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12.03.2008

Norma Winstone, Klaus Gesing & Glauco Venier - Distances

Norma Winstone Trio, Norma Winstone, Klaus Gesing & Glauco Venier - Distances

"Distances", Norma Winstones erstes ECM-Album seit rund vierzehn Jahren, ist ein in mehrfacher Hinsicht grenzüberschreitendes Werk. Dies fängt schon bei der internationalen Zusammensetzung des Trios an: Partner der britischen Sängerin sind hier der deutsche Baßklarinettist und Sopransaxophonist Klaus Gesing sowie der italienische Pianist Glauco Venier. Auch das Repertoire kennt keine Grenzen: es umfaßt Eigenkompositionen, Hommagen an John Coltrane und Pier Paolo Pasolini, Songs von Cole Porter und Peter Gabriel, Stücke, die ihre Inspiration italienischer Volksmusik und Erik Satie verdanken, einen freien Calypso und mehr. Daß Winstone, Gesing und Venier all dies bruchlos unter einen Hut bringen, spricht Bände über ihr Einfühlungs- und Improvisationsvermögen.

Für Venier und Gesing, die als Duo-Partner schon seit über einem Jahrzehnt zusammenspielen, ist diese Aufnahme ihr ECM-Debüt. Norma Winstone arbeitete erstmals vor acht Jahren mit den beiden Musikern zusammen und erkannte schon damals das Potential dieser Trio-Konstellation, bei der alle Beteiligten sich zu gleichen Teilen einbringen: "In meiner Musik muß es Kommunikation zwischen den Musikern geben", meint Winstone. "Ich versuche immer etwas zum Gruppenklang beizutragen und nicht diejenige zu sein, die begleitet wird." 2002 nahm das Trio in Udine/Italien für Universal Music bereits das Album "Chamber Music" auf. Und kammermusikalisch klingt natürlich auch ihr neues Album "Distances", das ebenfalls in Udine aufgenommen wurde. 2006 präsentierte sich das Trio beim Bath International Festival gemeinsam mit Jarrod Cagwin, dem Perkussionisten von Rabih Abou-Khalil.

Seit der ersten Einspielung hat das Trio noch mehr zueinander gefunden und sich rasant entwickelt. Venier und Gesing sind phantasievolle Komponisten und Winstone, die eine ebenso großartige Lyrikerin wie Jazzsängerin ist, schrieb zu den Kompositionen der beiden poetische Texte, die die Atmosphäre der Stücke unterstreichen. Genauso verstärken Venier und Gesing als Instrumentalisten aber auch die Bedeutung von Winstones Worten. Anders als Azimuth, Norma Winstones langjährigem Projekt mit Pianist John Taylor und Trompeter Kenny Wheeler, bei dem die Sängerin ihre Stimme vorwiegend instrumental einsetzte, ist dieses Trio eine Song-orientierte Band.

Die 1941 in London geborene Norma Winstone begann ihre Karriere in den 60er Jahren als eine der Pionierinnen der Vokalimprovisation. Große Aufmerksamkeit erregte sie in der Szene durch einen gemeinsamen Auftritt mit dem amerikanischen Multiinstrumentalisten Roland Kirk. Damals arbeitete sie aber vor allem mit wichtigen britischen Jazzmusikern wie Michael Garrick, Joe Harriott, John Stevens und Mike Westbrook zusammen. Zum Kreis der ECM-Künstler stieß sie 1977 mit Azimuth. Zwischen 1977 und 1994 nahm das Trio fünf Alben für ECM auf: "Azimuth" (ECM 1099), "The Touchstone" (ECM 1130), "Départ" (ECM 1163 - featuring Ralph Towner!), "Azimuth '85" (ECM 1298) und "How It Was Then... Never Again" (ECM 1538). Die ersten drei Alben wurden 1994 parallel zu "How It Was Then... Never Again" in einer CD-Box ("Azimuth", ECM 1546) neu aufgelegt. Unter ihrem eigenen Namen veröffentlichte Winstone bei ECM außerdem das 1986 mit John Taylor und Saxophonist Tony Coe eingespielte Album "Somewhere Called Home" (ECM 1337), auf dem sie u.a. Songs von Egberto Gismonti und Ralph Towner interpretierte, zu denen sie selbst Texte geschrieben hatte. Weitere ECM-Aufnahmen machte sie 1979 mit Eberhard Weber ("Fluid Rustle", ECM 1137) und 1990 mit Kenny Wheeler  ("Music For Large And Small Ensembles", ECM 1415). Darüber hinaus nahm sie unter ihrem Namen Platten mit u.a. Jimmy Rowles, George Mraz, Joe LaBarbera, Fred Hersch, Gary Burton, Steve Swallow und Colin Towns auf. Zuletzt war sie im Dezember 2006 mit den beiden britischen Jazzgrößen Stan Tracey (Piano) und Bobby Wellins (Tenorsax) im Studio, um das Doppelalbum "Amoroso... Only More So" für Trio Records einzuspielen.

Glauco Venier studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt Udine Orgel und Komposition und machte dort 1985 seinen Abschluß. Danach nahm er zunächst Privatunterricht bei dem Pianisten Franco D'Andrea und besuchte dann das Berklee College in Boston. Seit 1990 unterhält er eigene Bands und spielte schon mit international bekannten Musikern wie Enrico Rava, Lee Konitz, Kenny Wheeler, Joey Baron und Paolo Fresu.

Der Düsseldorfer Klaus Gesing, der 1988 den ersten Preis beim Wettbewerb "Jugend jazzt" in Nordrhein-Westfalen gewann, studierte an der Musikhochschule in Den Haag klassische Musik und Jazz. Den Feinschliff holte er sich danach bei Dave Liebman. Während er als Sopransaxophonist der Linie John Coltranes folgt, hat er als Baßklarinettist bereits einen unverkennbar eigenen Klang gefunden. Im Trio mit Winstone und Venier übernimmt Gesing mit dem Instrument oft die Funktion eines normalen Basses, schafft es aber auch fliegend zu lyrischen Soloeinlagen zu wechseln. Veniers Piano wiederum sorgt für den harmonischen Rahmen.

Am 24. Mai wird sich das Trio beim "Les signes parmi nous"-Festival im idyllisch gelegenen Schloß Elmau, rund 100 Kilometer südlich von München, präsentieren. Weitere Auftritte sind in Vorbereitung.


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