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28.04.2011

Biografie 2011

Im November 2009 stand Adam Young, der 24-jährige Mastermind von Owl City, geboren und aufgewachsen im verschlafenen Owatonna (Einwohnerzahl: 25.000) im Staat Minnesota, auf der Chinesischen Mauer – und das, nachdem er erst ein Jahr zuvor zum ersten Mal überhaupt in einem Flugzeug gesessen hatte. „Ich zückte natürlich sofort mein Telefon und rief bei meiner Mutter an, obwohl es in Minnesota wohl zwei Uhr morgens gewesen sein muss. Dann sagte ich zu ihr: ‘Du errätst niemals, wo ich mich gerade befinde’“, berichtet Adam und muss selbst über diese Anekdote lachen. „Ich bin halt ein eher schüchterner Typ, der mitten im Nirgendwo aufgewachsen ist; und meine Eltern verfügten nun mal nicht über das nötige Geld, um großartig in Urlaub zu fahren – daher fühlte es sich einfach nur surreal an, plötzlich an so einem Ort zu stehen.“

Dabei war dieser Moment auf der Chinesischen Mauer nur einer vielen, eine von etlichen neuen Erfahrungen, die der bescheidene 24-Jährige in den vergangenen zwei Jahren gemacht hat, seit Owl City mit dem Album „Ocean Eyes“ durchgestartet sind und die internationale Poplandschaft erobert haben. Das Major-Debüt von Owl City erschien im Sommer 2009 auf Universal Republic: Adam hatte die grandiosen Beats, gepaart mit eingängigen Melodien, im Alleingang im Keller seines Elternhauses in Owatonna aufgenommen – und hatte mit „Ocean Eyes“ mal eben Platz #1 in diversen Billboard-Charts (Rock, Alternative und Dance/Electronic) belegt. Dazu wurde der Longplayer in neun Ländern mit Gold oder Platin ausgezeichnet, Platin gab’s beispielsweise in den Staaten. Allein die erste Singleauskopplung „Fireflies“ wurde in den USA vierfach mit Platin ausgezeichnet und ging in sage und schreibe 24 Ländern auf Platz #1 der Charts; in den Staaten kehrte der Track sogar noch ein zweites Mal an die Chartspitze zurück, dazu verkaufte sich „Fireflies“ über vier Millionen Mal als Download. Spätestens damit waren Owl City eine internationale Sensation. Und so verkaufte Adam nicht nur 12 Millionen Tracks, sondern teilte sich, unterstützt von einer fünfköpfigen Band, auch immer größere Bühnen: Owl City traten unter anderem im Vorprogramm von Maroon 5 und John Mayer auf, um danach ausverkaufte Tourneen in den Staaten, in Europa, Australien, Neuseeland und Japan zu spielen.

Die Erlebnisse der letzten zwei Jahre schildert Adam Young noch einmal äußerst bildhaft in den eingängigen Electropop-Hymnen, die er für das neue Album „All Things Bright And Beautiful“ aufgenommen hat. „Als ich ‘Ocean Eyes’ schrieb, saß ich die ganze Zeit über in meinem Schlafzimmer. Das war die Perspektive: Ich konnte mir nur vorstellen, wie es sich wohl anfühlen würde, all diese Orte zu besuchen“, berichtet Young. „Dieses Mal habe ich ganz konkrete Erfahrungen in den Stücken verarbeitet. Ich konnte all das einfließen lassen, was in meinem Leben passiert ist. Daraus entstanden also die Songtexte, aber auch ganz allgemein die Stimmungen, die ich in den einzelnen Songs präsentiere. Dabei ist es immer die Musik, die vorgibt, in welche Richtung der jeweilige Songtext gehen muss. Ich setze mich einfach ans Klavier und gehe in mich, und dann passiert alles wie von selbst.“

 

Auf „All Things Bright And Beautiful“ verbinden sich die Melodien und Songtexte so, dass man als Zuhörer das Gefühl bekommt, in eine vollkommen andere Welt einzutauchen – in ein musikalisches Traumland, grün und voller Wildwuchs, ein Ort, über den er sagt: „reality is a lovely place, but I wouldn’t want to live there“, an dem die gewöhnliche Realität also keine Option darstellt, wie Adam schon auf dem ersten Track „The Real World“ klarstellt. Üppige Szenarien, ein Garten voller Schmetterlinge zum Beispiel (wie im Fall von „Honey And The Bee“), ein ganzer Raum voller Blüten („Hospital Flowers“) oder schillernde Sonnenuntergänge, „sunsets that dazzle in the dusk“ („Dreams Don’t Turn To Dust“) evoziert er in seinen Songs; dazu auch abstraktere Bilder: „Cherrybombs“, Knaller also, die rote Farbspritzer auf Amseln hinterlassen („Kamikaze“) oder das Gefühl, seine Zehen einfach mal ins Universum einzutauchen („Alligator Sky“).

Adam Young beginnt das neue Album mit dem Stück „The Real World“, weil er darin gewissermaßen beschreibt, wie er zu derartigen Fantasiewelten ganz allgemein steht: „Es ist nicht so, dass ich vollkommen ausblenden will, was um mich herum geschieht“, erzählt er. „Aber ich bin schon eher der Typ, der nachts wach im Bett liegt und Wachträume hat. Wie ein Regisseur, der sich einen Streifen im Kopf ausmalt und die Szenen im Kopf durchspielt. Ich finde das unglaublich inspirierend und irgendwie sogar wertvoller als alles, was ich wirklich durchlebt habe. So gesehen zeichne ich mit dem Song also ein Bild davon, wie mein Leben in einer Parallelwelt wohl aussehen könnte.“ Interessanterweise lässt er den Song „Deer In The Headlights“ direkt auf „The Real World“ folgen, ein verspieltes Stück über Erwartungshaltungen und das zwanghafte Gefühl, der perfekte Typ sein zu müssen. „Das ist meine Art, mir selbst noch mal zu sagen: ‘Hey, aufwachen, diese Art von Perfektion gibt es doch gar nicht.’ Ich habe diese beiden Songs direkt aufeinander folgen lassen, weil ich damit sagen will, dass man in einer Welt bleiben und damit zwar glücklich sein kann, schließlich sieht die Realität doch oft ganz anders aus als das, was man als Idealwelt bezeichnen würde.“

Ein absolutes Highlight ist die erste Single „Alligator Sky“, bei der auch der aus Los Angeles stammende Rapper Shawn Crystopher mit von der Partie ist. „Die Worte ‘Alligator’ und ‘Sky’ passen einfach nicht so recht zusammen, aber es entsteht gerade dadurch ein abstraktes Bild, das zur Aussage des Stücks passt“, meint Young. „Es geht nämlich darum, dass man Tag für Tag so unglaublich vielen schrägen Dingen begegnet. Warum nicht einfach frontal drauf zugehen und mal selbst die Regie übernehmen, auch wenn man das eigentlich gar nicht kontrollieren kann? Schließlich darf man nicht vergessen, dass man selbst und die Menschen, die einen umgeben, das Wichtigste sind.“

Mit jedem einzelnen Song, sogar den eher düsteren wie „Dreams Don’t Turn To Dust“ oder „Plant Life“ (hier singt er davon, dass die Pflanzenwelt ihn umranken und einfach verschlucken soll, damit er sich „nicht mehr so tot fühlt“), zeigt Young, dass er durch und durch Optimist ist: Seinen Zuhörern vermittelt er durchweg, dass es einen noch so hart treffen kann – es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. „Ich würde mich seltsam fühlen, wenn ich etwas anderes als diese positive Message zum Ausdruck bringen würde, denn so ticke ich nun mal“, erzählt er. „Ich wusste schon immer, dass Owl City ein Ventil für eine positive Sicht der Dinge sein soll. Auch was meine eigenen Hörgewohnheiten betrifft, mag ich Musik, die in diese Richtung geht, die einen anspornt und aufbaut. Es gibt Melodien, die höre ich und weiß danach einfach, dass ich ein besserer Mensch sein könnte.“

Auch klanglich hat Adam Young seine Palette für „All Things Bright And Beautiful“ erweitert: Auf „Kamikaze“ präsentiert er beispielsweise eine ganz andere und sehr viel härtere Seite seiner Stimme; bei „Dreams Don’t Turn To Dust“ sind es majestätische Streichereinlagen, euphorisch klingendes Dancefloor-Tempo im Fall von „The Yacht Club“ (ein Track übrigens mit Gast-Vocals der kanadischen Sängerin Lights) oder ganz klassischer Klavier-Popsound bei „Plant Life“, das er gemeinsam mit Matthew Thiessen von der Band Relient K geschrieben hat. Die Experimentierfreude resultiert wohl daraus, dass Young in den letzten zwei Jahren sehr viel an Selbstbewusstsein als Songschreiber, Produzent, Toningenieur und Musiker dazu gewonnen hat. Wie schon bei „Ocean Eyes“ übernahm er die Produktion zunächst im Alleingang, um schließlich alles gemeinsam mit Mischpult-Veteran Jack Joseph Puig in die endgültige Form zu bringen. „Was die eigentliche Produktion der Platte betrifft, den Gesamtsound also, waren das klangliche Spektrum und die Zusammensetzung der Stücke dieses Mal sehr viel wichtiger“, erzählt er weiterhin. „Ich wusste von Anfang an, dass die neue LP satter und dynamischer klingen sollte als ‘Ocean Eyes’, also hab ich mich auch intensiv mit technischen Dingen befasst, um das zu erreichen. Ich musste noch ein paar Dinge lernen, um die Sounds auch wirklich kreieren zu können, die mir da vorschwebten."

Adam Young hat wahnsinnig viel erreicht, seit er seine ersten musikalischen Experimente bei MySpace und YouTube hochgeladen hat; ein paar Klicks, die zugleich der Startschuss für eine Karriere waren, die gleichermaßen von Online-Rückenwind und viel Airplay angekurbelt wurde, so dass die New York Times sie sogar als Paradebeispiel dafür bezeichnete, „dass es heute sowohl neuer als auch alter Medien bedarf, um aus einem Künstler einen richtigen Star zu machen.“ Bevor er zur Online-Sensation avancierte – wir reden hier von 98 Millionen Plays bei MySpace, dazu über 18,5 Millionen Views bei Vevo bzw. YouTube – war Adam Young einfach nur der Sohn eines Mechanikers und einer Lehrerin, ein Einzelkind, das ganz unspektakulär aufs Community College ging und nebenher irgendwelche Jobs hatte; zuletzt stand er den ganzen Tag in einer Lagerhalle und verlud Coca-Cola-Kisten auf die Lastwagen der Firma. Im Kampf gegen seine Schlaflosigkeit begann er schließlich damit, eigene Beats und Melodien auf seinem Laptop zu kreieren, so erschien 2007 seine erste EP „Of June“ sowie wenig später das Album „Maybe I’m Dreaming“ (2008), das genau wie die EP auf Anhieb in die Top-20 der US-amerikanischen Electronic-Charts ging.

Anfang 2008 trat dann Universal Republic an Adam bzw. Owl City heran, zu einem Zeitpunkt also, als er schon eine riesige Online-Community als Fangemeinde um sich versammelt hatte. Seither hat er nebenher auch Akustik-Tracks unter dem Namen Sky Sailing veröffentlicht und war z.B. als Gast auf dem Album „Mirage“ (2010) von Armin van Buuren zu hören. Darüber hinaus beauftragte ihn der Hollywood-Regisseur Zack Snyder („300“, „Watchmen – die Wächter“) damit, die Titelmelodie für den Animationsfilm „Die Legende der Wächter“ zu komponieren. Der so entstandene Track „To The Sky“ wurde zum Kernstück des Soundtracks, an dem auch der mehrfach für einen Oscar nominierte Komponist David Hirschfelder mitgewirkt hat.

Nach diesen Abstechern in andere Gefilde konzentriert sich Adam momentan jedoch wieder voll und ganz auf ein einziges Projekt: Owl City.  Nach der Albumveröffentlichung am 10. Juni werden Owl City zunächst eine US-Tour absolvieren; und selbst wenn er anfangs seine Schüchternheit und seine Ängste überwinden musste, kann er es inzwischen kaum abwarten, die neuen Songs endlich den Fans live zu präsentieren. „Das Gefühl, das sich einstellt, wenn man um die halbe Welt fliegt, um in einem ausverkauften Raum zu spielen, in dem sämtliche Kids die Texte auswendig kennen und sie mitsingen können, obwohl sie eigentlich nicht mal deine Sprache sprechen, ist wirklich mit nichts zu vergleichen“, berichtet er abschließend. „In solchen Momenten tritt man dann kurz einen Schritt zurück und sagt sich: ‘Hey, ich bin doch nur ein ganz normaler Typ. Unfassbar, was hier gerade passiert.’“

 


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