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04.12.2007

Hart arbeiten, damit es leicht klingt!

Orchester Ambros Seelos, Hart arbeiten, damit es leicht klingt!

Ich weiß es noch wie heute. Ich sehe den alten VW-Bus meines Bruders Bernt noch genau vor mir, mit dem er unsere Instrumente und unsere Anlage herum karrte, erinnere mich gut an all die Säle, die wir auf eigenes Risiko gemietet hatten, um überhaupt auftreten zu können. Wir saßen selbst an der Kasse und bei schlechtem Besuch spannten wir Stricke, um den Saal zu verkleinern. So sparten wir Gema-Kosten. Damals zählte jeder Pfennig. Damals vor 46 Jahren, als das Orchester Ambros Seelos gegründet wurde.

Ich werde oft gefragt, wie man dazu kommt, ein Orchester zu gründen, so nach dem Motto: Welche Ausbildung braucht man dazu? Meine Antwort: Musiker muss man sein, mit Leib und Seele, Begeisterung muss man mitbringen, Spaß daran haben.

Ich habe an der Musikhochschule Klassische Klarinette studiert und musste mir mein Studium nebenher verdienen, mit Musik natürlich. Und das bedeutete, alle möglichen und unmöglichen Jobs annehmen, an allen möglichen und unmöglichen Orten. Da passierte es schon mal, dass ich nachts in einer Bar mit einem Quartett spielte, am nächsten Morgen dann im Dom und nachmittags schließlich noch auf einem Gartenfest mit einer Blaskapelle. Ich spielte alle Musikrichtungen. Den größten Spaß aber hatte ich – damals wie heute – in Big Bands, die Tanzmusik machten.

Auf großen Festen spielen, Menschen in Stimmung bringen, mit vollem Sound einheizen – da liegt meine Leidenschaft. Ich erinnere mich an das erste größere Engagement des Ambros Seelos Orchesters im Nato-Offiziers-Club in Neapel. Drei Monate sollten wir dort auftreten. Kaum angekommen erhielten wir genaue Vorschriften, wie wir uns verhalten sollten: Nicht unter die Amerikaner mischen, nicht in den Pausen im Club bleiben, nicht an die Bar gehen, und und und. Dann aber kam unsere erste Show - und warf alles über den Haufen. Wir begannen mit „Moonlight Serenade“. Die Offiziere saßen mit ihren Frauen beim Essen, aber schon nach den ersten Takten standen sie auf, klatschten Beifall und feierten uns. Schon war Schluss mit den strengen Vorschriften. Die ganzen drei Monate über genossen wir mehr Privilegien im Club als die Amerikaner selbst... „Music makes the world go round.“

Aber zurück zu den Anfängen, zu meiner Studienzeit, in der ich schließlich zwei Jahre lang mit Paul Würges in einer deutschen Bill Haley Rock´n Roll Band durch die Lande zog. Danach gab ich mein Studium auf, spielte in verschiedenen Orchestern und gründete 1958 zusammen mit Hansl Bauer die „Jokers“. Hansl Bauer, der Erfinder des ersten Echogerätes in Deutschland, der „Echolette“, ist noch heute mein Freund.

Unsere musikalische Verbindung dauerte aber nur kurz; die Formation löste sich auf. Plötzlich war der Weg frei für ein eigenes Orchester, plötzlich lag es gewissermaßen in der Luft. Es wurde das Ambros Seelos Orchester aus der Taufe gehoben. Ein Sprung in kaltes Wasser, wie sich ziemlich schnell herausstellte. Glücklicherweise war mein Bruder Bernt nicht nur Besitzer eines VW-Busses, sondern auch Schriftsetzer. So konnten wir sogar die Plakate für unsere Auftritte selbst drucken.

Aber im Ernst: Ein Orchester auf die Bühne zu stellen, ist schwer. Du brauchst eine gute Visitenkarte, aber wie bekommt man eine solche? Gute Musiker bekommst du nur, wenn du Engagements vorweisen kannst und Engagements nur, wenn du gute Musiker hast. Mit Managern verhält es sich genauso. Und Veranstalter fragen sowieso zuerst danach, wo man denn schon überall gespielt hat.

Ein Teufelskreis, aus dem man ausbrechen muss, und zwar möglichst rasch. Ich wüsste auch heute kein besseres Rezept dafür als damals: Eigene Veranstaltungen aufziehen und pausenlos auf einer alten Reiseschreibmaschine, die ich heute noch habe, Offerten schreiben und überall hin verschicken. So kam es zu unserem ersten Engagement in Luxembourg.

Der Erfolg unserer Show war groß und ich bestellte auch andere Interessenten dort hin. Einer von ihnen wollte allerdings eine Band mit zwei Geigen, was uns vor größere Probleme stellte. Unser damaliger Trompeter spielte schlecht Geige und ich schaffte nur drei Titel... Wir brauchten also Zeit zum Üben. Ich hielt den Interessenten mit der Ausrede hin, unsere Geigen kämen erst mit dem Zug nach. Es nützte alles nichts. Als er drei Tage später unsere Geigen-Titel hörte, verschwand er sofort auf Nimmerwiedersehen...

Trotzdem, das Engagement in Luxembourg war ein Anfang, erste Schwimmbewegungen... Mein großes Vorbild war damals das Orchester Hazy Osterwald und meine Besetzung bestand aus vier Bläsern (Trompete, Trombone und zwei Saxophone) , Piano, Bass und Drums. Aber sieben Mann – das war zu dieser Zeit eine kleine Band. In vielen amerikanischen Clubs traten hauptsächlich Big Bands auf und in deutschen Lokalen ,wie z.B. dem „Walhalla“ in Wiesbaden oder dem „Cafe Stadt Wien“ in München spielten Orchester wie Kurt Edelhagen. Wir hatten nur eine Chance, in unserer kleinen Besetzung mitmischen zu können: Eine bessere Show. Unsere Show musste ziehen, besser sein als alle anderen.

Die Rechnung ging auf: Erfolge stellte sich ein. Zehn Jahre lang gastierten wir viel in der Schweiz und in Schweden. Besonders in Schweden, wo wir in einer ganzen Reihe von Fernseh-Shows auftraten, wurden wir bald zu regelrechten Publikumslieblingen. Mit dem Titel „Night Train“ wurde unsere Popularität sogar so groß, dass wir buchstäblich nirgendwo mehr hingehen konnten, ohne angesprochen zu werden.

Natürlich gab es auch Flops. So erhielten wir zum Beispiel nach unserem oben erwähnten Erfolg im Nato-Offiziers-Club in Neapel ein Re-Engagement für ein anderes Lokal in dieser Stadt. Aber der Veranstalter wollte uns schon nach vier Tagen loswerden. Warum, das haben wir nie so recht begriffen. Da wir aber für drei Monate im Voraus Wohnungen gemietet hatten, und auch kein Anschlussengagement vorlag, beharrten wir auf der Einhaltung des Vertrages – nichtsahnend, in welchem Mafia-Nest wir uns befanden. Gegen einen Schlägertrupp hatten wir schließlich keine Chance und so packten wir am neunten Tag unsere Instrumente ein. Die Folge war ein Prozess, der sich über sechs (!) Jahre hinzog, den wir letztendlich gewannen, der uns aber gerade noch die Anwaltskosten einbrachte. Außer Spesen (und Ärger) nichts gewesen!

Bessere Erfahrungen machten wir in Asien und Arabien, wo wir besonders in den 70er und 80 er Jahren viele Tourneen unternahmen. Wir waren oft in Manila, Hongkong, Bangkok, Bombay, Djakarta und Singapur. Auch die Emirate haben wir öfter besucht. Solche Tourneen geben einer Band immer wieder neuen Aufschwung, neue Impulse.

Zum Schluss noch ein Wort zur Musik: Als wir anfingen, waren Ami-Clubs die Hauptarbeitgeber für Bands wie das Ambros Seelos Orchester. Wir spielten die großen Hits von Glenn Miller, Count Basie, Duke Ellington, usw. Aber jedes Orchester hatte seine Spezial-Arrangements, auf einen eigenen Sound wurde damals besonders Wert gelegt. Heute sagen viele Musiker, das Publikum will nur noch genau die Musik hören, die es vom Radio oder von CDs her kennt. Ich bin anderer Meinung, glaube, dass man Leute immer noch mit eigenen Arrangements eher zum Zuhören bringt – und begeistern kann.

Eine Band oder ein Orchester, das Erfolg haben will, braucht seinen ureigenen Sound, seine spezielle Art, gute Nummern zu servieren. Musik muss verkauft werden. Immer wieder und immer wieder neu. Nach meinem Motto: „Hart arbeiten, damit es leicht klingt!“


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