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30.05.2017

Otto

Egal, ob man seinen Namen vorwärts oder rückwärts liest: Otto bleibt Otto. Motor der Comedy-Szene. Versand skurrilster originellster Gags. Weltberühmter Ostfriese. Archetyp in der deutschen Unterhaltung. Im Großen und Ganzen sieht er heute immer noch so aus wie zu Beginn seiner Karriere vor über 50 Jahren: die langen blonden Fusselhaare (OK, etwas nach hinten gerutscht), der Schlabberlook, die Turnschuhe, das freche Dauergrinsen, die hellwachen blauen Augen.

2007 wählten die ZDF-Zuschauer den Komiker, Cartoonisten, Regisseur und Schauspieler zum drittbeliebtesten Spaßmacher aller Zeiten – nach Loriot und Heinz Erhardt, vor Anke Engelke, Hape Kerkeling und Michael Mittermeier. Das passt, denn die drei Babyboomer Kerkeling, Mittermaier und Engelke wuchsen in den 1970er Jahren mit der "Otto-Show" im Fernsehen auf. Keine Schulhofpause kam ohne Ottos Kult-Kalauer aus. Harald Schmidt? Michael "Bully" Herbig? Oliver Pocher? Sie hätten heute alle einen anderen Humor.

Rückblick: Nach dem Grauen des Kriegs war in den 1950er und 1960er Jahren in Deutschland Sendepause für Comedy. Hier und da kalauerte Erhardt in seinem "Bunten Abend" herum oder in irgendwelchen Boulevard-Komödien. Im Alleingang holte Otto dieses kolossale Entertainment-Genre aus der Versenkung, brachte die Tradition amerikanischer Stand-Up-Comedians wie Richard Pryor auf deutsche Bühnen. Damals nannte man ihn (hilflos angesichts seines schnellen überwältigenden Erfolgs) einen Blödelbarden.

Otto Waalkes wuchs in Emden auf, begann als junger Teenager Gitarre zu spielen, stand mit seiner ersten Band The Rustlers auf der Bühne. 1970 schrieb er sich in Hamburg an der Kunsthochschule ein. In der blühenden Hamburger Szene umtriebig, wohnt er mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in einer WG. Seine ersten Erfolge feiert er im Eimsbüttler Folk-Club Danny´s Pan, wo vor ihm schon Sänger wie Reinhardt Mey und Hannes Wader auftraten. Vor allem seine clownesken Ansagen kommen hier beim Publikum an – weit besser als seine Songs – und Otto beginnt sein Programm umzustellen. 1972 hat er seinen ersten großen Solo-Auftritt im Hamburger Audimax. Daraus wird eine LP, "Otto Live", nicht lang danach läuft die erste "Otto-Show" im Fernsehen. In den folgenden zehn Jahren geht er rund ein Dutzend Mal mit seiner One-Man-Show auf Tournee. Kurze Versionen seiner Auftritte laufen im TV und erscheinen auf Schallplatten, es folgen diverse Bücher. Mit seinen Ottifanten erschafft der Cartoonist ein Animations- und Merchandise-Imperium. Sogar auf der Kinoleinwand läuft es rund: "Otto – der Film" bricht 1985 sämtliche Zuschauerrekorde und ist bis heute ein Bestseller, gefolgt 1989 von "Otto – der Außerfriesische". In seiner 13-teiligen TV-Show "Otto – die Serie" recycelt er zur Mitte der 1990er den britischen Krimi-Autoren Edgar Wallace. Zur Jahrhundertwende tritt er mit seiner Band Die Friesenjungs am Brandenburger Tor auf.

Neben seinen klassischen Soloprogrammen setzt Otto dann immer mehr auf Teamarbeit. Seine jüngeren Kinofilme "7 Zwerge – Männer allein im Wald" (Goldene Leinwand für drei Millionen Zuschauer), "7 Zwerge – der Wald ist nicht genug" und "Ottos Eleven" (2010) drehte er mit dem Regisseur Sven Unterwaldt.

Am 30. Dezember 2015 feierte Otto sein 50. Bühnenjubiläum im ZDF mit einer zweieinhalbstündigen Show-Gala. Moderiert von Johannes B. Kerner, traten auf der Tribute-Party Weggefährten und stilistische Erben auf: "Viele Otto-Sketche, Lieder, Reime und Geräusche gehören längst zum kollektiven Gedächtnis, sind Kulturgut geworden und werden sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern auswendig zitiert" erklärte der Sender.



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