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03.05.2002

Unbestimmbar in Genre und Beklemmung

Patricia Highsmith, Unbestimmbar in Genre und Beklemmung

Die Krimiautorin Patricia Highsmith veröffentlicht sieben Jahre nach ihrem Tod ein neues Werk in Buch- und CD-Form - und daran ist nichts Gruseliges.

Sie gilt als eine der größten Krimiautorinnen aller Zeiten - aber die Bezeichnung hat Patricia Highsmith stets abgelehnt: "Ich kann diese Etiketten nicht ausstehen", verriet sie noch kurz vor ihrem Tod in einem Interview, "und ich glaube, kein Schriftsteller mag sie. Diese Klassifizierungen sind zur Bequemlichkeit der Verleger und Buchhändler erfunden worden, damit der Buchhändler weiß, wo er seine Bücher einordnen soll." Die 1995 verstorbene Texanerin war keine einfache Frau, sondern eine, die gern aneckte: Im College war sie politisch engagiert, trat aber aus der kommunistischen Partei aus, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Oder zum Malen, so ganz sicher war sie sich anfangs nicht, wo ihr Talent läge. Dass ihre Entscheidung für die Literatur richtig war, zeigte sich schon 1950, als die damals 29-Jährige "Zwei Fremde im Zug" an Alfred Hitchcock verkaufte, der den Psychothriller schon im nächsten Jahr ins Kino brachte. Ihr berühmtestes Werk ist jedoch der Ripley-Zyklus, dessen erster Band "Der talentierte Mr. Ripley" als "Nur die Sonne war Zeuge" mit Alain Delon verfilmt wurde.

 

Patricia Highsmith schrieb Krimis, aber auch Kinderbücher und Kurzgeschichten. Typisch ist für ihren Stil der Hang zur Skurrilität und der selbst in ihren Kindergeschichten vorhandene sarkastische Unterton, den sie auch im hohen Alter nicht verlor, ihn vielleicht sogar noch verschärfte. 1992, drei Jahre vor ihrem Tod, erschien der letzte Band, "Ripley Under Water".

 

Jetzt aber kann man eine ebenso ganz neue wie längst vergessene Patricia Highsmith entdecken, die ganz junge nämlich. Der Diogenes-Verlag hat im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern rund 8000 Seiten private Aufzeichnungen, Notizen und frühe Geschichten der "Dichterin der unbestimmbaren Beklemmung" (Graham Greene) aus der Zeit von 1938 bis 1949 gefunden, die jetzt als "Die stille Mitte der Welt" in Buchform erscheinen. Parallel dazu veröffentlicht die Deutsche Grammophon den Band als Hörbuch, gelesen von Eva Mattes und Gerd Wameling. Keine so ungewöhnliche Idee eigentlich, wenn man bedenkt, dass selbst Romanheld Ripley ein großer Fan des Gelblabels war: Nach seinen Morden entspannte er gern bei einer schönen Platte mit Dietrich Fischer-Dieskau.


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