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22.01.2008

Osvaldo Golijov

Der am 5. Dezember 1960 geborene Osvaldo Golijov wuchs in einer Familie osteuropäischer Juden im argentinischen La Plata auf; seine Mutter war Klavierlehrerin, sein Vater Arzt. Musikalisch wurde Golijovs Kindheit und Jugend durch klassische Kammermusik, jüdische liturgische und Klezmermusik sowie den neuen Tango von Astor Piazzolla geprägt. Nachdem er Klavier am örtlichen Konservatorium und Komposition bei Gerardo Gandini studiert hatte, ging er 1983 nach Israel. Dort studierte er bei Mark Kopytman an der Rubin Academy in Jerusalem und vertiefte sich in die gegensätzlichen Musiktraditionen dieser Stadt. 1986 ließ er sich in den USA nieder. Er promovierte an der University of Pennsylvania, wo er bei George Crumb studierte, und war als Schüler von Oliver Knussen Stipendiat in Tanglewood.

Anfang der 1990er Jahre begann Golijov eng mit zwei Streichquartetten zusammenzuarbeiten: dem St Lawrence String Quartet und dem Kronos Quartet. Es waren die ersten Ensembles, die Golijovs wechselhafte, kaum einzuordnende Musik in ihrer wahren, kompletten Gestalt zu Gehör brachten, und noch heute führen sie seine Musik regelmäßig auf. 2002 veröffentlichte EMI Yiddishbbuk, eine für den Grammy nominierte CD mit Golijovs Kammermusik; Anlass war das 10-jährige Jubiläum der Zusammenarbeit des Komponisten mit dem St Lawrence String Quartet. Das Kronos Quartet brachte drei Aufnahmen von Projekten mit Golijov heraus: The Dreams and Prayers of Isaac the Blind mit David Krakauer sowie Caravan und Nuevo. Das Kronos Quartet erweiterte zudem Golijovs musikalische Familie durch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie der rumänischen Zigeunerkapelle Taraf de Haidouks, der mexikanischen Rockgruppe Café Tacuba, dem Tablā-Virtuosen Zakir Hussain und dem legendären argentinischen Komponisten, Gitarristen und Produzenten Gustavo Santaolalla, mit dem Golijov weiterhin verschiedene Projekte durchführt. Während der letzten acht Jahre war Golijov besonders inspiriert durch die Stimme von Dawn Upshaw, für die er mehrere Werke komponierte: Three Songs for Soprano and Orchestra, die Oper Ainadamar, den Zyklus Ayre und Arrangements von Volksliedern.

Im Jahr 2000 eroberte die Uraufführung von Golijovs Markuspassion (La Pasión según San Marcos) die musikalische Welt im Sturm. Das Werk wurde von Helmuth Rilling für das Europäische Musikfest in Auftrag gegeben, das anlässlich des 250. Todestags von J. S. Bach stattfand; unter der Gesamtleitung von Maria Guinand musizierten die Schola Cantorum aus Caracas und das Orquesta La Pasión (das eigens für dieses Werk von Golijov und dem Schlagzeuger Mikael Ringquist zusammengestellt worden war). Die bei Hänssler auf CD erschienene Aufnahme der Uraufführung wurde 2002 für den Grammy und den Latin Grammy nominiert. Für die Uraufführung von Ayre gründete Golijov ein weiteres Ensemble von Virtuosen: »The Andalucian Dogs«. Zusammen mit Dawn Upshaw führten sie das Werk in der Zankel Hall auf und spielten es für Deutsche Grammophon ein. Die Aufnahme wurde unter großem Beifall im Januar 2006 veröffentlicht und mit einem Gramophone Award (2006) sowie einem Grammy (2007) ausgezeichnet.

Golijov erhielt zahlreiche Aufträge von renommierten Ensembles und Institutionen in den USA und Europa. Zu seinen vielen Auszeichnungen gehört auch ein Mac Arthur Fellowship. Außer den oben genannten Musikern arbeitet er noch mit vielen anderen Künstlern eng zusammen: mit Robert Spano und dem Atlanta Symphony Orchestra; mit dem Dirigenten Miguel Harth-Bedoya, der Sängerin Luciana Souza, den Cellisten Maya Beiser, Yo-Yo Ma und Matt Haimowitz sowie dem Schlagzeuger Jamey Haddad; mit jungen, vielseitigen Musikern wie Michael Ward-Bergeman, Gonzalo Grau, Ljova und Jeremy Flower; Ensembles wie dem Boston Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra und eighth blackbird; dem bildenden Künstler Gronk, dem Dramatiker David H. Hwang und dem Regisseur Peter Sellars, der 2005 an der Santa Fe Opera Ainadamar in einer ausverkauften, von der Kritik gefeierten Aufführungsserie auf die Bühne brachte.

Golijov war composer-in-residence beim Spoleto Festival (USA), der Reihe Music Alive des Los Angeles Philharmonic Orchestra und den Festivals von Marlboro und Ravinia, um nur einige zu nennen. Im November 2005 wurde er zusammen mit Marc-Anthony Turnage zum composer-in-residence des Chicago Symphony Orchestra für die Spielzeiten 2006/07 und 2007/08 ernannt. Mit dem Silk Road Project und Dawn Upshaw wird er in zwei pädagogischen Workshops in der Carnegie Hall arbeiten. Golijov ist außerordentlicher Professor am College of the Holy Cross in Worcester, MA, wo er seit 1991 lehrt, und gehört zudem zum Lehrkörper des Boston Conservatory.

Im Januar und Februar 2006 veranstaltete das Lincoln Center ein Festival unter dem Titel »The Passion of Osvaldo Golijov« mit wiederholten Aufführungen seiner großen Werke, Kammermusik, Tango- und Klezmer-Nächten und einem Abend in der Film Society. Anfang 2006 gab auch das Londoner Barbican Centre zwei Abende mit seiner Musik, und das Atlanta Symphony Orchestra führte die ganze Saison hindurch Werke von ihm auf. Im August 2006 kam das Cellokonzert Azul zur Uraufführung, gespielt von seinen Widmungsträgern Yo-Yo Ma und dem Boston Symphony Orchestra.

Im September 2006 wurde die Aufnahme von Ainadamar mit Dawn Upshaw und dem Atlanta Symphony Orchestra and Chorus unter Leitung von Robert Spano veröffentlicht. Die Einspielung erhielt viel Beifall und 2007 einen Prix Caecilia (Brüssel) sowie je einen Grammy in den Kategorien »Beste Aufnahme klassischer Musik der Gegenwart« und »Beste Opernaufnahme«.

Im April 2007 wurde Rose of the Winds, ein Auftragswerk für das Chicago Symphony Orchestra, von dem Orchester zusammen mit dem Silk Road Ensemble unter Leitung von Miguel Harth-Bedoya uraufgeführt. Osvaldo Golijov war im Sommer 2007 der erste composer-in-residence des New Yorker Festivals »Mostly Mozart«. Im Juli 2007 erschienen bei Deutsche Grammophon Aufnahmen von Oceana, Tenebrae und Three Songs. Golijovs »Muse« Dawn Upshaw wurde für ihre »großartige Leistung« (Los Angeles Times) gerühmt. Francis Ford Coppolas neuester Film, Youth Without Youth, für den Golijov die Musik komponierte, wurde im Oktober 2007 beim Filmfestival in Rom uraufgeführt; der Soundtrack kam bei Deutsche Grammophon heraus.

Zu Golijovs künftigen Projekten gehört eine von der Metropolitan Opera in Auftrag gegebene neue Oper.

Golijovs Werke werden bei Ytalianna Music Publishing verlegt.


2/2008


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