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Paul Motian, Time And Time Again, 00602517011373

Time And Time Again

Format:
CD
Label:
ECM Records
VÖ:
02.03.2007
Bestellnr.:
00602517011373
Produktinformation:

Seit sie 1981 auf dem Quintett-Album "Psalm" (ECM 1222) erstmals miteinander spielten, haben Paul Motian, Bill Frisell und Joe Lovano sich immer wieder zusammen- getan, um neue Musik zu machen oder, wie Frisell es formuliert, alte Musik zu erneuern. Tatsache ist, daß bei Paul Motian die Grenzen zwischen "alt" und "neu" verschwimmen. Trotz seiner nunmehr 76 Jahre ist Motian ein durch und durch moderner Jazzmusiker, der aber zugleich einen immensen Teil der Jazztradition verkörpert. Außerdem ist er ein Schlagzeuger und Komponist mit einem ganz eigenen Sinn für Time.

Als sein größtes musikalisches Vorbild nannte Motian stets den Pianisten und Komponisten Thelonious Monk, mit dem er vor über 50 Jahren noch selbst zusammenspielte. Inspiriert haben ihn nicht nur Monks hinreichend bekannte Widerspenst- igkeit und künstlerische Unabhängigkeit, sondern auch dessen rhythmische Extravaganz. Wenn man hört, wie das Trio hier Monks "Light Blue" spielt, wird deutlich, daß sich Motian dessen rhythmische Verschiebungen angeeignet hat, um die Musik in Bewegung zu halten und immer wieder für neue Überraschungsmomente sorgen zu können.

Das Trio Motian/Frisell/Lovano, das nun schon seit 23 Jahren existiert, hat ein Vokabular entwickelt, in dem der Puls selten explizit gespielt wird, und dennoch tänzeln die Stücke in einer einzigartigen, luftigen Weise. Die dynamische Bandbreite dieser treibenden, fließenden Musik ist größer denn je zuvor und die Instrumente wechseln beinahe ständig die Rollen. Das Ensemble, das in dieser Konstellation wirklich einzigartig ist, kann man sofort an seinem Klang erkennen: dieser ist zugleich abstrakt, zärtlich, robust und flüchtig. Themen knospen aus  kollektiven Improvisationen und verblühen schon kurz danach wieder. Frisell und Lovano tauschen konstant Melodielinien miteinander aus, und Motian, der exquisite Farbkünstler, folgt den Ton- und Strukturwechseln hellwach. Das intensive und delikate Zusammenspiel reißt nie ab, und Manfred Eichers kristallklare Produktion hat diese Interaktionen brillant eingefangen.
 
"Time And Time Again" wurde 2006 in New York aufgenommen und ist mehr als nur ein würdiger Nachfolger des 2004 erschienenen Albums "I Have The Room Above Her". Die neuen Stücke stammen wieder einmal vorwiegend von Paul Motian selbst. "Ich bin nicht gerade ein Cole Porter", spielte Motian kürzlich in einem Interview mit dem Magazin Modern Drummer seine kompositorischen Fähigkeiten herunter, "aber ich finde im allgemeinen, wonach ich suche." Der Schlagzeuger fing erst im reifen Alter von 41 Jahren mit dem Komponieren an, und dies auch nur, weil Manfred Eicher ihn 1972, als Motian für ECM sein Debütalbum "Conception Vessel" (ECM 1028) einspielte, dazu ermunterte. Heute gilt er längst als einzigartiger und profilierter Jazzkomponist, dessen Stücke oftmals einen folkloristischen Einschlag haben. Saxophonist Joe Lovano steuerte diesmal mit "Party Line" auch ein Stück bei. Außerdem überraschen die drei Musiker mit einer Interpretation des weniger bekannten Songs "This Nearly Was Mine", den das Songwriter-Gespann Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II 1948 für das Musical "South Pacific" schrieb. Als Sprungbrett für freiere Improvisationen wurde dieses Lied nur selten genutzt: Cecil Taylor nahm es 1960 für sein Candid-Album "The World Of Cecil Taylor" auf.
 
Joe Lovano und Bill Frisell (Jahrgang 1952 respektive 1951), die zusammen am Berklee-College studierten, standen noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere, als sie Paul Motian als Mentor unter seine Fittiche nahm. Heute sind beide selbst etablierte Bandleader und zählen zu den Besten auf ihrem Instrument. Bill Frisell wurde beispielsweise kürzlich von den Lesern des amerikanischen Jazzmagazins Down Beat zum Gitarristen des Jahres gewählt. Lovano gewann die Auszeichnung als bester Tenorsaxophonist auch schon einige Male und hat in seiner Trophäensammlung, so wie Frisell, auch Dutzende andere internationale Preise. Zu Motian stieß Lovano nach einem kurzen Gastspiel in der Bigband von Woody Herman. Sein erstes Album unter eigenem Namen, "Tones, Shapes, And Colors", machte der Saxophonist 1985 für Soul Note. Seit 1990 hat er einen Plattenvertrag mit dem renommierten Label Blue Note, für das er bislang siebzehn Alben einspielte. Darüber hinaus war er Sideman auf Platten von Künstlern wie John Scofield, Herbie Hancock, Elvin Jones, Charlie Haden, Carla Bley, Bobby Hutcherson, Billy Higgins, Dave Holland, Ed Blackwell, Michel Petrucciani, Lee Konitz, Abbey Lincoln, Tom Harrell, McCoy Tyner, Jim Hall, Bob Brookmeyer und vielen anderen.
 
Bill Frisell tauchte erstmals 1979 auf einem ECM-Album auf, als er an der Seite von Eberhard Weber  "Fluid Rustle" einspielte. Weitere ECM-Alben mit der Jan Garbarek Group ("Paths, Prints" / 1981) und noch einmal Weber ("Later That Evening" / 1982) sollten folgen, bevor der Gitarrist 1982 unter dem Titel "In Line" (ECM 1241) endlich sein Solodebütalbum veröffentlichen konnte. Danach war er an der Einspielung stilistischer sehr unterschiedlicher ECM-Alben etwa von Jan Garbarek ("Wayfarer" / 1982), Paul Bley ("Fragments" / 1986), Gavin Bryars ("After The Requiem" / 1990) und Kenny Wheeler ("Angel Song" / 1996) beteiligt. Dazu kamen noch die Alben, die er mit Paul Motian oder unter eigenem Namen gemacht hat ("Rambler" / 1984 und "Look Out For Hope" / 1987) sowie jene mit Marc Johnsons Band Bass Desires ("Bass Desires" / 1985 und "Second Sight" / 1987). Für die Rarum-Serie von ECM wählte Frisell 2002 seine Lieblingsaufnahmen aus seinem immensen ECM-Œuvre aus. Frisells Gitarrenspiel wandelte sich im Laufe der Jahre immer wieder, weil der Künstler ständig neue Inspirationsquellen entdeckte: mal war seine Musik mehr von Blues, Folk oder Country geprägt, mal eher von Rock oder Pop, und stets natürlich vom Jazz. Dabei arbeitete er u.a. mit so unterschiedlichen Künstlern wie Marianne Faithfull, John Zorn, Ronald Shannon Jackson und Elvis Costello zusammen.

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