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14.10.2011

Spanische Melancholie trifft auf französische Finesse

Das neue Album von Patricia Petibon “Melancolia” ist mehr als ein musikalisches Abziehbild Spaniens. Erneut überrascht die französische Sopranistin mit ihrer vielschichtigen künstlerischen Persönlichkeit.

Patricia Petibon, Spanische Melancholie trifft auf französische Finesse © Felix Broede DG

Patricia Petibon geht ihren eigenen Weg. Und erneut beweist die Künstlerin dabei ihre Musikalität, Stilsicherheit und Vielseitigkeit im Repertoire auf ganz individuelle Art: “Melancolia”, ihr neues Album, beinhaltet eine Auswahl spanischer Arien und Lieder. Klar, der Zusammenhang zwischen Inhalt und Titel der CD erschließt sich auf den ersten Blick: Spanien, Flamenco, Leidenschaft, Melancholie ... all das enthält dieses Album. Doch wer noch etwas genauer hinsehen und hinhören mag, findet hier auch die Eigenwilligkeiten, mit denen die französische Sopranistin seit ihrem Erscheinen auf der Szene für helle Freude bei Fans und Kritikern sorgt. Man entdeckt eine vielschichtige künstlerische Persönlichkeit, die sich nicht nur auf den Wohlklang gängiger Bravour-Arien festlegen möchte.

Französisch-Spanischer Austausch

Mit ihrer Werkauswahl gibt sich die studierte Musikwissenschaftlerin Patricia Petibon zu erkennen. Die sorgfältig ausgewählten Lieder und Arien auf “Melancolia” entstammen der einzigartigen Phase künstlerischen Aufbruchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der wir auch die Werke Dalís, Picassos, Mirós und Bunuels verdanken. “Es ist kein Zufall”, so Petibon, “dass ich als Französin von Spanien fasziniert bin. So viele Künstler und Komponisten kamen nach Paris, und es gab wechselseitige Einflüsse zwischen ihnen und den französischen Künstlern.” Ähnlich wie Picasso in seinen Bildern mit traditionellen Stierkampf-Motiven griffen spanische Komponisten wie Granados, de Falla oder Torroba die Volkskunst des Flamenco und die von der italienischen Oper verdrängte Zarzuela wieder auf und hauchten ihrer Musik mithilfe der kompositorischen Errungenschaften französischer Modernisten wie d'Indy, Debussy und Ravel neues Leben ein. So gewann Spanien eine neue musikalische Identität, die wiederum Werke wie Maurice Ravels “Bolero” und Claude Debussys “Iberia” anregte.

Patricia Petibons authentische Kunst

Dieser weltoffenen und zugleich traditionsbewussten spanischen Musik nähert sich Petibon auf eigene Weise “Ich wollte keine künstliche spanische Identität annehmen, sondern die spanische Seele erspüren, ohne mich selbst dabei zu verstecken.” Und das muss sie auch nicht. Denn die leidenschaftliche und gefühlvolle Musik auf “Melancolia” entspricht der Sängerin, die von sich sagt, nur Singen interessiere sie nicht. Es geht ihr um Ehrlichkeit. “Da gibt es”, so Petibon, auch “Sprödigkeit, die Stimme wird eingesetzt, um Gefühle auszudrücken, es geht nicht einfach nur um Wohlklang.” Im Zusammenspiel zwischen dem reichen vokalen Farbspektrum Patricia Petibons und dem Orquesta Nacional de Espana unter Leitung von Josep Pons entsteht auf “Melancolia” ein authentisches klangliches Abbild Spaniens zwischen Flamenco, Zarzuela und Moderne: rau und feinsinnig, volkstümlich und anspruchsvoll, melancholisch und doch dem Leben zugewandt.

Zeitgleich zu „Melancolia“ erscheint Alban Bergs Oper „Lulu“ mit Patricia Petibon in der Titelrolle. Die Live-DVD ist eine Aufzeichnung der Produktion aus dem Gran Teatro del Liceu in Barcelona im Jahr 2010. Die Regie führte Oliver Py und in weiteren Rollen waren Franz Grundheber und Julia Juon erschienen.


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