die Aufnahme engagiert und ersetzte selber seinen Pianisten Danilo Pérez... ", erinnert sich Norah lachend. "Wayne spielt eigentlich nur, wenn er meint, etwas mitteilen zu können. Und das mag ich sehr an ihm. Ich war gerade mit dem Singen der Strophen fertig, als er plötzlich loslegte und sein wunderbares Solo spielte. Und ich begleite ihn und bin nur eine Armlänge von ihm entfernt. Ich war glücklicherweise selbst so in die Musik versunken, dass ich nicht zu viel darüber nachdenken konnte. Gott sei Dank spiele ich das Stück schon seit fünfzehn Jahren und kenne es deshalb wirklich ziemlich gut!"

 

Das Album endet mit einer atemberaubenden Version von Duke Ellingtons "Fleurette Africaine (African Flower)". Diesmal summt Norah einfach die Melodie, während Shorter erneut ein erhebendes Solo spielt. "Ich bin natürlich ein riesiger Duke-Ellington-Fan", sagt Norah Jones. "Ich liebe die Art wie er spielte und seine Songs sind absolut erstaunlich. Dieses Stück war total cool und anders, und es besaß die Stimmung, die ich wollte. Es ist eine wirklich schöne Meditation zum Abschluss des Albums."

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