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13.10.2010

Rauchzarter Racker: Paolo Conte

Paolo Contes Stimme ist wie guter Whisky, der erst mit zunehmendem Alter sein ganzes Aroma zu entfalten beginnt. Den Beweis liefert “Nelson”, das neue Album des mittlerweile 73-Jährigen.

Paolo Conte, Rauchzarter Racker: Paolo Conte © by Alessandro Menegatti

Schnauzbärtig, bärbeißig dreinschauend, die linke Augenbraue skeptisch hochgezogen, die Stirn von tiefen Falten zerfurcht - so kennt man Paolo Conte scheinbar seit Urzeiten von Fotos. Hinter der fast schon furchteinflößenden Maske - wie die rauchig-raue Stimme eines seiner Markenzeichen - verbirgt sich allerdings ein außergewöhnlich sensibler und warmherziger Poet mit Hang zu melancholischen Betrachtungen, die gelegentlich mit einer Prise Ironie oder Sarkasmus gewürzt sind. 73 Jahre alt ist Paolo Conte im Januar geworden, und gut die Hälfte dieser Zeit ist er nun schon ein Cantautore, wie man die singenden Songwriter in seiner Heimat Italien nennt. Seit 1974 erfreut er mit seinen Geschichten ein ständig wachsendes Publikum. Nun hat er für sein Album “Nelson” fünfzehn neue Episoden vertont, zu denen ihn wahre Begebenheiten, aber auch literarische oder filmische Vorlagen und Kunstwerke inspirierten.

Paolo Conte wird immer wieder als musikalischer Nostalgiker bezeichnet, weil er seine eigenen Kompositionen auf einem Fundament aus Stilelementen errichtet, die in den frühen Dekaden des 20. Jahrhunderts populär waren. Neben alten Jazzidiomen haben ihn vor allem argentinische Tangos und Milongas, französische Chansons, Cabaret-Lieder und natürlich auch die Canzoni seiner Heimat Italien geprägt. “Man redet in Verbindung mit meinen Songs immer wieder von Nostalgie, aber ich finde das nicht wirklich zutreffend”, stellt Conte klar. “Denn nostalgische Gefühle hegt man für etwas, das man selbst erlebt hat. Ich habe aber ein besonderes Interesse für die Zeit vor meiner Geburt, insbesondere die 1920er Jahre.”

Tatsache ist, dass Conte sich seit den 1960er Jahren, als er seine Musikkarriere als Vibraphonist begann, ein einzigartiges Faible für frühe Jazzstile bewahrt hat. Auch auf seinem neuen Album “Nelson” gibt es wieder zahlreiche Songs, die er mit der Patina des swingenden Jazz der 1920er und 1930er Jahre überzogen hat. Unter diese jazzigen Titel mischte er aber auch munter einen frankophonen Chanson, Lieder mit südamerikanischem Flair (Bossa Nova, Mambo und Tango) sowie ein Stück, das halb Blues, halb Cabaret-Musik ist. Doch Conte schwelgt nicht nur in Klängen aus vergangenen Zeiten. Im poppigen “C’est beau” (wo er Gaststar Laura Conti und seinem Bassisten Jino Touche den Lead-Gesang überließ) und vor allem in “Sarah” experimentiert er behutsam auch mit modernen Stilformen und Grooves.


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